Historisch

Die weiße Straße

Im Süden der USA wecken Rassisten die Geister der Vergangenheit, die Sühne für einen vor langer Zeit begangenen Lynchmord fordern. Zwischen allen Fronten versucht Privatdetektiv Charlie Parker, den aktuellen Tod eines Mädchens zu klären – und dabei am Leben zu bleiben … – Ungemein spannender, mit drastischen Gewaltszenen nicht sparender, atmosphärisch intensiver Thriller, in den sich Elemente des Phantastischen mischen. Wo es funktioniert, entsteht eine ebenso unheimliche wie poetische Zwischenwelt, in der die Lebenden und die Toten Seite an Seite existieren.

Declare – Auf dem Berg der Engel

Der Kalte Krieg zwischen den Geheimdiensten der irdischen Großmächte wird unter ‚Rekrutierung‘ der von Gott abgefallenen und aus dem Himmel gestürzten Engel geführt. Ein sorgfältig geschulter Agent soll ihnen auf dem Gipfel des Berges Ararat den Garaus machen, aber selbst gefallene Engel sind mächtige Kreaturen … – Ungemein dichte, vielleicht überambitionierte, weil die Spannung manchmal in einer Flut unnötiger Details ertränkende aber spannende, eindrucksvolle und sogar geniale Mischung aus Historien- und Spionage-Thriller, Phantastik und Love-Story.

Polizisten leben gefährlich

In einer US-amerikanischen Großstadt eröffnet ein Mörder die Jagd auf Polizeibeamte, die er aus dem Hinterhalt niederschießt. Unter großem Druck auch der Medien versuchen die Kollegen, den Täter dingfest zu machen, bevor der nächste Cop zu Boden geht … – Schon der erste von insgesamt 55 Romanen um das 87. Revier bietet knappe, spannende, dabei gefühlsduselfreie aber keineswegs emotionslose Krimi-Unterhaltung und verdeutlicht, wieso die ein halbes Jahrhundert fortgesetzte Serie so erfolgreich war: ein moderner Klassiker.

Leuchtfeuer

Im 19. Jh. entwickelt sich die schottische Familie Stevenson zu einer Dynastie, die sich auf den Leuchtturm-Bau spezialisiert. Die Autorin schildert die enormen technischen Herausforderungen, bezieht dabei das historische Umfeld ein und entwirft eine Familiengeschichte, die durch Perfektionsdrang und Patriarchen-Zwang verdunkelt wurde und trotzdem einen Schriftsteller von Weltruf hervorbrachte. Inhalt und Form stehen in perfektem Einklang und sorgen für ein Sachbuch von hoher erzählerischer Qualität.

Rückkehr ins Haus Usher

Ausgerechnet die Nachfahren des im Wahnsinn geendeten Roderick Usher führen ein übel beleumundetes Sanatorium, das ins Visier gieriger Finanzhaie gerät, wie der Amateur-Detektiv John Poe herausfindet, ohne den neuerlichen Untergang des Hauses Usher verhindern zu können … – Ein marginal talentierter Neu-Autor nutzt seine (entfernte) Verwandtschaft zum berühmten Schriftsteller Edgar Allan Poe, um sich an dessen Werk zu vergreifen: zumindest aufgrund der Dreistigkeit des Versuchs und seines Scheiterns interessantes (Mach-) Werk.

K-19 und die Geschichte der russischen Atom-U-Boote

Ausgehend vom Atom-Unfall an Bord der K-19 im Jahre 1961 rekonstruiert der Verfasser die desasterreiche Geschichte der sowjetischen U-Boot-Marine, die überhastet konstruierte und schlecht gebaute Unterseeboote in den Kalten Krieg mit den USA warf und dabei skrupellos Menschenleben aufs Spiel setzte. Das lesenswerte, gut recherchierte und spannend geschriebene Sachbuch beschränkt sich nicht auf die Nacherzählung diverser Katastrophen, sondern bettet einzelne Ereignisse in den historischen Kontext ein und beschreibt auch das ‚Erbe‘, das die UdSSR der Welt in Gestalt radioaktiv verseuchter Meere und Häfen hinterließ.

Anhalten!

Ein Handelsvertreter wurde offensichtlich von einem Anhalter umgebracht. Viele Spuren enden in Sackgassen, bis ein junger Polizeibeamter die widersprüchlichen Indizien zu einem überraschenden Ergebnis bündeln kann … – Früher Krimi des Subgenres „police procedural“. Der nüchtern und spannend geschilderten Ermittlung schadet ein simpel-konservatives Weltbild, das jegliches Abweichen von der gesellschaftlichen Norm zum Schritt ins Verderben stilisiert: trotzdem lesenswert.

Verbrechen in Mannersley

Als ein reicher Landadliger ermordet wird, gerät sein krimineller Neffe in Verdacht. Die einander widersprechenden Indizien kann ein Scotland-Yard-Inspektor mühsam entwirren, aber erst das Schicksal sorgt tief in den Minen eines Bergwerks für einen glatten Abschluss der Affäre … – Diese unentschlossene Mischung aus Krimi und Drama ist das Werk eines routinierten aber hastigen Vielschreibers, der seine Spannungselemente hintereinander schaltet, statt sie in den Dienst einer durchkonstruierten Handlung zu stellen: sehr altmodisch und höchstens gerade deshalb lesenswert.

Straße der Gewalt

Polizist Robicheaux ermittelt gegen einen Südstaaten-Monarchen, der zur Erhaltung von Reichtum und Macht auch über Leichen geht; diese Dreistigkeit wird erst heimlich und dann offen mit Druck, Drohungen und Gewalt geahndet, während im Hintergrund ein reumütiger Killer mörderisch nach Erlösung sucht … – Der 13. Dave-Robicheaux variiert das typische James-Lee-Burke-Thema vom einsamen Idealisten, der längst verschwundenen Werten nachhängt aber nicht davor zurückschreckt, das Gesetz zu biegen, um ihnen Geltung zu verschaffen: komplex, spannend und sehr stimmungsvoll, obwohl hin und wieder ein wenig zu weltschmerzhaft.

Das Logbuch der „Waratah“

1909 verschwand der Großvater, 1967 der Vater, nun geht der Bruder im stürmischen Atlantik vor der südafrikanischen Südspitze verloren: Für Seemann Ian Fairlie wird die Suche nach einem legendären Wrack zum Lebenszweck, von dem er besessen ist, was ihn immer wieder in lebensgefährliche Situationen geraten lässt … – Autor Jenkins versucht fiktiv aber unter Berücksichtigung historischer Fakten die Klärung eines Schiffbruchs, der bis heute ungeklärt blieb. Die ausgezeichnet recherchierte und spannend erzählte Geschichte hakt dort, wo der Verfasser ihr eine „love story“ aufpfropfen will; dennoch überaus lesenswert.