Zu Gast im Westerwald

Renate Kissel und Ulrich Triep
Zu Gast im Westerwald
(sfbentry)

Nünnerich-Asmus (April 2015)
Gebundene Ausgabe, 192 Seiten
173 Abbildungen und 2 Karten
ISBN 978-3-943904-99-4
http://www.na-verlag.de/

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Der Mainzer Verlag Nünnerich-Asmus hat mit “Zu Gast im Westerwald” einen zweigeteilten Führer durch eine der schönsten Regionen Deutschlands publiziert. Während sich die erste Hälfte des Buchs um die Region an sich kümmert, führt der zweite Teil kulinarische Spezialitäten auf.

Oberflächlich betrachtet ist das Buch ein schöner Landschaftsführer, der durch den gesamten Westerwald leitet und sehr viele tolle Attraktionen aufzeigt, sowie kleine Wissenshäppchen serviert. Alles mit schönen Fotos aus der Region illustriert. Für einen ersten Eindruck ist das mehr als ausreichend und macht “Zu Gast im Westerwald” zu einem gelungenen Präsent für Einsteiger in die Region.

Auch die Rezepte wissen zu überzeugen, sind sie doch appetitanrregend bebildert und erklären die Gerichte auf eine simple und nachkochbare Art und Weise. Das ist für eine Rezeptsammlung natürlich das A und O. Auch hier wird einem unbedarften Leser und Betrachter alles serviert, was es zum Einstieg in die kulinarischen Genüsse des Westerwalds zu bieten gibt.

Auf den ersten Blick also ein gelungenes Buch, auf den zweiten Blick liegt aber der Fehler im Detail verborgen. So wirken die Texte wie recht lieblos aneinandergestückelte Informationen aus diversen Tourismusbroschüren und auch etliche der Bilder sind aus der Touristikinformation mehr als bekannt. Also nichts Neues aus dem Westerwald, wie es scheint. Das dürfte allerdings eher an den beiden Autoren liegen.

Als Beispiel mag Bad Marienberg dienen, bei dem das Wildpark Hotel mit seinem 360°-Drehrestaurant einfach unter den Tisch fällt und bei dem der örtliche Wildpark angeblich über einhundert heimische und exotische Tierarten beherbergt. Ein Faktencheck auf der Homepage des Wildparks (http://www.wildpark-badmarienberg.de) oder ein Anruf beim zuständigen Ranger hätte ergeben, dass es da weitaus weniger Tierarten gibt. Eventuell ein Tippfehler, denn es sind durchaus mehr als einhundert heimische und exotische Tiere im Wildtiertpark beheimatet.

Als nächstes Beispiel für eine schlechte Recherche oder Selektion von Sehenswürdigkeiten, mag Hachenburg dienen. Dort ist das größte kulturelle Mammutprojekt der Hachenburger Gegenwart gar nicht aufgeführt, obwohl “Zu Gast im Westerwald” 2015 erschien. Der Hagenberg-Film, unter der Regie von Thomas Sonnenschein, findet keine Erwähnung. Nicht einmal als Randnotiz. Dabei war der Film ein Projekt, das die Hachenburger jahrelang beschäftigte.

Aber allgemein ist die Auswahl der Örtlichkeiten und Themen im Buch nur wenig nachvollziehbar. Dabei wäre vom Platz her viel mehr möglich gewesen, kommt das Layout doch mit erheblichem Whitespace (Leerraum) daher.

Wenig nachvollziehbar ist vor allem, warum ausgerechnet einer Lachsmanufaktur der meiste Raum im Regionalabschnitt des Buches eingeräumt wurde. Lachs ist keine lokale Spezialität und die Manufaktur im Westerwald eher wenig bekannt. Das ist irritierend. Es gibt mehr und und vor allem verwurzeltere Betriebe, die spannender zu lesen wären.

Ähnlich geht es im Rezeptbereich des Buches zu, der sich allerdings mit der Überschrift “Traditionelle und neue Westerwälder Rezepte” ein wenig rettet. So wurden zum Strecken des Kapitels ein paar normale, moderne Rezepte zugefügt, die sich allerdings nicht regionalweit ausgebreitet haben und sich deswegen nicht unbedingt auf den Speisekarten der meisten Westerwälder Restaurants befinden. Sie sind also im eigentliche Sinne keine neuen Westerwälder Rezepte, aber dennoch lecker.

Weniger am Thema vorbei sind die traditionellen Rezepte, davon hätten es allerdings ein paar mehr sein dürfen. Vor allem Rezepte wie die Wurstsuppe, das Kartoffelbrot, die Westerwälder Klöße oder die Kartoffelsuppe, fehlen einfach.

Das Fazit ist im Grunde eindeutig. Wer nur nach oberflächlichen Informationen über den Westerwald sucht und einen ersten Eindruck gewinnen möchte, der ist mit “Zu Gast im Westerwald” ganz gut bedient, obwohl das Buch Persönlichkeit und Liebe vermissen lässt. Es ist halt weitgehend eine Zusammenstellung aus anderen Quellen, aber wenigstens nett aufgemacht.

Wer ins Detail gehen möchte, der sollte sich eine der Regionen herauspicken und dort einfach mal ein wenig Urlaub machen, um Land und Leute kennenzulernen. Für Einheimische dagegen gibt es nichts Neues, dafür aber große Lücken zu entdecken.

Transparenzhinweis: Der Autor der Rezension lebt in der Verbandsgemeinde Bad Marienberg und hat in seiner Jugend das ein oder andere Jahr in diversen anderen Orten des Westerwalds verbracht. Zudem hat er das Buch mehreren Einheimischen vorgelegt, um deren Reaktion und Expertise einzuholen. Um einen Eindruck von der Sprache der Wäller zu bekommen, empfiehlt er zudem folgendes Video: https://www.youtube.com/watch?v=5N6Y4BUs3r0

Copyright © 2015 by Günther Lietz, all rights reserved

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.