Pilgrim 2000 – Teil 1

Pilgrim 2000 – Teil 1
Mark Brandis Folge 13

(sfbentry)

Interplanar, Universal Music, Folgenreich (2011)
Nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Musik & Sounddesign: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Tommi Schneefuß, Thomas Weichler und Sven-Michael Bluhm
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub

Sprecher: Dr. Rebecca Levy (Claudia Urbschat-Mingues), Cmdr. Mark Brandis (Michael Lott), Cpt. Grigori »Grischa« Romen (David Nathan), Bordsystem CORA (Mira Christine Mühlenhof), Lt. Pablo Torrente (Martin Keßler), Prolog (Wolf Frass), Lt. Iwan Stroganow (Martin Wehrmann), Lt. Konstantinos Simopoulos (Gernot Endemann), Judith (Katarina Tomaschewsky), Melchior (Klaus Sonnenschein)

ISBN 978-3-8291-2436-2
Gesamtspielzeit: ca. 57 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

www.markbrandis.de
www.folgenreich.de
www.abalakin.de

Die Reihe Mark Brandis – sei es nun als Buch oder als Hörspiel – hat sich als Garant für spannende Unterhaltung erwiesen. Die Hörspiele aus dem Hause Folgenreich sind gut inszeniert, warten mit großartigen Stimmen auf und bieten einen erinnerungswürdigen Sound. Nach der vorangegangenen starken Doppelfolge („Die Vollstrecker – Teil 1 und 2“) versuchen die Produzenten, Jochim-C. Redeker und Balthasar von Weymarn, mit ihrer Adaption der Romanvorlage „Pilgrim 2000“ daran anzuknüpfen. Die Vorlage stammt von Nikolai von Michalewsky (1931-2000) und die Herausforderung ist natürlich, eine alte Geschichte in modernem Gewand zu präsentieren.

Die Handlung spielt 2127, also etwas mehr als einhundert Jahre in der Zukunft. Commander Brandis (Michael Lott) und seine Mannschaft kehren gerade von einer Mission zurück zur Erde. An Bord befindet sich auch die neue Ärztin: Doktor Rebecca Levy (Claudia Urbschat-Mingues).

Bereits der Einstand hat es in sich und jagt dem Hörer einen angenehmen Schauer über den Rücken. Er ist sofort im Geschehen, ohne lange Umwege. Redeker und von Weymarn schieben den Gashebel direkt bis zum Anschlag, bemühen die Vorstellungskraft des Zuhörers. Stark gemacht. Und dann … ist der wunderbare Prolog zu hören, gesprochen von Wolf Frass. Hier sind unverkennbar Parallelen zu den guten alten TV-Serien vorhanden (allen voran „Raumschiff Enterprise“ und „Star Trek: The Next Generation“), in denen nach einem kleinen Handlungsbogen ein Prolog folgt. Vor allem Fans einer Serie werden dadurch sofort auf ihren Liebling eingestimmt. So auch hier.

Als Sprecherin ist nun also auch Claudia Urbschat-Mingues mit an Bord. An der Seite von Michael Lott und David Nathan (Captain Grigori »Grischa« Romen) wird sie im Hörspiel agieren. Urbschat-Mingues ist eine hervorragende und routinierte Sprecherin. Ihre Leistung als Doktor Levy ist hervorragend und die Rolle wirkt sehr authentisch. Das ist auch gut so, denn diesmal ist das Mark-Brandis-Abenteuer ziemlich exotisch und fantastisch. Da braucht es glaubhafte Schauspieler, um Bodenständigkeit zu vermitteln und nicht in ungewohnte Sphären abzudriften.

Auf dem Rückflug entdeckt die Crew nämlich ein sogenanntes Generationenschiff, die PILGRIM 2000. Daher auch der Titel des Hörspiels. Das Schiff scheint seit Jahrzehnten im Weltraum zu treiben und droht nun bald in die Sonne zu stürzen. Die Kommunikation zur Erde ist für mehrere Tage unterbrochen und Brandis beschließt das Geheimnis des gigantischen Fundstücks zu ergründen und herauszufinden ob es Überlebende gibt, die es zu retten gilt.

Im Weltall treibende Raumschiffe, die in Sonnen oder schwarze Löcher stürzen, eventuelle Überlebende eines Generationenschiffes, das sind in der Science Fiction oft bemühte Motive. Der Hörer darf gespannt sein, wie das Skript von Balthasar von Weymarn damit umgeht. Glücklicherweise kann er ja der Vorlage von Nikolai von Michalewsky folgen.

Tatsächlich ist die Biosphäre des Schiffs intakt. Brandis und seine Leute betreten förmlich den Garten Eden, wuchernde Natur, biologische Lebensmittel; aber auch veraltete Technik, die eigentlich in ein Museum gehört. Doch etwas muss geschehen sein, denn es gibt kein Anzeichen von Überlebenden. Oder ist das ein Irrtum? Denn plötzlich wandelt sich die Szenerie, geht die friedliche Natur regelrecht zum Angriff über. Ratten groß wie Terrier, Schüsse aus dem Hinterhalt und eine Crew, die bereits von der letzten Mission noch angeschlagen ist.

Das ist eine ziemlich spannende Packung, die hier vom Studio zusammengestellt wurde. Und das Szenario steht im absoluten Kontrast zur vorherigen Geschichte. Gut gemacht, bleibt die Handlung somit auf einem hohen Spannungsniveau, ohne sich zu wiederholen. Zwar spielen die Ereignisse erneut im Weltraum, aber der ist diesmal so ganz anders, denn das gigantische Generationenschiff dient als Kulisse. Und die hat es, vor allem klanglich, in sich. Jochim-C. Redeker versteht es exzellent mit Klängen zu arbeiten und diese ins Hörspiel einzupflegen. Er zaubert einen glaubhaften Hintergrund, hält gut die Balance zwischen Technik und Natur. Das macht großen Spaß. Einzig die Musik ist Geschmackssache, denn manchmal klingt sie ein wenig esoterisch, sphärisch – wie der Hauch eines LSD-Trips aus den 70er-Jahren des letzten Jahrtausends oder die kleine Schwester einer aktuellen Wohlfühl-CD. Das ist an sich sehr passend..

Der erste Teil dieser Doppelfolge ist jedenfalls spannend inszeniert und macht neugierig auf die Fortsetzung. Vor allem der überraschende Kniff am Ende sorgt für einen tollen Überraschungsmoment – neudeutsch wäre wohl ein „wtf“ („what the fuck“) angebracht. Super!

Was das Cover angeht, so stammt die Illustration von Alexander Preuss (www.abalakin.de) und zeigt die PILGRIM 2000 vor der glühenden Sonne. Das Motiv benutzt warme, heiße, brennende Farben, so intensiv, dass es beinahe in den Augen schmerzte, der Blick zur Seite gedreht wird. Ein toller Brückenschlag zum ersten Track des Hörspiels. Die CD kommt im klassischen Retrolook daher, also keine Spielereien, sondern schlichtes Logo auf noch schlichterem Silber. Das Booklet ist ziemlich überschaubar und stellt die Figuren Rebecca Levy und Pablo Torrente jeweils in einem kleine Absatz vor. Letzterer wird übrigens sehr schön von Martin Keßler gespielt.

Insgesamt mal wieder eine gelungene Produktion aus der Reihe „Mark Brandis – Abenteuer in der Welt von Morgen“. „Pilgrim 2000“ bietet beinahe sechzig Minuten feinste Science Fiction und beste Unterhaltung fürs Ohrenkino. Eine klare Empfehlung!

Copyright © 2011 by Günther Lietz

Titel erhältlich bei Buch24.de

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