Historisch

Dead Man’s Song

Ein Routine-Mordfall führt die Beamten des 87. Polizeireviers auf die Spur eines Verbrechens, das zwar tief in der Vergangenheit wurzelt, jedoch in der Gegenwart bis zur Auflösung für weitere Leichen sorgt … – Der 50. Band der legendären Serie um besagtes Polizeirevier zelebriert nicht das Jubiläum, sondern bietet, was die Leser kennen und schätzen: einen solide geplotteten, spannend entwickelten, schnellen Kriminalroman der klassischen Schule.

Der schwarze Pfad

Eine Schriftstellerin, ihr Sohn und ein Geheimdienst-Offizier wollen eine junge Frau retten, die nicht nur von Satanisten entführt werden soll, sondern in den Nachtstunden vom Teufel besessen ist. Quer durch Frankreich bis in die englische Provinz führt die Jagd, an deren Ziel Satan schon ungeduldig mit dem Huf scharrt … – Ebenso klassisch wie trashig rührt Autor Wheatley spannend an, was die Populärkultur in Sachen Schwarzer Magie hergibt. Nicht grundlos (aber grausig schlecht) wurde dieses Garn verfilmt, denn es bietet Action, Archetypen und (sacht anrüchigen) Horror.

Die Invasion

Vom sechsten Mond des Saturn wollen schleimige Parasiten, die ihre Opfer übers Rückenmark ‚fernsteuern‘, die Erde erobern. Wackere US-Agenten sagen ihnen den Kampf an und setzen schließlich zum Gegenschlag im All an … – SF-Klassiker, der vor kaum verhohlener Invasions-Paranoia aus der Ära des Kalten Krieges nur so trieft. Ansonsten ein merkwürdig sprunghafter, d. h. spannender aber absolut unlogischer Reißer, der nostalgisch amüsiert und mit einigen guten Detaileinfällen unterhalten kann.

Tragödie in drei Akten

Der scheinbar zufällige Tod eines Geistlichen erweist sich als Glied einer komplex verschlungenen Kette krimineller Taten, mit der einer alten Tragödie mörderisch neues Leben eingehaucht wird … – Im 16. Roman um den Privatermittler Hercule Poirot zeigt sich Agatha Christie auf der Höhe ihrer Krimi-Kunst: Plot, Story und Figurenzeichnung wirken nicht altmodisch, sondern zeitlos.

Sherlock Holmes und die Farben des Verbrechens

Krohn, wegen seines leichten und phasenweise poetischen Stils manchmal an Ray Bradbury erinnernd, legt mit dem vorliegenden Band (der nur über den Verlag als gedruckte Version für 12,95 zu beziehen ist, ansonsten als E-Book oder Hörbuch angeboten wird) vier wunderbar authentisch wirkende Sherlock Holmes Geschichten vor, die vor allem jene Zeit beleuchten sollen, in welcher der berühmte Detektiv tot gewähnt worden war, nachdem er mit seinem Erzfeind Moriarty den Reichenbach-Wasserfall heruntergestürzt war. Wie Kenner wissen, entschloss sich der überdrüssige Autor Arthur Conan Doyle damals, seinen Helden sterben zu lassen, knickte aber nach vehementen Leserprotesten wieder ein und belebte die literarische Figur nach einiger Zeit neu und ließ Holmes wieder auferstehen.

Der Mordfall Benson

Als ein reicher Spekulant und Frauenheld ermordet wird, ist aufgrund der Indizien für die Polizei der Fall rasch klar. Feingeist Philo Vance schaltet sich als Hobby-Detektiv ein, hinterfragt die Fakten und stellt klar, dass sie keine Beweise sein müssen, sondern manipuliert sein können … – Der erste Band der Vance-Serie ist hartes Brot für heutige Leser: Unerbittlich langsam entwickelt ein zudem impertinent seine Überlegenheit zelebrierender Detektiv seine Schlussfolgerungen, bis sie endlich in einem „grande finale“ aufgelöst werden: vor allem aus literaturhistorischer Sicht interessanter, auf seine gründliche Art durchaus spannender Rätsel-Krimi.

Gefühl ist unmodern

Ein junger Polizist gerät in das Zentrum einer Mordermittlung, wird das Opfer dienstlicher Intrigen und verliebt sich unglücklich in eine womöglich kriminelle Frau … – Der dritte Roman der Ralph-Lindsey-Serie mischt routiniert Krimi und Drama, ohne letzterem allzu viel Raum zu gewähren. Zwar ist der Plot weder komplex noch originell, doch der nüchtern geschilderte Polizei-Alltag einer vergangenen Ära sorgt für gealterte aber gut lesbar gebliebene Unterhaltung.

Der Galgenvogel

Pechvogel Tom Hawkins wird im London des Jahres 1728 erst des Mordes an einem streitsüchtigen Nachbarn bezichtigt, gerät dann in den Bannkreis der intriganten Königin Caroline, bringt einen mächtigen Diebesfürsten gegen sich auf und soll schließlich als unerwünschter Zeuge am Galgen baumeln … – Wie er sich diesem Schicksal nicht nur stellt, sondern trickreich um sein Leben kämpft, schildert Autorin Hodgson dicht, spannend und wendungsreich im zweiten Band ihrer Hawkins-Serie, die abermals ‚historische‘ Stimmung nicht durch Informations-Overkill herbeizwingen will, sondern Fakten handlungsgerichtet einfließen lässt.

Scarface

Mit der Geschichte des Gangsters Tony Camonte zeichnet Verfasser Trail den Aufstieg des modernen organisierten Verbrechens in den USA nach. Die recht akkurate Rekonstruktion der dem zugrundeliegenden Mechanismen gefällt, doch der in der Übersetzung gewahrte Trivialstil und unzählige zeitgenössische Moralismen verderben den Lektürespaß an diesem unvorteilhaft gealterten Klassiker der Kriminalliteratur.

Tod bei Tisch

Ein Kriminalschriftsteller stolpert in der schwedischen Provinz über einen angeblich durch Selbstmord geendeten Arzt und dessen undurchsichtige Familie. Er verliebt sich in die Tochter des Hauses, versucht den Fall selbst zu lösen und stellt sich dabei wider Erwarten so geschickt an, dass der Mörder schließlich mit den üblichen lebensgefährlichen Folgen nervös wird … – Konventioneller Krimi aus Skandinavien, der weniger durch einen originellen Plot oder Hochspannung gefällt, sondern handwerkliches Geschick und viel trockenen Witz zu bieten hat.