Berlin Palace

berlin-palaceJörg-Uwe Albig
Berlin Palace

Tropen/Klett-Cotta, Stuttgart, 02/2010
HC mit Schutzumschlag, Belletristik, Gesellschaftssatire, SF
ISBN 978-3-608-50106-3
Titelgestaltung von Herburg Weiland unter Verwendung eines Fotos von Fen Zengjie
Autorenfoto von Rolf Wegener

www.klett-cotta.de/tropen

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Die olympischen Spiele 2008 haben China zwar nicht demokratisiert, der Nation jedoch einen starken Wirtschaftsschub verpasst. Einige Jahre später ist China eines der reichsten Länder, eine glitzernde und moderne Hochburg des Erfolgs und ein Mekka für arme Migranten. Vor allem europäische und insbesondere deutsche Wirtschaftsflüchtlinge hoffen, während sie in Slums hausen, auf bessere Lebensbedingungen, während sie an Heimweh leiden. Längst ist in den Ghettos eine Subkultur entstanden, und immer mehr Chinesen fühlen sich fasziniert von den ‚wilden Germanen’. Das trifft auch auf den Werbefilmer Eisenstein Li zu, den jeder nur Xiao Ai nennt. Als er den Auftrag erhält, den Spot für das Parfum ‚Wald’ zu gestalten, will er das Produkt mit der mysteriösen Exotik der germanischen Kultur verbinden: mit einem dunklen Kiefernwald, einem Lebkuchenhaus und Hänsel und Gretel.

Den weiblichen Part soll Olympia Liang, die nach dem großen Sportereignis benannt wurde, spielen. Eigentlich ist die junge Frau keine besonders gute Schauspielerin und sorgt zudem für Probleme am Set, aber Ai ist bis über beide Ohren verliebt in sie und hofft, ihr endlich näher zu kommen. Je mehr sie ihm ausweicht und mit anderen Männern flirtet, umso stärker wird seine Besessenheit von ihr und dem Projekt …

Wer einen unterhaltsamen Liebesroman erwartet, wird enttäuscht, denn die unglückliche Romanze ist zwar die Triebfeder für das Handeln von Ai, der Hauptfigur, nimmt aber weniger Platz ein als die Schilderungen des futuristischen Chinas. Auf dem Wirtschaftsboom basierend, der mit den Olympischen Spielen begann, zeichnet der Autor ein Bild von einem Land, für das es im gleichen Maße nur aufwärts, wie es für die einstigen Industrienationen bloß abwärts ging. Beobachtet man die aktuelle Wirtschaftslage, erscheint diese Vision gar nicht so abwegig. In Chinas Vorzeige-Großstädten hat sich eine aufstrebende, erfolgreiche Oberschicht mit Kapital gebildet (wie es im Rest des Landes aussieht, ist ein anderer Punkt), während die EU im Sog der Krise, die in den USA ihren Anfang nahm, arg trudelt.

In der nahen Zukunft, wie Jörg-Uwel Albig sie beschreibt, hat sich alles umgekehrt. Mit ungewöhnlichen Wortschöpfungen und Schilderungen gelingt es ihm, eine surreale und zugleich vertraute Atmosphäre zu schaffen. Die Chinesen leben in Saus und Braus – die Speisen erinnern an die Kreationen eines Lukullus und an römische Dekadenz -, während die Gastarbeiter dankbar für jede Münze sind, die man ihnen zuwirft, z. B. fürs Scheibenwischen, wenn Autos an einer roten Ampel warten müssen. Sie sind schlecht gekleidet in einheitliche Anzüge, wie einst Maos ‚blaue Ameisen’. Dennoch lockt ihre Exotik, und immer mehr Chinesen besuchen ‚germanische’ Kneipen wie das „Berlin Palace“, um seltsame Getränke zu probieren, Lieder zu singen (Karaoke), deren Texte sie nicht verstehen und die sie kaum aussprechen können, und die Fremden zu betrachten, die karierte Hemden und Lederhosen tragen.

Tatsächlich wurde der Spieß einfach umgedreht. Die Faszination die man hier für Fernost empfindet, geht auch in die andere Richtung. Der Autor übt durch die vertauschten Rollen subtil Kritik an der Arroganz der Deutschen und an der der Chinesen, die beide für sich den Anspruch erheben, ein Kulturvolk und Maß aller Dinge zu sein. Es ist ein Balanceakt, der nicht verletzen soll, aber doch bissig ist und die Augen für die eigene Dünkelhaftigkeit, Ignoranz und Überflussgesellschaft öffnet, die vor allem die Unzufriedenheit in jenen schürt, die mit sehr viel weniger auskommen müssen, aber ständig den Reichtum der anderen vorgeführt bekommen.

„Berlin Palace“ ist weniger ein unterhaltsamer Roman als eine bittere Zukunftsvision und Gesellschaftssatire, die sich als Allegorie auf die Gegenwart versteht. Die Handlung und die Dialoge sind voller Anspielungen; man sollte sich Zeit für die Lektüre nehmen, um all die Feinheiten zu entdecken. Liest man gern ‚etwas andere Literatur’, die nicht dem Mainstream folgt und deren Intention auch nicht auf dem Silbertablett präsentiert wird, sollte man einen Blick in dieses Buch werfen. (3xPRT)

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Die jeweiligen Gewinne werden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt, die wir namentlich unter die Rezension(en) als Gewinner bekanntgeben werden.
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Die Gewinner lauten: Ralf Schwarz, Detlef Engwicht und Jörg Geese. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN AUCH UNSEREM SPONSOREN UND ALLEN MITSPIELERN!
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