In den Schluchten des Balkan

Karl May
In den Schluchten des Balkan
Hörbuch: gelesen von Peter Sodann

Karl-May-Verlag, Bamberg
Seiten: 1 mp3-CD, ca. 892 min
Format: 14 x 12,5 cm
Umschlag: Digipack mit 8-seitigem Booklet
Titelbild: Carl Lindeberg
Erscheinungsjahr: 2011
Verlag: Karl-May-Verlag
Bestell-Nr: 00704
ISBN: 978-3-7802-0704-3

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum (Hör)buch – der Klappentext:

Von Edirne aus reitet Kara Ben Nemsi mit Halef, Osko und Omar Ben Sadek neuen Gefahren entgegen. Abenteuer mit Schmugglern und Halefs groteskes Erlebnis in einem Taubenschlag stehen im Mittelpunkt des Geschehens. In Ostromdscha aber treffen die Freunde auf den „heiligen“ Mübarek …

Schade, dass ich die mp3-Version bekommen habe, denn die erkennt mein Kfz-CD-Player leider nicht, und so konnte ich die vielen Autostunden nicht mit Karl May verbringen. Aber der mp3-Player zuhause tut´s ja auch.

Zum Autor:

Eigentlich ist es fast wie Eulen nach Athen zu tragen, versucht man heute, noch irgendetwas zu Karl May (* 25. Februar 1842 in Ernstthal; † 30. März 1912 in Radebeul) zu sagen. Oder doch nicht? Ich zähle ja zu der Generation, die wenigstens in jüngsten und jungen Jahren noch – sozusagen als Standard gedruckter Unterhaltung – Berührung mit dem Werk des fleißigen Autors hatte. Heutige Teenager dillern lieber an Ego-Shootern und anderen PC-Spielen herum.

Und trotzdem bin auch ich nicht mit dem gesamten Werk Mays, das rund 90 Bücher umfasst, vertraut. Meine eigenen Leseerfahrungen erstreckten sich auf die Klassiker „Winnetou I bis III“, „Old Shatterhand“, „Old Shurehand“ und ähnliche Wildwest-Bücher. Was ich erst bei der Recherche zu dieser Rezi entdeckte, war, dass der Sachse sich nicht nur mit dem Wilden Westen beschäftigte, sondern auch von Abenteuern seiner Helden in vielen anderen Ländern Europas und der Welt berichtete.

Das, was ich aber heute noch weiß – und durch das hier vorgestellte Hörbuch wieder in Erinnerung gerufen wurde – war, dass mich damals seine Detailbeschreibungen faszinierten. Gegenüber anderen Romanautoren schwelgt May geradezu in der Erwähnung aller möglichen Hinweise auf Lüge oder Wahrheit, verräterischen Spuren an Mensch, Tier, Kleidung, in Dialogen und der Natur, die ein anderer als sein Alter Ego Kara Ben Nemsi sicher übersehen hätte. Außer vielleicht noch Sherlock Holmes.

Nur rate ich jedem, der sich mit diesem ungekürzten (immerhin fast 15 Stunden!) Hörbuch befasst, nach einer Stunde eine Pause – vielleicht sogar bis zum nächsten Tag – zu machen. Denn tatsächlich kann es bei längerem Hören schon ermüdend sein, immer wieder und wieder und vollständig alle Gedanken von Kara Ben Nemsi und nach allen Seiten beleuchteten Gründe für sein Handeln erzählt zu bekommen. Hier zeigt sich der veränderte Unterhaltungsgeschmack, der nicht nur an mir festzustellen sein wird. Schließlich bin ich nicht mehr 8 oder 10 Jahre alt und unsere heutige Welt ist … anders: Rasanter, härter, geheimnisvoller, brutaler. Was nicht automatisch besser bedeutet. Doch für eine junge Leserschaft – und das war damals und wird auch heute die ideale Zielgruppe sein -, ist und bleibt Karl May ein Autor, der Spaß machen kann. Und zumindest den Blick fürs Detail schärfen kann.

Zum Sprecher:

Peter Sodann ist Theater-, Film- und Fernsehschauspieler, Regisseur … und Sachse wie Karl May. Insofern war die Wahl, ihn als Sprecher zu nehmen richtig. Er hat eine kratzige, rauchige Stimme, die gut im Ohr klingen kann. Trotzdem konnte er mich nicht überzeugen. Je länger ich ihm zuhörte, desto mehr hat sich mein Gehirn mit seiner Art zu sprechen beschäftigt, als mit der Verfolgung der Geschichte. Seine anfangs kratzige Stimme verflacht bei längeren Sätzen fast in Gemurmel, auch wenn die Romanfigur hier nicht murmelt.

Beinahe möchte man ihm sagen: „Stopp, nun hol mal Luft und sprich nicht weiter“, aber er tut es natürlich. Und an anderen Stellen liest er so schnell weiter, dass man nicht mehr weiß, wer hier gerade spricht, Kara Ben Nemsi oder dessen Gesprächspartner. Absätze, verschiedene Tempi gibt es nicht nur im Buch, sondern auch in Geschichten, die man einer Zuhörerschaft nahe bringen will. Und überhaupt fehlt ihm die Eigenschaft, die einen wirklich guten Sprecher ausmacht: Den verschiedenen Charakteren zumindest ansatzweise eine eigene Stime zu verleihen. Hadschi Halef Omar klingt wie sein Herr, und andere Personen sprechen in Rhythmus, Ton und Tempo genau wie eben einer: Sodann. Schade, hier gibt es viele viele gute und bessere Sprecher, die in der Lage sind, Spannung, Gefahr, Leidenschaft, eben Emotion zu vermitteln. Aber ich kann den Verlag verstehen. Die Wahl, einen Sachsen einen anderen Sachsen sprechen zu lassen war grundsätzlich richtig. Vielleicht hätte man noch ein wenig länger suchen müssen …

Fazit:

Für die Zielgruppe sicher eine gute Wahl. Wahrscheinlich werden sich sogar mehr Jugendliche für ein Hörbuch begeistern lassen, als für dicke Wälzer.

Copyright © 2011 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Titel auch als CD erhältlich: ISBN 978-3-7802-0804-0

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