Phantastik

Eiswelt

Obwohl sie von einem Planeten kommen, auf dem Schwefel als atembares Gas gilt, treibt es handelstüchtige Aliens auf die aus ihrer Sicht tödlich kalte Erde, wo sie ungeachtet aller Schwierigkeiten Kontakt mit einer Menschenfamilie aufnehmen … – Science-Fiction-Roman „für die Jugend“, geschrieben von einem Lehrer, der allerdings auch Schriftsteller war und den erhobenen Zeigefinger vermeidet. Die Aliens sind keine Feinde, primär die Physik sorgt für spannende Probleme, was heutige Leser abschrecken mag, aber nicht sollte, denn dies ist nostalgische SF-Unterhaltung der weiterhin lesenswürdigen Art.

Doctor Sleep

Beinahe unsterbliche Nicht-mehr-Menschen jagen übernatürlich begabte Männer, Frauen und Kinder, um ihnen ihre Sonderkräfte abzusaugen; nun geraten sie an ein Opfer, das mit einigen Mitstreitern zum Gegenangriff übergeht … – Die von King oft erzählte Geschichte vom Kampf zwischen David und Goliath ist vor allem routiniert; beworben wird sie als Fortsetzung zum King-Klassiker „Shining“, dem sie nicht annähernd das Wasser reichen kann: Lesefutter bis zum nächsten, hoffentlich besser geratenden Werk des Altmeisters.

Der Zeitsprung

Eine Atombomben-Explosion reißt den Bunker der US-Familie Farnham mitsamt seiner sechs Insassen in die Zukunft. Die neue Welt zeigt sich gleichermaßen paradiesisch wie gefährlich; der Neuanfang wird zusätzlich durch interne Streitigkeiten erschwert … – Während die Handlung als klassische Post-Doomsday-Story routiniert und spannend erzählt wird, kann die Figurenzeichnung nur als ärgerlich bezeichnet werden, da Autor Heinlein seine chauvinistischen Ansichten nicht unterdrückt und sich durch schauerliche Sexkapaden blamiert: ein zwiespältiges Vergnügen.

Omen – Das Horror-Journal, Nr. 1

Ein (weiterer) Versuch, in Deutschland ein professionelles Magazin zu etablieren, das Kurzgeschichten und Hintergrund-Informationen zum aktuellen Horror-Genre, zu seiner Geschichte und seinen Autoren präsentiert. Der Info-Part besticht durch sein solides sekundärliterarisches Fundament. Die Stories belegen primär die weitgehende Abwesenheit einschlägiger deutscher Talente; es siegen nach Punkten oder sogar durch K. O. die angelsächsischen Profis. Insgesamt ein Projekt, das trotz diverser Schwächen Interesse und finanzielle Unterstützung seitens möglichst vieler Käufer verdient. (Eine Hoffnung, die sich rasch zerschlug).

Horror 5

Zwischen 1929 und 1953 und damit in der Ära der „Pulp“-Magazine erschienen die hier präsentierten sechs Kurzgeschichten. Feinsinniger Grusel mit Unter- und Zwischentönen ist das nicht; hier wird ausschließlich auf des Lesers Bauch (und Unterleib) gezielt. Die grobe aber trivial-‚reine‘ Form, die zügelfreie Erzählfreude und die weitgehende Abwesenheit politisch korrekter ‚Werte‘ sorgen nichtsdestotrotz – oder gerade – für (altmodische) Unterhaltung.

Blade Runner

Kopfgeldjäger Deckard sucht und eliminiert Androiden, die sich widerrechtlich auf einer Erde verstecken, die der Mensch zugrunde gerichtet hat. Dabei entdeckt er eine ‚parallele‘ Welt, die womöglich die eigentliche Realität darstellt … – Spätestens seit und wegen der grandiosen Verfilmung (1982) gilt dieser Roman als Meisterwerk, obwohl Autor Dick sein typisches Thema – die Frage nach der ‚Realität der Realität‘ – durchspielt: Genau das gelingt ihm mit einer Meisterschaft, die auch heute fesselt, obwohl Dicks Blick in die ‚Zukunft‘ schon vor vielen Jahren entstand.

Die Jahre der Aliens

Fünf Jahrzehnte besetzen übermächtige Außerirdische die Erde. Während einige Gruppe sie erbittert bekämpfen, arrangieren sich andere mit den Invasoren. Als diese plötzlich abziehen, stehen sich beide Parteien unversöhnlich gegenüber … – Altmeister Silverberg wirft einen ungewöhnlichen Blick auf ein uraltes SF-Genre. Die Fremden aus dem All bleiben vor allem Katalysatoren für sehr menschliche Konflikte, die in der Zukunft ebenso ausbrechen wie in der Vergangenheit: ein sarkastischer Roman mit vielen boshaften Seitenhieben auf stets aktuelle ‚Menschlichkeiten‘.

Eiskalt ist die Totenhand

Zwar sammelt diese zudem willkürlich zusammengestoppelte Sammlung Horrorgeschichten der Qualitätsstufen 2 und 3, die jedoch zügig zur unheimlichen Sache kommen und von ihrem Alter bzw. ihrer nostalgischen Verbrämung profitieren: Hier wird noch stimmungsvoll statt metzelstark gespukt, weshalb die autorenseitig gewünschte Gruselwirkung weitgehend erhalten blieb.

Das Licht der letzten Tage

Zwanzig Jahre nach der globalen Apokalypse versuchen die wenigen Überlebenden Fuß in einer zivilisationslosen Welt zu fassen, was vor allem denen Probleme bereitet, die sich an die Zeit vor dem Tag Null erinnern, wobei sie verdrängen, dass sie auch damals mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten … – Die Autorin verzichtet weitgehend auf die typischen „Post-Doomsday“-Elemente, sondern beschwört eine Stimmung des Verlustes. der Trauer und der Hoffnung herauf. Vergangenheit und Gegenwart wechseln einander ab, um zu unterstreichen, was sich geändert hat und was erhalten blieb.

Söldnerehre

Deviana Morris hat ihr Gedächtnis verloren und erinnert sich nicht mehr an die Ereignisse der letzten Monate. Dies ist das große Manko dieser Fortsetzung, denn leider kommt die Handlung knapp 150 Seiten lang nicht von der Stelle. Erst nachdem Deviana ihre Erinnerungen zurückerhält, nimmt die Geschichte Fahrt auf, dann schaltet die Autorin irgendwann auch noch den Turbolader zu und die Action fliegt durch die Decke.