Bio- & Autobiografien

Crime Wave. Auf der Nachtseite von L. A.

Elf „True-Crime“-Storys, Kurzgeschichten und Autobiografisches aus der Feder von James Ellroy. Die Beiträge erschienen ursprünglich in einem US-Magazin und beschäftigen sich mit der fiktiven und tatsächlichen Geschichte der Filmstadt Los Angeles, wobei Ellroy sich auf die kriminellen Aspekte konzentriert, zu denen er, ein ehemaliger Verbrecher, selbst Substanzielles beizutragen weiß: interessant und intensiv, zumal die Leidenschaft des Verfassers sich jederzeit mitteilt.

Omen – Das Horror-Journal, Nr. 1

Ein (weiterer) Versuch, in Deutschland ein professionelles Magazin zu etablieren, das Kurzgeschichten und Hintergrund-Informationen zum aktuellen Horror-Genre, zu seiner Geschichte und seinen Autoren präsentiert. Der Info-Part besticht durch sein solides sekundärliterarisches Fundament. Die Stories belegen primär die weitgehende Abwesenheit einschlägiger deutscher Talente; es siegen nach Punkten oder sogar durch K. O. die angelsächsischen Profis. Insgesamt ein Projekt, das trotz diverser Schwächen Interesse und finanzielle Unterstützung seitens möglichst vieler Käufer verdient. (Eine Hoffnung, die sich rasch zerschlug).

AC/DC – Maximum Rock ’n‘ Roll

Mehr als 40 Jahre Geschichte einer dem Zeitgeist den Stinkefinger zeigenden Rockband werden auf mehr als 600 opulent gestalteten Seiten aufgeblättert. Den Schwerpunkt bilden die aufregenden Anfänge, wobei neben grundsätzlichen Fakten unwichtige Kleinigkeiten aufgegriffen werden, die den Lesern ‚beweisen‘ sollen, dass AC/DC unkonventionelle Teufelskerle sind. „Maximum Rock ’n‘ Roll“ ist stattdessen das erschreckend beliebige Porträt einer aufregenden Band, deren Werdegang ebenso ehrfürchtig wie unkritisch nacherzählt und mit langweiligen Fotos illustriert wird.

Wer hat denn den gedreht?

Bevor sie starben und ihr einmaliges Insiderwissen mit ins Grab nahmen, befragte der junge Journalist und spätere Regisseur Peter Bogdanovich Filmschaffende, die in der „Goldenen Ära“ Hollywoods gearbeitet und Meisterwerke auf die Leinwand gebracht hatten. Viele Jahre später stellte Bogdanovich diese Interviews in einem grandiosen Sammelband vor, der eine große Zeit des klassischen Kinos kundig und ebenso informativ wie anekdotenreich aufleben lässt: ein Meisterwerk!

Unter Wasser

Seit Jahrzehnten taucht Fotograf und Biologe Curtsinger vor allem in die kalten, dunklen Meere und Seen dieser Welt. Ihm gelangen Bilder von Tieren, die so noch niemand in ihrer natürlichen Umgebung sah. Haie, Wale und Robben aber auch scheinbar unspektakuläre Wesen wie Quallen, Schwämme oder Seeflöhe mutieren vor seiner Linse zu atemberaubenden Fabeltieren, die in kurzen, informativen Texten (Autor: ebenfalls Curtsinger) als integrale Bestandteile ihrer speziellen Ökosysteme beschrieben werden: sowohl ein Augenschmaus als auch ein Lesevergnügen.

Jack the Ripper – Anatomie einer Legende

‚Nur‘ fünf Opfer forderte Jack the Ripper im London des Jahres 1888, doch aufgrund der unerhörten Brutalität seiner Morde, des Ausmaßes der öffentlichen Panik sowie der Tatsache, dass er nie gefasst wurde, wurde er rasch zur modernen Legende. Die Nachforschungen der „Ripperologen“ füllen Bibliotheken, aber die Autoren Püstow & Schachner stellt nüchtern bzw. sachlich fest, dass eine Auflösung nicht in Sicht ist. Sie legen die bekannten Fakten dar; prägnant, objektiv und ohne Sensationseffekte, was dieses Buch in der Tat zu einem Standardwerk macht.

Götter, Gräber und Gelehrte

Die frühen Hochkulturen der Erde, ihre (Wieder-) Entdeckung und die Geschichte/n jener Wissenschaftler, die sich um die Erforschung der Vergangenheit bemühten, stellt Autor Ceram in einer Mischung aus Faktenschilderung und Roman vor. Kurz nach dem II. Weltkrieg entstanden, bewahrt dieses überaus lebendig geschriebene Buch trotz nachträglicher (aber oberflächlicher) Aktualisierung seines Inhalts vor allem in seiner Sprache den Geist der Entstehungszeit, was weder ohne Folgen noch Probleme bleibt: eine ebenso interessante wie zwiespältige Neuveröffentlichung.

Wer war Jack the Ripper?

Thriller-Autorin Patricia Cornwell, weltberühmt durch die Serie um die kriminalistisch aktive Pathologin Kay Scarpetta, wartet in Sachbuch mit einem Knüller auf: der Entlarvung des historischen Super-Serienmörders Jack the Ripper! Ein deutscher Maler sei er gewesen, dämonisch schlau und nach dem Ende der West End-Mordserie weiterhin aktiv … – Jahre der aufwändigen Recherche in den Archiven und Labors der westlichen Welt und viele Millionen Dollar brachten dieses Buch hervor, das sich nahtlos einreiht in die lange, lange Reihe jener Werke, die immer neue Ripper-Gestalten in die Welt setzen, ohne jedoch liefern zu können, was allein überzeugen könnte: den ultimativen, schlüssigen Beweis.

Joe Goulds Geheimnis

Ein Journalist aus New York verfolgt über viele Jahre die Spuren eines unbehausten Stadtstreichers, der von sich behauptet, die Geschichte der Menschheit von ganz unten zu schreiben, und damit im intellektuellen Milieu Beachtung findet. Nach dem Tod dieses Mannes erzählt der Journalist dessen wahre Geschichte … und die ahnt man zwar, kann sie aber dennoch kaum glauben. Die Geschichte des Joe Gould wird von Joseph Mitchell mit harten Fakten, aber mitfühlend, fast poetisch erzählt und verdichtet sich zu einem Lebensbild, das tragisch und eindrucksvoll gleichzeitig ist.

Leuchtfeuer

Im 19. Jh. entwickelt sich die schottische Familie Stevenson zu einer Dynastie, die sich auf den Leuchtturm-Bau spezialisiert. Die Autorin schildert die enormen technischen Herausforderungen, bezieht dabei das historische Umfeld ein und entwirft eine Familiengeschichte, die durch Perfektionsdrang und Patriarchen-Zwang verdunkelt wurde und trotzdem einen Schriftsteller von Weltruf hervorbrachte. Inhalt und Form stehen in perfektem Einklang und sorgen für ein Sachbuch von hoher erzählerischer Qualität.