Abgründe der Macht

Robert Gordian
Abgründe der Macht

Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 02/2011
PB mit Lesebändchen
Belletristik, historischer Roman
ISBN 978-3-8053-4316-9
Titelgestaltung von Katja Holst, Frankfurt/Main unter Verwendung des Motivs
„Saviour of the World“ (tempera on panel), Giampietrino, Giovanni Pedrini, Pushkin Museum, Moscow, Russia/Bridgemen Berlin
Autorenfoto von N. N.

www.zabern.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Otto I der Große entstammte dem sächsischen Geschlecht der Liudolfinger und gilt als Begründer der Ottonen-Dynastie, die das ostfränkisch-deutsche Reich von 962 bis 1024 als Kaiser regierten. Er wurde 912 als zweiter Sohn des Sachsenherzogs Heinrich I bzw. als erster Sohn aus der Verbindung mit seiner zweiten Frau Mathilda geboren.

Aufgrund der Annullierung der ersten Ehe rückte Otto an die vorderste Stelle der Erbfolge, wurde 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches, 951 König von Italien und 962 römisch-deutscher Kaiser (mit seiner Krönung wird die Gründung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation gleichgesetzt). Da er sich erfolgreich gegen bestehende Machtstrukturen wandte, schuf er sich vor allem in seinen Jahren als Herzog viele Feinde: Er änderte die Erbfolgeregeln, besetzte wichtige Positionen mit vertrauenswürdigen und fähigen Verwandten und Freunden, entmachtete die Fürsten, die zuvor fast königlichen Status innehatten, und wandelte sie in ihrer Funktion zu Dienern des Herrschers um, und unterwarf die Reichskirche seiner Kontrolle. Siege gegen die Magyaren und Slawen festigten seinen Herrschaftsanspruch und führten sogar dazu, dass man ihn als ‚Retter der Christenheit‘ feierte. Unter ihm begann eine kulturelle Blütezeit.

Der historische Roman „Abgründe der Macht“ schildert die frühen Jahre Ottos ab seiner Ernennung zum Herzog von Sachsen und König des Ostfrankeneichs von 936 bis 939, in denen er seine Position verteidigte und all jene entmachtete, die selber nach der Königskrone strebten oder ihren Favoriten auf den Thron zu bringen versuchten. Treu zur Seite stehen ihm seine Frau Edgith, eine Angelsächsin, und einige ausgewählte Vasallen, die mit Titeln und Burgen für ihre Verdienste belohnt werden. Durch Klugheit und Geschick übersteht er die Intrigen und Angriffe seiner Gegenspieler, darunter sein Halbbruder Thankmar und sein jüngerer Bruder Heinrich, der Liebling ihrer beider Mutter. Ausführlich und dialog-lastig beschreibt der Autor den kurzen Zeitraum von nur drei Jahren, der einem sehr viel länger erscheint, und geht bloß kurz im Epilog auf die Folgejahre ein. Die Handlung spielt an verschiedenen Orten, da die Protagonisten ständig reisen.

Eine Vielzahl historisch belegter Personen ist involviert oder wird erwähnt, egal wie klein ihre Rolle ist. Darüber verliert man trotz der Personenübersicht am Ende des Buchs leicht den Überblick, denn die Authentizität geht leider zu Lasten des Handlungsflusses. Tatsächlich liegt der Schwerpunkt des Bandes auf ‚historisch‘ und weniger auf ‚Roman‘. So breitet sich vor dem Leser einerseits die mittelalterliche Welt des Adels aus, die sich im Umbruch befindet, doch die Akteure wahren Distanz zum Leser, es gibt keine spannenden Szenen, und auch von der großen Liebe, die Otto und Edgith verbindet und von der der Klappentext kündet (der Verfasser nennt sie außerdem „Editha“ – ob er das Buch wirklich gelesen hat?), ist nicht viel zu bemerken.

Wer auf eine unterhaltsame Lektüre hofft, wird enttäuscht. Robert Gordian – er studierte Journalistik und Geschichte, war als Dramaturg, Hörspiel- und TV-Autor tätig, ist Verfasser zahlreicher historischer Romane – verfügt über tief gehende Fachkenntnisse, doch sein Wunsch, die historischen Geschehnisse anhand von Quellen so realistisch wie möglich darzustellen, nimmt der Erzählung den Schwung. Von daher ist „Abgründe der Macht“ nicht Fisch, nicht Fleisch, denn den Historikern fehlen z. B. sachliche Hintergrundinformationen, eine Chronologie, der Stammbaum der Liudolfinger, ein Verzeichnis weiterführender Bücher. Den Freunden der Belletristik wiederum ist der Roman zu trocken und spannungsarm.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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