Yamas Rache – Das Blut der Feiglinge 1

Jean-Yves Delitte
Yamas Rache
Das Blut der Feiglinge 1

Le Sang des Lâches – Tome 1, Frankreich, 2014
Panini Comics, Stuttgart, 02/2016
HC-Album, Comic, Adventure, Histo-Thriller, Mystery, 9783957986931, 52/1399
Aus dem Französischen von Isabelle Steffes
Titelmotiv und Zeichnungen von Jean-Yves Delitte

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England, Yorkshire, 1663: Major Arthur J. Pike, Ermittler der königlichen Polizei, wird beauftragt, den Fall einer verstümmelten Leiche zu untersuchen, die im sumpfigen Umland aufgefunden wurde. Die Entdeckung weiterer Leichenteile in der Umgebung legt nahe, dass nicht nur einer, sondern mindestens drei Männer dem Mörder zum Opfer gefallen sind. Eine Spur, der Schmuck einer der Leichen, führt zur mächtigen Niederländischen Ostindien-Kompanie, für die der Tote Handelsbeziehungen geknüpft hatte. Offenbar nicht immer mit legalen Mitteln.

Kurz zuvor gelangte durch einen Zufall das Tagebuch eines gewissen James Edington in Pikes Hände. Wie er selbst war auch Edington ein Ermittler der Krone, der zwanzig Jahre zuvor das Verschwinden von Sir Francis Edgard Mac Laury und die Ermordung von dessen Mannschaft auf dem englischen Handelsposten der Insel Java untersucht hatte. Edington glaubte nicht an das Wirken dämonischer Kräfte, die den Menschen auf der Insel als Erklärung der rätselhaften Ereignisse dienten. Stattdessen scheint es auch hier eine Verbindung zur Ostindien-Kompanie zu geben, der Mac Laury nicht wohlgesonnen war. Unbeirrt verfolgte Edington seine Ermittlungen, die ihn schließlich selbst in Gefahr brachten.

Mit „Das Blut der Feiglinge“ hat Panini einen weiteren Treffer im franko-belgisch geprägten Albenprogramm, den man noch vor zwei Jahren bei Splitter erwartet hätte. Autor und Zeichner Jean-Yves Delitte („Die neuen Zaren“, „Die Neptune“, „Black Crow“) präsentiert hier einen historischen Thriller, der sich angenehm von derzeit allgegenwärtigen „Sherlock Holmes“-Geschichten und -Kopien abhebt, schon allein da der Fall mehr als 200 Jahre früher angesiedelt ist.

Nach kurzer Exposition ist man als Leser schon ganz bei den Figuren und mitten im Geschehen, und ob des mitreißenden Tempos kommt man gar nicht mehr dazu, sich zu fragen, warum Delitte hier scheinbar zwei getrennte Geschichten erzählt, die mehr als 20 Jahre trennen und absolut unterschiedliche Protagonisten aufweisen. Die Zeitsprünge geschehen in relativ hoher Frequenz, doch gelingt es gut, den Überblick zu behalten. Ob hinter der optischen Ähnlichkeiten verschiedener Personen aus beiden Erzählsträngen Methode steckt, müssen die Folgebände zeigen.

Zumindest im Geiste und in ihrer Loyalität zur Krone sind sich Pike und Edington sehr ähnlich. Trotz wiederholter Versuche von außen, die Ermittlungen abzuschließen, bringt sie beide nichts von ihrer Arbeit ab, bevor nicht alle offenen Fragen zu ihrer vollen Zufriedenheit geklärt sind. Gerade in diesen Szenen sind die ohnehin sehr gelungenen Dialoge besonders gewandt und der Situation angemessen mehr oder weniger diplomatisch. Hier auch ein Kompliment an die Übersetzung, die die altertümliche (Hoch-) Sprache bewahrt.

Dass die Ereignisse der Vergangenheit und der Gegenwart irgendwie zusammen hängen, steht wohl außer Frage. Und dass die Niederländische Ostindien-Kompanie, die eine erhebliche Wirtschaftsmacht darstellt, möglicherweise als Drahtzieher in Frage kommt, ebenso wenig. Mit diesem Szenario hat man einen thematisch sehr modernen Thriller vor sich, dem ein historisches Gewand übergestreift wurde.

Die Zeichnungen sind realistisch, detailliert und satt in gedeckten Farben und vorwiegend Erdtönen koloriert. Die wiederholt eingesetzten Außenansichten, Bilder von historischen Gebäuden, indonesischen Tempeln, Schiffen und Landschaften vermitteln zusätzlich ein Gefühl von großem Abenteuer.

Ein Wermutstropfen ist lediglich, dass die Story mitten in der Handlung unterbrochen und erst in Band 2 fortgesetzt wird.

Teil 1 eines historischen Mystery-Thrillers, der auf zwei Zeitebenen erzählt wird und optisch kunstvoll umgesetzt ist.

Copyright © 2016 by Elmar Huber (EH)

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