Bio- & Autobiografien

Leuchtfeuer

Im 19. Jh. entwickelt sich die schottische Familie Stevenson zu einer Dynastie, die sich auf den Leuchtturm-Bau spezialisiert. Die Autorin schildert die enormen technischen Herausforderungen, bezieht dabei das historische Umfeld ein und entwirft eine Familiengeschichte, die durch Perfektionsdrang und Patriarchen-Zwang verdunkelt wurde und trotzdem einen Schriftsteller von Weltruf hervorbrachte. Inhalt und Form stehen in perfektem Einklang und sorgen für ein Sachbuch von hoher erzählerischer Qualität.

In jedem Augenblick unseres Lebens

Karin, die hochschwangere Freundin von Tom, landet mit grippeähnlichen Symptomen im Krankenhaus. Die Grippe entpuppt sich jedoch als akute Leukämie, der Zustand von Karin als äußerst kritisch. Schließlich entschließen sich die Ärzte das Kind zu holen. Livia, die gemeinsame Tochter von Tom und Karin, kommt auf die Frühchen Station, für Karin geht der Kampf ums Überleben weiter. Tagelang pendelt Tom in der Klinik zwischen Frau und Kind hin und her. Am Ende verlässt er die Klinik nur mit seiner Tochter. Nun beginnen für ihn neue Probleme.

Louis Armstrong. Ein extravagantes Leben

Biografie eines kulturhistorisch prägenden Musikers, dessen Leben wichtige Kapitel der Zeitgeschichte abdeckt. Beides wird in diesem Buch gewürdigt, wobei das Schwergewicht auf die ersten Jahrzehnte gelegt wird, die der Biograf für ‚wichtiger‘ hält als Armstrongs späteres Leben. Die Faktenfülle ist oft eher erstickend als informativ, und die Darstellung wird beinahe romanhaft inszeniert, während die Sachlichkeit hinterherhinkt: Der Autor hätte sich zum Besseren seines ansonsten lesenswerten Werkes zurückhalten sollen.

Der Mann, der die Wörter liebte

Jedes Wort der englischen Sprache soll ermittelt, erforscht und erläutert werden: Das „Oxford English Dictionary“ benötigt bis zur Vollendung sieben Jahrzehnte. Unter den Mitarbeitern ist ein wahnsinniger Mörder, dem die Forscherarbeit Halt und Trost bietet … – Autor Winchester findet für sein Thema – die eigentlich wenig spannende Geschichte des genannten Wörterbuchs – den idealen Einstieg über die Biografie von W. C. Minor: Ein Geisteskranker leistet Großes im Rahmen eines wahnwitzigen Projekts. Das Ergebnis ist ein Sachbuch mit Thriller-Qualitäten.

Den Himmel stürmen

Die Frühgeschichte der motorisierten Luftfahrt wird am Beispiel der beiden Pioniere Wilbur und Orville Wright rekonstruiert. Obwohl die Darstellung ein wenig zu US-zentriert ist, bietet das Autorenduo nicht nur einen informationsreichen, gut geschriebenen Text, sondern ergänzend moderne und zeitgenössische Fotos von ausgezeichneter Qualität: ein Bild- und Bildungs-Buch der Oberklasse.

Der Teufel von Chicago

Im Chicago der 1890er Jahre verwirklicht der Architekt Daniel H. Burnham eine Weltausstellung, deren Glanz und Größe jedes bekannte Maß sprengt. Gleichzeitig wird der ‚Arzt‘ H. H. Holmes als einer der ersten und schlimmsten Serienmörder aktiv … – Mit immensem Rechercheaufwand und in wunderbarer Sprache lässt Eric Larson das späte 19. Jahrhundert auferstehen. Sein Werk kann ohne Einschränkungen empfohlen werden; dies ist ein „Geschichtsbuch“, das auch den Laien nicht abschrecken, sondern fesseln wird!

Von Mr. Holmes zu Sherlock – Meisterdetektiv. Mythos. Medienstar

Mit der Biografie des Arztes und Schriftstellers Arthur Conan Doyle beginnt der Autor seine Geschichte von Sherlock Holmes, der von einer Literaturfigur zu einer multimedialen Weltmacht und einem globalen Kult mutierte, sich dabei stetig weiterentwickelte und weiterhin neu erfunden wird … – (Manchmal allzu) detailverliebte, vor allem die Jahre bis ca. 1970 sehr ausführlich behandelnde, später abflachende und ausfasernde Darstellung, die leider auf Bilder fast völlig verzichtet; dennoch ein ebenso informatives wie unterhaltsames Buch.

Heinz Erhardt. Mopsfidel im Wirtschaftswunderland

Merkwürdige Mischung aus Biografie, zeithistorischer Betrachtung und Bilderbuch, das sich mit der Karriere des deutschen Komikers Heinz Erhardt (1909-1979) beschäftigt bzw. diese zelebriert. Die Gliederung ist z. T. schwer nachvollziehbar da sprunghaft, die Texte sind relativ knapp aber informativ. Das unschlagbare Plus des in jeder Hinsicht gewichtigen Werks sind seine Fotos, die in Auswahl und Wiedergabequalität schlicht Maßstäbe setzen.

Die Ehre des Scharfrichters

In 45 Jahren richtete Henker Frantz Schmidt (1554-1634) 394 Menschen hin. Über seinen Dienst führte er penibel ein Journal, das es ermöglicht, die frühneuzeitliche Alltagswelt, in welcher der Tod als selbstverständliche Strafe galt, besser zu verstehen … – Schmidts Äußerungen werden in ihren zeitgenössischen Rahmen gestellt und kommentiert, die Darstellung ist fachkundig und spannend zugleich: ein Sachbuch nicht für Gewalt-Voyeure, sondern für historisch interessierte Leser.

Scott & Amundsen

Mit unerhörter Detailfreude, die durch ein bemerkenswertes Darstellungstalent getragen wird, berichtet Autor Huntford in seinem zu Recht als Standardwerk gewürdigten Buch vom Drama der Südpol-Eroberung 1911/12. Ohne die Teilnehmer als Helden zu verklären, schildert Huntford kritisch die Geschichte eines Erfolges, der durch eine quasi vorprogrammierte Katastrophe konterkariert wurde: ein großartiges Buch!