Das Erlkönig-Manöver

Robert Löhr
Das Erlkönig-Manöver

Hörbuch nach dem gleichnamigen im Piper Verlag erschienenen Roman „Das Erlkönig-Manöver“
steinbach sprechende Bücher, Schwäbisch Hall, 06/2008
6 CDs, Hörbuch in Papp-Display, Belletristik, Historical, Krimi
ISBN 978-3-88698-935-5
Laufzeit: ca. 452 Min.
Gelesen von Helge Heynold
Titelgestaltung unter Verwendung eines Bildes von Caspar David Friedrich

www.sprechendebücher.de
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Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Das ausgehende 18. und das beginnende 19. Jahrhundert ist nicht nur die Zeit großer gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen, sondern auch der großen Geister, die noch heute in der Literatur, Philosophie und den Wissenschaften eine wichtige Rolle spielen und unvergessen sind. Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Alexander von Humboldt werden nun von Robert Löhr zu Helden einer fiktiven Agentengeschichte.

Deutschland im Jahr 1805: Mit Sorge beobachtet die Welt die Ambitionen von Napoleon Bonaparte, der zwar schon länger Frankreich kontrolliert, nun aber durch seine Kaiserkrönung deutlich gemacht hat, dass er sich nicht allein mit diesem Land zufrieden geben will. Und Deutschland bekommt das als erstes zu spüren, gehören doch die Gebiete westlich des Rheins bereits zum französischen Einflussbereich. Da trägt Herzog Carl August von Sachsen an die illustre Runde, zu der Goethe, Schiller, von Humboldt, Bettina Brentano und Achim von Arnim gehören, eine äußerst ungewöhnliche Bitte heran. Die fünf erfahren, dass Louis Charles, der Sohn von Marie Antoinette und Louis XVI., dem letzten Herrscherpaar aus dem Haus der Bourbonen, nicht im Kerker gestorben ist, wie alle angenommen haben, sondern überlebt hat. Der junge Mann ist nun achtzehn Jahre alt, und damit könnte er als rechtmäßiger Erbe den Thron Frankreichs besteigen – sowie den Usurpator und Emporkömmling Napoleon stürzen, der nicht mehr nur dem Adel Europas ein Dorn im Auge ist.

Der Dauphin hält sich angeblich in Mainz auf, das von den Franzosen besetzt ist, und droht unter Umständen enttarnt zu werden. Es gibt nicht lange etwas zu überlegen. Goethe, Schiller, von Humboldt und die beiden anderen sagen zu, der Angelegenheit nachzugehen, denn sie erkennen die Tragweite dessen, was passieren könnte, wenn das Vorhaben, durch den Dauphin Napoleon zu entmachten, gelingt. Doch wie so oft ist das Unterfangen mit Schwierigkeiten und Tücken verbunden, die niemand wirklich voraussehen konnte. Schon bald müssen sie nicht nur mit ihrem Verstand und ihrem Listenreichtum kämpfen, sondern auch mit Pistole, Degen und blanker Faust, denn Napoleon und seine Geheimdienstleute schlafen nicht …

Natürlich kann man sich denken, dass das Unterfangen nicht so gelingt, wie es sich die Helden am Anfang vorstellen, denn der Roman kehrt am Ende zu den realen historischen Entwicklungen zurück. Aber es ist sehr unterhaltsam, die Gestalten, die man nur als steife und idealisierte Vorbilder der deutschen Kulturgeschichte kennt, einmal in voller Aktion und sehr menschlich zu erleben. Da gibt es Degenduelle, Schießereien, man sprengt eine Brücke und ertrinkt dabei fast im Rhein oder wird schwach, wenn einen die einzige Frau der Gruppe anschmachtet. Das alles wird sehr ausführlich in Szene gesetzt, was die Handlung eher behäbig macht. Glücklicherweise gibt es im Hörbuch durch die Straffung keine allzu großen Längen. Die Helden bleiben meistens ihrer Bildung und ihrem Stand zwar treu und lösen vieles mit der Feder, dem Wort oder Verstand, aber sie geben sich auch schon einmal recht menschlich und schlagen kurzerhand zu, wenn man sie nicht ernst nimmt, fangen Streit an, der in einer handfesten Prügelei endet, oder sonnen sich in ihrem Ruf als Frauenverführer und sagen bei eindeutigen Angeboten nicht „nein“.

Hin und wieder gestatten sie sich natürlich auch den einen oder anderen Fehler und Schwächen, aber das macht sie nur umso lebendiger. Helge Heynold bringt dies dem Hörer nahe, auch wenn er ansonsten eher bedächtig und ruhig liest, so dass man seinem Vortrag sehr gut folgen kann. Aber er erlaubt es sich hin und wieder auch, Emotionen einzubringen, die die Figuren nachvollziehbarer machen, wenn auch leider nicht immer dort, wo es möglich wäre. Alles in allem erweist sich „Das Erlkönig“-Manöver als solides Hörbuch, das die Essenz der humorvollen Geschichte voller literarischer Zitate sauber wiedergibt.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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