Horror

Die Kinder der Nacht

14 Storys eines Meisters der klassischen „Pulp“-Phantastik und des Abenteuers; der unerhörte Schwung eines geborenen Geschichtenerzählers trägt über Logiklücken, Flachfiguren oder Inhaltsklischees mühelos hinweg und lässt vor den Leseraugen versunkene Welten und archaische Gräuel quicklebendig werden: Auch Band 5 der Howard-Edition bietet hohen Lektüregenuss!

Winter People – Wer die Toten weckt

In einer abgelegenen Region Neuenglands kehren die Toten zurück, wenn man sie ruft. Leider haben sie sich sehr verändert, weshalb die Wiedersehensfreude rasch Entsetzen und Mord weicht … – Auf zwei Zeitebenen (1908 und Gegenwart) spinnt die Autorin ein erfreulich klassisches Gruselgarn, das mit modernen Schauerlichkeiten durchwebt ist und stimmungsdämpfende Seifenoper-Elemente auf ein erträgliches Maß dämpft: leicht überdurchschnittliche Phantastik.

Quazi

Die Menschen müssen sich den Globus mit den Untoten teilen, von denen einige – die „Quazis“ sogar intelligent sind. Polizist Denis Simonow muss mit einem Quazi-Kollegen den Mord an einem Wissenschaftler aufklären. Das ungleiche Team stößt dabei auf geheime und für sie gefährliche Informationen über den Ursprung der ‚Wiederauferstehung‘ … – Bekannte Zombie-Endzeit-Module werden vor relativ neuer Kulisse zusammengesteckt; insgesamt ist das Ergebnis routiniert, durchaus lesenswert, recht kurzweilig und unterhaltsam und hat den ein oder anderen cleveren Plot zu bieten: Gebrauchsliteratur zur Ablenkung, nicht mehr und nicht weniger!

Das Haus in Cold Hill

Familie Harcourt zieht in ein Spukhaus ein, dessen Bewohner es nach dem Willen des dort regierenden Ober-Geistes selbst tot nicht verlassen dürfen; aus Irritation wird Angst, aus nächtlichen Vorfällen nackter Terror, während besagte Familie die Todesfalle zu verlassen versucht … – Quasi ein Kompendium sämtlicher Klischees, die das Genre „Ghost Story“ zu bieten hat; das dürftige, in die Länge gezogene Garn leidet zusätzlich unter Flach-Figuren und objektiv dämlichen Geistern: Stärker als Familie Harcourt leidet wieder einmal die Leserschaft.

Halloween

Ein keltischer Dämon fährt in einen US-Jüngling, der fürderhin maskiert auf Menschenjagd geht und es vor allem auf sein ahnungsloses Schwesterlein abgesehen hat. Nachdem er dem Irrenhaus entfliehen konnte, kehrt er in sein Heimatstädtchen zurück, um dort den Teenies in der Halloween-Nacht Saures zu geben … – Das Buch zum Kultklassiker des Horrorfilms ist eine Beleidigung des Lesers, dem mit der deutschen ‚Übersetzung‘ ein weiterer Tiefschlag versetzt wird.

Hex

Seit dreieinhalb Jahrhunderten rächt sich Katherine an den Bewohnern jenes Ortes, in dem sie als Hexe hingerichtet wurde. Niemanden lässt sie gehen, sämtliche Versuche, sie auszuschalten, blieben vergeblich. Als Jugendliche dies auf die Probe stellen, wird eine Gewaltspirale in Gang gesetzt, die alle Bürger in Lebensgefahr bringt … : Fulminante Horrorgeschichte mit interessanten Charakteren, einer packenden und glaubwürdigen Atmosphäre und dem erforderlichen Gruselfaktor: ein starker Roman, spannend unheimlich, erschreckend und so innovativ wie lange kein anderes Buch dieses Genres.

V5N6 – Tödliches Fieber

Moderatorin Stevie Flint entdeckt erst ihren toten Freund, dann wird sie krank: In London grassiert eine Epidemie, die ihre Opfer entweder tötet oder sie in mörderische Raserei treibt. Der verstorbene Freund gehörte zu einer Forschergruppe, die an einem Medikament forschten, das außer Kontrolle geriet. Stevie hinterließ er entsprechende Beweise, die ihr nun allerlei Bösewichte entwenden wollen … – Auftaktband einer Thriller-Trilogie, die Verbrechen und Seuchen-Grusel allzu routiniert aber recht spannend miteinander verknüpft.

Im finsteren Eis

Ein Versorgungsfrachter strandet im nordpolaren Eis. Kommunikation und Maschinen fallen aus, niemand wird zur Hilfe kommen: 16 Männer müssen sich selbst helfen. Ihr Versuch, sich über das Eis in Sicherheit zu bringen, endet in einer unglaublichen Entdeckung – und in einer Katastrophe … – Mystery-Mischung aus Horror und Science Fiction, die vor allem in den ersten beiden Dritteln viel Stimmung und Rätsel-Spannung aufbaut; die Auflösung kann dem wie so oft nicht gerecht werden: trotzdem unterhaltsam.

Doctor Sleep

Beinahe unsterbliche Nicht-mehr-Menschen jagen übernatürlich begabte Männer, Frauen und Kinder, um ihnen ihre Sonderkräfte abzusaugen; nun geraten sie an ein Opfer, das mit einigen Mitstreitern zum Gegenangriff übergeht … – Die von King oft erzählte Geschichte vom Kampf zwischen David und Goliath ist vor allem routiniert; beworben wird sie als Fortsetzung zum King-Klassiker „Shining“, dem sie nicht annähernd das Wasser reichen kann: Lesefutter bis zum nächsten, hoffentlich besser geratenden Werk des Altmeisters.

Omen – Das Horror-Journal, Nr. 1

Ein (weiterer) Versuch, in Deutschland ein professionelles Magazin zu etablieren, das Kurzgeschichten und Hintergrund-Informationen zum aktuellen Horror-Genre, zu seiner Geschichte und seinen Autoren präsentiert. Der Info-Part besticht durch sein solides sekundärliterarisches Fundament. Die Stories belegen primär die weitgehende Abwesenheit einschlägiger deutscher Talente; es siegen nach Punkten oder sogar durch K. O. die angelsächsischen Profis. Insgesamt ein Projekt, das trotz diverser Schwächen Interesse und finanzielle Unterstützung seitens möglichst vieler Käufer verdient. (Eine Hoffnung, die sich rasch zerschlug).