Ein Junge wird entführt – Die Abenteuer des David Balfour

Robert Louis Stevenson, Ruth Herrmann (Hörspielbearbeitung), Horst Beck (Regie)
Ein Junge wird entführt – Die Abenteuer des David Balfour

Kidnapped, GB, 1886
Argon Verlag, Berlin/Sauerländer Audio, Frankfurt am Main/NDR, Hamburg (1963), 09/2014
2 CDs im aufklappbarem Digipack
Jugendhörspiel, History, Adventure
ISBN 978-3-8398-4685-8
Laufzeit: ca. 168 Min.
Sprecher: Richard Münch, Reent Reins, Eduard Marks, Anne-Mary Braun, Reinhold Nietzschmann u. a.
Titel- und Bookletgestaltung: Norbert Blommel unter Verwendung von Illustrationen von Benita Winckler
1 Booklet à 16 Seiten mit Texten von Dirk Kauffels, Christoph Thiemann

www.argon-verlag.de
www.fischerverlage.de/
www.ndr.de
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Nach dem Tod seiner Eltern erfährt der junge David Balfour, dass er einen Onkel hat, der in einer Burg wohnt, die sich seit Generationen im Besitz der Familie befindet. Mit einem Brief seines Vaters an Onkel Ebenezer macht sich David auf den Weg zu dem heruntergekommenen Anwesen, in dem der alte, verbitterte Mann ein einsames, karges Leben führt. Über den unverhofften Gast ist Onkel Ebenezer überhaupt nicht erfreut, da er befürchtet, dass David als der rechtmäßige Erbe ihm alles nehmen wird. Tatsächlich will der Junge nicht bei dem unfreundlichen Alten leben und viel lieber zurück in sein Dorf, um eine Lehre zu beginnen. Zwar findet er auf sehr hässliche Weise heraus, dass sein Vater und damit er selbst vom Onkel betrogen wurden und dieser nicht gewillt ist, das Unrecht wiedergutzumachen, aber er möchte dieses Erbe auch juristisch nicht durchsetzen. Um sich abzusichern, beschließt Onkel Ebenezer, David zu beseitigen, indem er ihn an Kapitän Hoseason von der Covenant verkauft, der ihn als Sklaven nach Amerika zu bringen plant.

David glaubt sich schon verloren, doch der aufrechte 2. Offizier Mr. Riach nimmt ihn ebenso unter seine Fittiche wie der Schiffsjunge Ransom. Aber aus dieser misslichen Lage erretten können auch sie ihn nicht. Dann wird der Schiffsbrüchige Alan Stuart an Bord genommen. Als der Kapitän entdeckt, über wie viel Geld der Gutsbesitzer verfügt, will er ihn ausrauben und auf einer einsamen Insel aussetzen. Zufällig belauscht David das Gespräch des Kapitäns mit seinem 1. Offizier und warnt Stuart. Zusammen mit Ransom wagen sie die Flucht und verlieren einander im tosenden Meer …

Richard Louis Stevenson (1850 – 1894) ist ein bekannter schottischer Autor. Von ihm stammen u. a. die berühmten Romane „Die Schatzinsel“ und „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“.

Das Jugendbuch „Ein Junge verschwindet“ beruht auf einem wahren Fall und lieferte die Vorlage für zahlreiche Verfilmungen, von denen die bekannteste vermutlich der ZDF-Vierteiler „Die Abenteuer des David Balfour“ von 1978 mit Ekkehardt Belle, David McCallum, Aude Landry u. a. ist, damals sehr beworben von der Jugendzeitschrift „Bravo“ und erweitert um verschiedene Handlungsstränge (Verschwörung, Romanze). Das vorliegende Hörspiel wurde 1963 vom NDR für den Kinder- und Jugendrundfunk produziert. Das beigefügte Booklet liefert einige interessante Hintergrundinformationen zum Autor, den verschiedenen Publikationen, den Machern und Sprechern. Unter diesen finden sich Namen, die vielleicht nicht bei jedem eine Glocke läuten lassen, aber liest man, an welchen Hörspielen und Filmen sie beteiligt waren, so fallen doch etliche klangvolle Titel wie „Stahlnetz“, „Winnetou“, „Jerry Cotton“, „Der Name der Rose“, „TKKG“, „Der Hauptmann von Köpenick“, „Natürlich die Autofahrer“, „Der Herr der Ringe“ etc.

Nun, lauscht man dem Hörspiel, so stellt man fest, dass alles ein wenig gemächlicher zugeht als bei deutlich jüngeren Produktionen. Das ist jedoch ganz angenehm, denn die Handlung baut sich langsam auf und steigert sich unaufhaltsam zum Höhepunkt mit einem erfreulichem Ende. Die Sprecher erfüllen ihre Rollen relativ unaufgeregt und sehr glaubwürdig – da gibt es keine dieser hochnäsig-schnippisch-nörgeligen Dialoge, wie sie seit „Buffy“ bei Jugendfilmen und Jugendhörbüchern offenbar die Norm sind. Falls das der Zielgruppe nicht spritzig genug erscheinen sollte, das reifere Publikum dürfte umso mehr Freude an der gelungenen Inszenierung haben. Nebenbei: Der trefflich gewählte Name des Onkels, Ebenezer, lässt sogleich an Ebenezer Scrooge aus „Eine Weihnachtsgeschichte“ („A Christmas Carol in Prose, Being a Ghost-Story of Christmas“, 1848) von Charles Dickens (1812 – 1870) denken. Eine Hommage von Stevenson an den älteren Kollegen?

Das Hörspiel „Ein Junge wird entführt“ ist eine stimmungsvolle und spannende Umsetzung der Romanvorlage, die sich an ein All Age-Publikum wendet, das gern abenteuerliche Geschichten hört und sich für realistisch inszenierte Klassiker interessiert.

Copyright © 2015 by Irene Salzmann (IS)

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