Ein Indianischer Sommer

manara-werkausgabeHugo Pratt & Milo Manara
Ein Indianischer Sommer
Manara Werkausgabe 2

Estate Indiana, Frankreich/Italien 1983, dt. Erstausgabe: Carlsen Verlag, Hamburg, 1986
Panini Comics, Stuttgart, 09/2009
HC mit Schutzumschlag auf Kunstdruckpapier, Comic, Adventure, Geschichte, Erotik
ISBN 978-386607-873-4
Aus dem Italienischen von Michael Leimer
Titelbild und Zeichnungen von Milo Manara

www.paninicomics.de
www.cortomaltese.com/
www.milomanara.com/

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Zu den bekanntesten Frühwerken von Milo Manara gehört wohl „Ein indianischer Sommer“, das er zusammen mit Hugo Pratt schuf, der in den Jahren zuvor mit seinen Geschichten um „Corto Maltese“ zu denen gehörte, die dem Comic auch literarische Ehren versprachen. Die Handschrift des 1927 geborenen und 1995 verstorbenen Altmeisters ist auch hier sehr deutlich zu spüren, denn, auch wenn es sich vordergründig um ein Abenteuer handelt, im Mittelpunkt stehen doch in erster Linie Menschen mit allen Stärken und Schwächen. Im siebzehnten Jahrhundert fassen die Europäer gerade erst Fuß an der amerikanischen Atlantikküste. Noch herrscht relativer Frieden mit den Indianern, und einige Familien pflegen sogar innige Freundschaften mit ihnen. Doch dann wendet sich das Blatt zu einem blutigen Krieg.

Alles beginnt damit, dass zwei junge Indianer – einer davon ein Halbblut – über ein weißes Mädchen herfallen, das am Stand spazieren geht. Sie vergewaltigen es, aber ehe sie mit ihrer Tat prahlen können, werden sie aus dem Hinterhalt erschossen. Der immer etwas zornig wirkende Abner Lewis hat kurz entschlossen Gerechtigkeit geübt und bringt das zu Tode erschreckte Mädchen in das Haus seiner Familie. Die Lewis’ leben abseits vom Dorf, da ihre Mutter eine mit dem Mal der Schande gezeichnete Frau ist und keines ihrer Kinder in ehelicher Gemeinschaft geboren hat. Daher ist sie dazu bereit, dem Mädchen ohne Wenn und Aber zu helfen. Allein die Tatsache, dass sie die Nichte des puritanischen Priesters Black ist, macht ihr zu schaffen. Denn das wird einen Schatten der Vergangenheit in ihr Haus zurück bringen. Und tatsächlich ist der strenggläubige und immer schwarz gekleidete Mann nicht begeistert, von dem Geschehen zu hören.

Derweil entdecken die Indianer die Toten und fordern Rechenschaft und Vergeltung, auch wenn sie wissen, dass die beiden jungen Männer Schuld auf sich geladen zu haben. Aber es gibt nun einmal Traditionen, denen man zu folgen hat. So kommt es schneller, als gedacht, zu einem Angriff, erst auf das Haus der Lewis und dann auf das Dorf Canaan selbst. In Folge der Ereignisse vertraut die Mutter ihren Kindern erstmals ihre Lebensgeschichte an, die viel mit der Doppelmoral der Gesellschaft, Demütigung und Erniedrigung der Schwachen zu tun hat. Retten kann sie damit nicht all ihre Kinder, aber gerade ihre Söhne bringt sie dazu, ihr Leben nun in eigene Hände zu nehmen. „Ein indianischer Sommer“ ist kein Abenteuer-Comic im herkömmlichen Sinne, der einfach nur von den ersten Indianerkriegen und dem Überlebenskampf der Siedler erzählt, sondern ein vielschichtiges Werk, in dem die Verkettung von unglücklichen Zufällen und Missverständnissen zu einer Katastrophe und dem Bruch alter Freundschaften führen. Auf beiden Seiten gibt es Männer und Frauen, die den Krieg eigentlich nicht wollen, aber auch Fanatiker wie den Priester Black, der schon allein durch seine Kleidung aus der Menge heraus sticht.

Obwohl er aus der Bibel predigt und auf die Vermeidung von Sünde pocht, ist er die am meisten verkommene Gestalt der ganzen Geschichte. Alle anderen mögen trotz einiger menschlicher Schwächen aus Ehrenhaftigkeit und einem gewissen Idealismus handeln, er jedoch verkörpert im Besonderen die Doppelmoral der damaligen Zeit, die den mächtigen und starken Vertretern einer Gemeinde alles erlaubt, die Unterlegenen, die sich dagegen wehren, aber brandmarkt. Sex spielt zwar eine nicht unerhebliche Rolle, ist aber niemals reiner Selbstzweck. Das zeigt sich schon daran, dass die erotischen Szenen eher verhalten sind. Pratt und Manara zeichnen damit insgesamt ein pralles und realistisches Bild der Zeit, das weder beschönigt noch all zu düster wirkt. So facettenreich wie die Geschichte sind auch die Menschen.

Panini ist hoch anzurechnen, dass der Verlag die Geschichte noch einmal komplett und in einer schön gestalteten Hardcover-Ausgabe herausgibt, die um eine ausführliche Vorstellung von Autor, Künstler und Werk ergänzt wurde. So erfährt man, was die Künstler zu ihrer Geschichte inspirierte. Alles in allem ist der zweite Band der „Manara-Werkausgabe“ ein lohnenswerter Kauf, da „Ein indianischer Sommer“ zu den Comic-Klassikern gehört, die man kennen sollte und die sorgfältige Ausgabe als Hardcover mit Schutzumschlag für sich spricht.

Copyright 2010 © by Christel Scheja (CS)

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