Wo immer du bist

Cylin Busby
Wo immer du bist

Blink Once, USA, 2012
Bastei-Lübbe/Boje Verlag, Köln, 04/2014
HC, Jugendbuch, Drama, Romance, 978-3-414-82386-1, 239/1299
Aus dem von Sylke Hachmeister
Titelgestaltung von

www.luebbe.de/boje

http://cylinbusby.com

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Was kann einen dazu bewegen, ausgerechnet dieses Buch aus einem Riesenstapel ungelesener Bücher ‚anzupacken‘? – Das Titelbild, nicht besonders ansprechend, ein Mädchen unter Wasser, das anscheinend zu ertrinken droht, war es sicher nicht. Der Name der Autorin, Cylin Busby? Hm, nie gehört? Der Klappentext berichtet zu ihr, dass sie Lektorin für Kinderbücher und Redakteurin für ein Jugendmagazin war, bevor sie zu schreiben anfing und dass „Wo immer du bist“ ihr erster Roman sei, der auf Deutsch erschienen ist. Und das sie dazu inspiriert wurde, weil ihr Vater eine Nahtoderfahrung hatte.

Aha, interessant denkt man und liest den Klappentext zum Inhalt. Eine aus dem Zusammenhang gerissene Textpassage, die auf einen Jugendliebesroman schließen lässt, naja. Die Inhaltszusammenfassung – West liegt nach einem Unfall im Krankenhaus kann sich nicht bewegen und sprechen und trifft doch genau hier auf das Mädchen seiner Träume – hm, noch einmal naja.

Um es vorwegzunehmen, der Klappentext ist richtig, aber im Nachhinein kommt es einem fast wie ein Frevel vor, dieses grandiose Buch so zu beschreiben. Um es kurz zu machen, was es war, was einen bewegt, genau dieses Buch auszuwählen, kann man nicht sagen – alle Äußerlichkeiten sprachen eher dagegen, also nennt man es einmal ganz positiv ‚Instinkt eines erfahrenen Bücherwurms‘.

Zum Lesen selbst kann jeder sich nur gratulieren. „Wo immer du bist“ ist eines der besten Bücher, die mancher in den letzten Jahren, ja, vielleicht sogar in seinem ganzen Leben gelesen hat. Es ist vielleicht nicht in allen Belangen perfekt, aber es ist inhaltlich so stark, dass es den Leser ganz ‚erschlagen‘ hat und auch jetzt, Tage nach der Lektüre, noch beschäftigt.

Das Buch ist, wie jedes gute Buch, äußerst vielschichtig. Es ‚funktioniert‘ z. B. gleich auf mehreren Ebenen als Jugendbuch. Es ist ja auch in einer Jugendbuchreihe erschienen, was in Ordnung ist, aber dem Buch zumindest in Bezug auf die ‚Hauptebene‘ der Erzählung nicht gerecht wird. Der Leser wird am Ende auch viel mehr über ein bestimmtes Thema wissen – nicht nur wissen, sondern ‚erspürt‘ haben – und einen deutlichen Vorsprung vor ‚normalen‘ Diskutanten haben.

An dieser Stelle sollte man den Klappentextschreiber vollständig rehabilitieren. Es wäre sicher relativ einfach möglich, den Inhalt in einigen Sätzen zu beschreiben und dem Leser zumindest einen Wink zu geben, was diese oben in dürren Worten beschriebene 0-8-15-Liebesgeschichte, die durchaus auch eine fantastische oder besser metaphysische Ebene hat, so bemerkenswert macht; es würde dem künftigen Leser allerdings etwas Wichtiges wegnehmen und die Unmittelbarkeit der eigenen Erfahrung verwässern.

Diese Erfahrung ist eine kostbare, aber auch eine stark belastende. Der Roman entfaltet vor allem in der zweiten Hälfte eine emotionale Wucht wie ein Wirbelsturm. Man schämt sich nicht zuzugeben, dass manche bittersüße Passage mit Tränen in den Augen gelesen wird und so berührt, dass man ganz ausgelaugt vor den letzten 40 Seiten einen halben Tag Pause bei der Lektüre einlegen muss.

Allergrößte Hochachtung für die Autorin! Das Schreiben dieses Romans muss unglaublich viel Kraft erfordert haben, man hat den Eindruck, dass da nicht nur gut recherchierte Erfindung im Spiel war, sondern auch so etwas wie ‚Eingebung‘ oder ‚Führung‘. Man ist fast versucht zu sagen, dass man so einen Roman nur einmal im Leben schreiben kann. Falls Cylin Busby dies auch nur annähernd wiederholen kann, wird sie irgendwann zu den besten Autorinnen dieser Generation auf diesem Planeten zählen.

Das Buch könnte man sicher verfilmen, aber ein Film könnte diese Intensität des Geschriebenen niemals auch nur näherungsweise darstellen. Wenn jemand bloß ein Buch im Jahr liest, sollte er zu diesem greifen. Danach wird er vermutlich zum Vielleser mutieren – zumindest so lang, bis er merkt, dass Bücher dieser Qualität eine absolute Rarität darstellen.

Nach den oben beschriebenen Äußerlichkeiten und Umständen ist nicht damit zu rechnen, dass das Buch ein großer Bestseller werden wird. Es sollte aber unbedingt einer werden.

Darum die Empfehlung als Geheimtipp – zum Weitersagen!

Copyright © 2016 by Karl E. Aulbach (KEA)

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