Horror

Midnight, Texas

Einen Hellseher verschlägt es in die US-Provinz und dort in ein Städtchen, das u. a. von Hexen und Vampiren bevölkert wird. Lebende und untote Bürger leben in Eintracht, bis Neonazis sie auf der Suche nach einem Waffenschatz zu terrorisieren und zu morden beginnen … – Das setzt erwartungsgemäß eine Spirale auch magisch beflügelter Gewalt in Gang, bis die Strolche auf der Strecke bleiben: Lesefutter der durchschnittlichen Art, das nur in manchen Details Überraschungen bietet sowie vor allem durch Figurenzeichnungen und Atmosphäre fesseln kann.

Savages

Vergnügungsreisende Freunde stranden schiffbrüchig auf einer einsamen Tropeninsel. Das nackte Überleben wird zur Bewährungsprobe, die nicht jede/r übersteht, zumal sich herausstellt, dass man nicht allein auf der Insel ist: Eine bizarre Kreatur ist der Gruppe mordend auf den Fersen … – Horror-Kurzroman, der den nun einsetzenden Kampf und – sehr detailfroh – die tödlichen Folgen beschreibt: simpel in der Handlung, rabiat im Ton, arm an Überraschungen: routinierter Splatter-Grusel.

Die Heimsuchung von Grayson Manor

In der geerbten Villa geht es um, weshalb die ohnehin hellsichtige Addison versucht, das Rätsel eines offensichtlich ungesühnten Mordes zu lüften. Da sowohl die Geister als auch einige noch lebendige Zeugen des alten Dramas finstere Pläne verfolgen, gerät Addison erwartungsgemäß unter zweiseitigen Druck … – Eher leichtfüßiges Geistergarn, das ideenschwach in den Fußstapfen ähnlicher Mystery-Storys wandelt; obwohl die Hauptfigur ein wandelndes Klischee ist, erspart die Autorin ihr (und den Lesern) allzu ranzige Gaslicht-Romantik und „Mr.-Right“-Gesülze: Lesefutter.

Dahmer ist nicht tot

Obwohl der Serienkiller und Kannibale Jeffrey Dahmer im Gefängnis umgebracht wurde, werden ‚draußen‘ weiterhin Männer nach bekanntem Muster niedergemetzelt. Treibt ein Trittbrett-Mörder sein Unwesen, oder konnte Dahmer seinen Tod vortäuschen, um auszubrechen und dort weiterzumachen, wo das Gesetz ihm Einhalt gebieten konnte … – Geschickt spinnt Autor Lee, der durch die ‚echte‘ Profiler-Expertin Elizabeth Steffen unterstützt wird, sein Garn um den Tod eines authentischen Serienmörders; dabei verzichtet er weitgehend auf sein (keineswegs vermisstes) ‚Markenzeichen‘ – die detaillierte Darstellung sexueller Extrem-Aktivitäten – und präsentiert stattdessen einen spannenden Thriller.

Der Leichenkönig

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wühlen zwei Grabräuber zu tief in Glasgows Friedhofserde; sie erregen die Aufmerksamkeit des „Leichenkönigs“, einer uralten, bösartigen und überaus schlauen Kreatur, die nichts gegen Frischfleisch einzuwenden hat und dem Duo auf den Fersen bleibt … – Mit brachialer Wonne lässt Autor Curran eine Vergangenheit erstehen, die vor Schmutz, Brutalität und Bosheit förmlich trieft, um vor diesem Hintergrund eine ebenso stimmungsvolle wie unappetitliche Horrorgeschichte zu erzählen: Wer seinen Grusel filigran vorzieht, sollte hier lieber Abstand halten!

Alien – Die Wiedergeburt

Zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod erwacht Ellen Ripley als Mensch-Alien-Hybrid und Gefangene jenes Konzerns, dessen Bemühen, einen Alien-Krieger zu züchten, sie stets durchkreuzt hat. Zusammen mit einer bunt zusammengewürfelten Schmuggler-Truppe kämpft sie sowohl gegen als auch für die Aliens, da sie sich ihrer Herkunft nicht mehr sicher ist … – Faktisch überflüssige, aber zumindest als Film spannende und gut gefilmte Fortsetzung der „Alien“-Saga. Die Autorin hangelt sich brav am Drehbuch entlang, füllt aber diverse Handlungslücken: typisches, immerhin verbraucherfreundliches (= lesbares) Merchandising-Produkt.

Carnacki, der Geisterdetektiv

Vollständige Sammlung der neun Kurzgeschichten um den „Geisterdetektiv“ Carnacki, mit dem William Hope Hodgson (1877-1918) einen der ersten der noch heute in der Phantastik beliebten Erforscher übernatürlicher Phänomene bzw. ‚Ghostbuster‘ schuf. Die Storys sind spannend und angemessen gruselig, die Übersetzung ist ausgezeichnet, und als ‚Features‘ gibt es eine alte, weiterhin zutreffende Hodgson-Wertung durch H. P. Lovecraft sowie eine moderne, vorzügliche Einschätzung der Carnacki-Storys: elementarer Horror für die Leser klassischer Gruselgeschichten.

Die Drei

Drei Überlebende dreier Flugzeugabstürze werden von den Medien, Endzeit-Kirchlern und anderen Eiferern als Wunderkinder, Vorboten der Apokalypse oder schlichte Dämonen stigmatisiert; die Hetzjagd auf die Drei stürzt die ganze Welt ins Chaos … – Autorin Lotz erzählt ihren Mystery-Thriller indirekt über Interviews, Chatprotokolle usw. Die Distanz hilft der Autorin, dem Leser die Entscheidung zu überlassen, ob die Hysterie um die Drei auf Einbildung basiert oder vielleicht doch Böses in ihnen steckt. Die spannende Geschichte mündet in einen unerwarteten und gelungenen Twist.

Das Gespenst von Killingly Hall

Vier Storys und eine Novelle lassen die Tradition der weihnachtlichen Gruselgeschichte aufleben; dass dieses Fest einen frühzeitlich ‚heidnischen‘ Ursprung besitzt, lässt der Autor diverse Pechvögel spüren, die nur den „Friede-auf-Erden“-Aspekt kennen und böse bis tödliche Überraschungen erleben. Leider ist der Krimi-Autor Paul Finch dem Schöpfer von Geistergeschichten deutlich überlegen; er erzählt gut, wärmt aber eher altbackene Plots auf und setzt auf finale ‚Überraschungen‘, die sich nicht einstellen wollen: Lesefutter für Winterabende.

Die Gräber der Vergessenen

Ein grotesker Ritualmord und ein Familien-Massaker rufen die Kriminalpolizei der Stadt Edinburgh auf den Plan. Die politisch delikaten Ermittlungen werden einem fähigen aber querköpfigen Fahnder übertragen, den man notfalls als Sündenbock opfern kann; ein Risiko, das angesichts der allmählich aufgedeckten Ungeheuerlichkeiten zur realen Lebensgefahr mutiert … – Der vierte Kriminalroman um Inspektor Tony McLean beginnt als „police procedural“ mit modern sozialkritischem Unterton, um final ganz ernsthaft eine ‚übernatürliche‘ Auflösung zu bieten: ein nicht ganz stimmiger, aber sehr unterhaltsamer Genre-Mix.