Die gefährliche Welt der Piraten – Handbuch für Piratenjäger

Dugald A. Steer & Clint Twist
Die gefährliche Welt der Piraten – Handbuch für Piratenjäger

Pirateology Handbook, GB, 2007
Ars Edition, München, 2/2008
HC, Kinderbuch, Sachbuch, Abenteuer, Fantasy, 978-3-7607-3251-8, 80/1495
Aus dem Englischen von Cornelia Panzacchi
Titel- und Innenillustrationen von Ian Andrew, Anne Yvonne Gilbert, Emma Nicholls und Helen Ward

www.arsedition.de
www.geheimewelten.de

Lange Zeit führten Piraten-Abenteuer in Film und Literatur eher ein Schattendasein. Die Freibeuter gehörten zwar zu den Rollen, in die Kinder gerne schlüpften, aber in der Literatur und den Medien nahm man sich ihrer so gut wie gar nicht mehr an. Das änderte sich allerdings mit der „Piraten der Karibik“–Filmtrilogie von Disney, die mit ihrem frechen Mix aus Fantasy, Abenteuer und Horror frischen Wind in das gesamte Genre brachte und alte Klischees neu definierte. Plötzlich wollte man wieder mehr über die Schurken, Banditen und Helden der Meere wissen.

Auch im Verlag Ars-Edition gab man verschiedene Sachbuch-Bildbände zu dem Thema heraus, eines davon ist die gefährliche Welt der Piraten – Handbuch für Piratenjäger“. Anders als die meisten Bücher des Verlags ist dieses etwas handlicher und gerade mal etwas größer als A5, so dass man es gut überall hin mitnehmen kann.

Das Buch ist wie ein Ratgeber aufgemacht, in dem ein erfahrener Piratenjäger in einzelnen Lektionen den – zumeist eher jungen – Lesern beibringt, was sie über das Leben auf See und ihre Feinde wissen müssen. Unabdingbar ist es, von der Pike auf zu lernen, also als Schiffsjunge oder –mädchen anzufangen. Auch diese haben schon einiges an Pflichten auf dem Schiff zu erfüllen, finden aber stets Zeit, mehr über die Piraten selbst zu lernen. Wie wurden Menschen zu Freibeutern der Meere, und welche sind die bekanntesten unter ihnen? Wie setzt sich die Besatzung eines Schiffes zusammen, und aus welchen Teilen besteht dieses überhaupt? Man lernt nützliche Knoten zu knüpfen und wie man sich auf See ernährt. Schließlich gibt es noch eine erbauliche Geschichte über einen eher glücklosen Piraten, der noch heute auf Madagaskar um seinen Lebensunterhalt betteln soll.

Hat man alle Prüfungen bestanden und Fragen beantwortet, wird man zum Vollmatrosen, der nun die Unterschiede zwischen Piraten (auf ihren eigenen Vorteil bedachte Verbrecher), Bukanier (französischstämmige Piraten) und Freibeutern (im Auftrag ihrer Krone agierende Piraten) kennen muss, ebenso wie die Bedeutung von Kaperbriefen, den Piratenkodex oder die verschiedenen Länderflaggen. Wie läuft das Kapern eines Schiffes ab, und wie kann man die verschiedenen Schiffstypen voneinander unterscheiden?

Über den Vollmatrosen steht der Bootsmann, der quasi die rechte Hand des Kapitäns ist. Er weiß, dass es nicht nur im karibischen Meer Piraten gibt, sondern diese auch im Mittelmeer und dem indischen Ozean und nicht zuletzt in den Gewässern Südostasiens ihr Unwesen trieben. Wichtig ist auch, mit den Seekarten und Navigationsinstrumenten umgehen zu können, über den Standort und das Aussehen von Piratenhäfen oder die Waffen der Gegner Bescheid zu wissen. Kapitäne schließlich müssen das Schiff und die Mannschaft sicher führen und herausfinden können, wie man die Schätze eines gerichteten Piraten dennoch findet, über die Geschichte der Piraterie Kenntnis haben und die Seemannssprache beherrschen.

Jedem der Themen ist eine reich bebilderte Doppelseite gewidmet, die die im Text gemachten Aussagen vertiefen und ergänzen. Auf 80 Seiten bekommt man so einen interessanten Überblick – nicht nur über das Piratenwesen im 17. und 18. Jahrhundert, sondern die Seefahrt dieser Zeit im Allgemeinen und Besonderen. Die Beschreibungen gehen zwar nicht in die Tiefe, helfen aber z. B. schon, auf einfache Weise Schiffstypen voneinander zu unterscheiden und eine Ahnung davon zu bekommen, dass das Leben der Piraten und ihrer Jäger nicht unbedingt so romantisch und abenteuerlich war, wie es die alten Filme ihren Zuschauern weismachen wollen.

In jedem Kapitel gibt es auch noch die Beschreibung eines berühmten Piraten, der auf die ein oder andere Art und Weise Geschichte geschrieben hat. Da ist von den glücklosen Kapitänen die Rede, die zwar alles verloren haben, aber am Leben geblieben sind, von den wenigen Frauen unter den Kaperfahrern und nicht zuletzt den Schurken, denen es irgendwie gelang, dem Galgen zu entgehen, an dem nicht wenige ihrer Kameraden am Ende ihrer Karriere landeten.

Man sollte sich Zeit nehmen, die stimmungsvollen Beschreibungen und Bilder zu genießen. Diese gehen eine Einheit ein, die die Informationen zugleich spielerisch und einprägsam vermitteln. Jede Doppelseite atmet förmlich die Atmosphäre der großen Zeit der Piraten – egal in welcher Region der Erde – und macht Lust darauf, mehr zu erfahren.

Zwar ist das Ganze sehr auf Kinder ausgerichtet, die Lektüre kann aber auch Erwachsene sehr gut unterhalten.

„Die gefährliche Welt der Piraten – Handbuch für Piratenjäger“ ist damit eine gelungene Ergänzung zu den großformatigen Bildbänden, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigen. Hier bekommt man ergänzende Informationen in einer verspielten und dennoch sachlichen Weise vermittelt und erhält auch ergänzende Anregungen, die man weiter verfolgen kann, wenn man möchte. (CS)

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