Snakeroot

Stephen Cole
Snakeroot

OT: Thieves like us
übersetzt von Ursula Höfker
Loewe Verlag
Erscheinungsjahr 2009
Taschenbuch
416 Seiten
ISBN 978-3-7855-6483-7

Trotz des „coolen“ anglizistischen Titels (würde man doch erwarten, dass der vorliegende Roman auch im Original „Snakeroot“ heißt, wenn man den „deutschen“ Titel liest, was aber offensichtlich ein Gedankenfehler ist) ist das vorliegende Buch außerordentlich vergnüglich zu lesen und gut gelungen (im Gegensatz eben zur deutschen „Betitelung“).

Erzählt wird, in Anlehnung an erfolgreiche Filme um Indiana Jones oder die „Mumie“-Filme, die Geschichte einer archäologischen Schnitzeljagd. Nur dass die Protagonisten verhaltensauffällige Jugendliche mit speziellen Talenten sind, die von einem reichen Auftraggeber im Stil von „Drei Engel für Charlie“ angeheuert und angeleitet werden.

Zu Beginn der Geschichte sitzt der 17jährige Jonah wegen kriminellen Verhaltens im Jugendgefängnis. Der Junge ist ein Computergenie, hatte jedoch nur selten Glück im Leben. Nach verschiedenen Adoptivfamilien, die ihn immer wieder ohne sein Verschulden wieder abgaben, hatte er sich jahrelang bei einer Familie sehr wohl und heimisch gefühlt, dort dem Adoptivvater durch Erstellen von Computersicherheitsprogrammen sogar zu Wohlstand verholfen. Als letzterer jedoch wegen einer Geliebten die Ehe mit seiner Frau hatte zerstören wollen, hatte Jonah beschlossen, die eigenen Programme zu knacken, Geld zu unterschlagen und mit diesem für sich und seine Adoptivmutter zu sorgen. Diese war entsetzt gewesen über seine „wohlwollende“ Tat und hatte die Polizei eingeschaltet, so dass Jonah nicht nur zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, sondern auch mal wieder eine Familie verloren hatte. Eines Nachts steht plötzlich eine unbekannte Jugendliche in seiner Zelle und will ihn befreien. Der verblüffte Junge willigt ein und gehört nach einer aufregenden Flucht plötzlich zum Team eines Mannes namens Coldhardt, dem noch vier weitere Jugendliche angehören, die alle gesellschaftliche Außenseiter mit speziellen Talenten sind. So unter anderem ein ehemalig obdachloser Vierzehnjähriger, der ein unglaubliches Talent im Schlösserknacken besitzt, und eine ehemalige Schmugglerin, die dermaßen geschickt ist im Lesen von menschlicher Mimik und Gestik, dass sie Lügen und alle möglichen Absichten und Gemütszustände erkennt, ohne dass die betreffenden Menschen diese zeigen wollten.

Alle Jugendliche sind Gezeichnete, haben schwere Verluste und ein tragisches Schicksal erlitten, was der Autor geschickt einfließen lässt und den Charakteren somit Tiefe verleiht.
Coldhardt ist einem alten ägyptischen Geheimnis aus der Zeit der Pharaonen auf der Spur, einer Mixtur, die angeblich ewiges Leben verheißt. Doch auch andere sind hinter diesem Mysterium her und bereit für dieses Wundermittel über Leichen zu gehen. Das müssen auch die Jugendlichen erfahren, als sie sich auf die Suche begeben, aber mit vereinten Kräften knacken sie auch die diffizilsten Rätsel und erreichen schließlich eine Gruft, in der ein Jahrtausende alter Mann liegt. Leider wirkt das Mittel anders als erhofft und die rabiaten Verfolger stellen sich schnell ein, so dass ein Kampf auf Leben und Tod entbrennt…

Trotz des misslungenen Marketinggags mit den ausgefransten Seiten (das Taschenbuch wirkt mit ihnen an der Frontseite einfach nur unfertig und nicht richtig beschnitten, die unterschiedliche Seitenlänge erschwert das Blättern) und dem schon angesprochenen blödsinnigen Titel ist der vorliegende Roman sehr empfehlenswert. Die starke Atmosphäre, die glaubhaften und gut gezeichneten Charaktere und die packende Handlung machen das Buch zum Lesevergnügen nicht nur für abenteuerlustige Jugendliche, sondern auch für erwachsene Leser.  Zwar ist die erzählte Geschichte mehr als klischeelastig, dies vergisst man beim Lesen wegen des hohen Spannungsgehalts und der wunderbaren Identifikationsfiguren aber schnell.

Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die mal abschalten und sich Stunden bunter Unterhaltung gönnen wollen, bei der man einerseits nicht viel denken muss, andererseits aber auch sein Gehirn nicht ganz abschalten muss, denn allzu arge Klischees vermeidet der Autor geschickt. Die gebrochenen Figuren sind jenseits von Schwarz und Weiß und der Abenteuergehalt der Geschichte ist gerade hoch genug, um sie einerseits eben so noch schlucken zu können, ohne sie als lächerlich zu empfinden, sie aber andererseits nicht wirklich ernst nehmen zu müssen.

Gute Unterhaltung also, nicht mehr, aber auch nicht weniger. (gb)

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