Mystery

Die weiße Straße

Im Süden der USA wecken Rassisten die Geister der Vergangenheit, die Sühne für einen vor langer Zeit begangenen Lynchmord fordern. Zwischen allen Fronten versucht Privatdetektiv Charlie Parker, den aktuellen Tod eines Mädchens zu klären – und dabei am Leben zu bleiben … – Ungemein spannender, mit drastischen Gewaltszenen nicht sparender, atmosphärisch intensiver Thriller, in den sich Elemente des Phantastischen mischen. Wo es funktioniert, entsteht eine ebenso unheimliche wie poetische Zwischenwelt, in der die Lebenden und die Toten Seite an Seite existieren.

Declare – Auf dem Berg der Engel

Der Kalte Krieg zwischen den Geheimdiensten der irdischen Großmächte wird unter ‚Rekrutierung‘ der von Gott abgefallenen und aus dem Himmel gestürzten Engel geführt. Ein sorgfältig geschulter Agent soll ihnen auf dem Gipfel des Berges Ararat den Garaus machen, aber selbst gefallene Engel sind mächtige Kreaturen … – Ungemein dichte, vielleicht überambitionierte, weil die Spannung manchmal in einer Flut unnötiger Details ertränkende aber spannende, eindrucksvolle und sogar geniale Mischung aus Historien- und Spionage-Thriller, Phantastik und Love-Story.

Basar der bösen Träume

Die vorliegende Taschenbuchausgabe enthält 19 Prosatexte des us-amerikanischen Autors und zwei Lyriktexte. Waren die Vorgängerbände mit Storys und Novellen Kings immer gespickt mit absoluten Highlights des Autors, so muss man bei der vorliegenden Ausgabe länger suchen, um wirklich überragende Texte zu finden. Positiv zu erwähnen bleibt aber auch, dass kaum wirklich mäßige oder schlechte Geschichten hier versammelt sind, denn immer wahrt der Autor ein gewisses Niveau und schreibt, wenn schon nicht originell, so doch zumindest packend und sehr unterhaltsam.

Der Raum

Datensachbearbeiter Tucker freut sich über seine neue, billige Wohnung in einem alten Hochhaus. Erst nach dem Einzug fallen ihm Ungereimheiten auf, die durch unheimliche Erfahrungen verstärkt werden: In diesem Haus geht es um! – Das Buch zweifellos über alle Maßen unterhaltsam, die Lektüre bereitet große Freude, und sogar der Ärger über die “Lovecraft-Klischees” kann nicht verhindern, dass der Leser das Ende der packenden Geschichte erfahren will.

Finstere Nacht

Eine kollektive Gedächtnislücke löst sich zum Entsetzen der Betroffenen allmählich auf und enthüllt die Heimsuchung durch Geistwesen, die ihre Opfer als Botschafter des Schreckens missbrauchen, um über sie die Menschheit unter ihre Knute zu zwingen … – Die Invasion aus einer fremden Dimension wird von Greg Gifune wortreich heraufbeschworen; wie bei Stephen King trifft das Grauen ‚normale‘ und von der Situation überforderte Menschen. Allerdings tritt die Story oft auf der Stelle oder schlägt stimmungsfeindlich ins Pseudodramatische um: an sich spannend und gruselig aber eher umständlich als anspruchsvoll.

Nemesis

Geheime Forschungen an den Überresten einer außerirdischen Kreatur führen zur Erschaffung eines Mischwesens, das aus dem Labor ausbricht, durch den US-Nordosten tobt und dabei stetig wächst, bis es ganze Städte ausradieren kann … – Eine kleine Gruppe aus dramaturgischen Gründen eigentlich untauglicher aber heldenhafter Retter folgt dem Monster, dessen Untaten detailscharf beschrieben werden: Dies ist pure, klischeegespickte Horror-SF-Action, dessen wendiger Verfasser dem überraschungsfreien Stoff erstaunliche Unterhaltungswerte abringt: Monster- und Lesefutter.

Rückkehr ins Haus Usher

Ausgerechnet die Nachfahren des im Wahnsinn geendeten Roderick Usher führen ein übel beleumundetes Sanatorium, das ins Visier gieriger Finanzhaie gerät, wie der Amateur-Detektiv John Poe herausfindet, ohne den neuerlichen Untergang des Hauses Usher verhindern zu können … – Ein marginal talentierter Neu-Autor nutzt seine (entfernte) Verwandtschaft zum berühmten Schriftsteller Edgar Allan Poe, um sich an dessen Werk zu vergreifen: zumindest aufgrund der Dreistigkeit des Versuchs und seines Scheiterns interessantes (Mach-) Werk.

Das Logbuch der „Waratah“

1909 verschwand der Großvater, 1967 der Vater, nun geht der Bruder im stürmischen Atlantik vor der südafrikanischen Südspitze verloren: Für Seemann Ian Fairlie wird die Suche nach einem legendären Wrack zum Lebenszweck, von dem er besessen ist, was ihn immer wieder in lebensgefährliche Situationen geraten lässt … – Autor Jenkins versucht fiktiv aber unter Berücksichtigung historischer Fakten die Klärung eines Schiffbruchs, der bis heute ungeklärt blieb. Die ausgezeichnet recherchierte und spannend erzählte Geschichte hakt dort, wo der Verfasser ihr eine „love story“ aufpfropfen will; dennoch überaus lesenswert.

Diagnose: Exitus

13 Storys erzählen von bibbernden Patienten, irren Ärzten, medizinischen Abartigkeiten u. a. Schrecken, die sich nicht nur der kranke Mensch im Umfeld von Spritzen & Skalpellen vorstellen kann … – Herausgeber Wagner, selbst Mediziner, sammelt einschlägige Geschichten aus 100 Jahren, wobei er jenseits abgehangener Klassiker weniger bekannte aber ebenso unterhaltsame Autoren heranzieht: eine überdurchschnittliche Kollektion.

Licht

Wie schon in ihrer tollen Novelle ”Brandwache” und den beiden ebenfalls voluminösen Romanen The Doomsday Book (dt. Die Jahre des Schwarzen Todes) und To say nothing of the Dog (or how we found the Bishop´s Bird Stump at last), (dt. Die Farben der Zeit (oder ganz zu schweigen von dem Hunde und wie wir des Bischofs Vogeltränke schließlich doch noch fanden)) reisen erneut Historiker unter der Leitung von Mr. Dunworthy (der aber zunächst nicht mit reist) vom Oxford der Mitte des 21. Jahrhunderts aus in die Vergangenheit, diesmal ins Jahr 1940, um den 2. Weltkrieg und seine Auswirkungen in England zu studieren.