„Ich nenne es da unten“ – Frauen erzählen über ihre Vagina, die Lust und den Sex

Bianca Krause & Christoph Brandhurst
„Ich nenne es da unten“ – Frauen erzählen über ihre Vagina, die Lust und den Sex

Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2006, Neuauflage: 2/2009
TB, Erotik, Erfahrungsberichte, 978-3-89602-709-2, 221/895
Titelfoto von Bianca Krause

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Erotik ist ein Thema, mit dem sich viele Menschen beschäftigen, worüber sie aber nicht gerne offen sprechen, da der Bereich immer noch mit einem starken Tabu belegt ist. Vor allem Frauen werden dazu angehalten, sich in den Gesprächen und Diskussionen zurückzuhalten, auch wenn ihre nackten Körper überall präsent sind.

Durch die anerzogenen Verbote und Schamgefühle sind viele immer noch darin gehemmt, ihre Sexualität frei auszuleben oder zumindest offen darüber zu sprechen, ihre Gedanken und Emotionen in Worte zu fassen, die dem gerecht werden, was sie empfinden.

„Ich nenne es da unten“ ist eines der Bücher, das die Erfahrungsberichte der Frauen gesammelt hat, denen es gelungen ist, frei über ihre Vagina, die Lust und den Sex zu sprechen.

Die Bandbreite der Erzählstile ist dabei sehr interessant:

Während manche nur verschämt andeuten, was in ihnen vorgeht, seit sie ihre ersten Erlebisse mit Männern hatten, werden andere sehr direkt und benutzen bewusst eine vulgäre Sprache. Gerade wenn sie dazu tendieren, sich sadomasochistischen Praktiken oder Gruppensex auf Wunsch des Mannes hin als Sklavin zu unterwerfen oder als Domina aufzutreten. Manche der Geschichten lesen sich so, als wären sie einer pornographisch-erotischen Sammlung entsprungen, gerade wenn es um Gruppensex, den Wunsch, eine Prostituierte oder eine Sklavin zu sein, geht. Aber es gibt auch sehr nüchterne Erzählungen über die Enttäuschungen, die Frauen erlebt haben, nachdem das erste Mal ihre Träume wie eine Seifenblase hat zerplatzen lassen und die Partner sich als sehr selbstsüchtig erwiesen haben.

Wirklich interessant ist eigentlich nur das Vorwort, das erklärt, wie Frauen hierzulande mit Erotik und Sex umgehen und welchen Schwierigkeiten sie sich dabei zu stellen haben. Allerdings bestätigen die Herausgeber mit der Auswahl der Erfahrungsberichte nur die Klischees und Vorurteile, die man von vornherein hat.
Wirkliche Lösungen bietet es nicht, und auch das Gefühl, mit seinen Erfahrungen und Enttäuschungen nicht alleine zu sein, kommt nur in wenigen Geschichten auf.

Das merkt man schon allein daran, dass Frauen kein eigenes Vokabular entwickelt haben, um ihr Geschlechtsorgan zu benennen, sondern oft nur auf die vulgären Bezeichnungen aus der Pornoindustrie zurückgreifen.

Alles in allem ist die Sammlung eher enttäuschend und ernüchternd, da ihr eine klare Linie und Mut machende Beschreibungen fehlen.

„Ich nenne es da unten“ scheitert an seinem eigenen Anspruch. Zwar berichten Frauen von ihren Erfahrungen mit dem Thema Sex, aber wirkliche Aussagen treffen sie nicht. Insgesamt ist das Buch eher eine Sammlung von erotischen Geschichten unterschiedlichster Art, von verhalten bis derb. (CS)

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Ich nenne es „Da unten“. Frauen erzählen über ihre Vagina, die Lust und den Sex.

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