Das flandrische Siegel

Marie Cristen
Das flandrische Siegel

Die Flandern-Saga 3
Droemer/Knaur, München, 2/2009
HC mit Schutzumschlag, Belletristik, historischer Roman, 978-3-426-66220-5, 512/1695
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Fotos von AKG images

www.droemer-knaur.de
www.marie-cristen.de

In Marie Cristens dritten Buch aus der „Flandern“-Saga um die Familie Contarini dreht sich die Handlung um Christina und Lucas, den Enkeln von Aimée und Domenico Contarini, die in „Die Stunde des Venezianers“ die Hauptrollen spielten.

Christina ist eine recht eigensinnige und kluge junge Frau, die sich den Zwängen ihrer Zeit nicht beugen will. So lehnt sie, sehr zum Ärger ihrer Eltern, eine Heirat mit Hendrik van der Molen ab. Der ist darüber so erzürnt, dass er sogar Christinas Bruder Lucas erpresst, der unter unglücklichen Umständen in einen Mordfall verwickelt ist, außerdem eine Affäre mit einer hochadligen jungen Dame eingegangen war. Lucas soll sich, ähnlich wie seine Schwester, dem Willen des Vaters beugen und im Handelskontor arbeiten, statt sein großes Talent als Maler auszuleben.

Gemeinsam mit Christinas besten Freundin Hannah und ihrem jüdischen Geliebten Daniel beschließen sie zu fliehen, nach Venedig, wo alle Religionen frei nebeneinander bestehen dürfen, Lucas als Maler arbeiten könnte und sie zudem Verwandte besitzen.

Doch ein Sturm macht all diese Träume zunichte. Sie landen in London, einer brutalen Stadt voller Gefahren, auf die sie durch nichts vorbereitet waren.

Derweil sinnt Hendrik van den Molen auf Rache…

Sensibel werden alle Charaktere entwickelt, die Annäherung zwischen Hannah und Lucas ist ergreifend, das schicksalhafte Geschehen um Daniel und Christina berührt tief. Auch wie der erst so konservative Matthis, Christinas älterer Bruder, sich einer jungen Frau annähert, ist wunderschön beschrieben. Das politische Geschehen und die hervorragend recherchierten Ereignisse des beginnenden 15. Jh werden immer mit eingeflochten, trotzdem bleibt der Focus auf allem Menschlichen, d. h., den Charakteren.

Die verschiedenen Liebesgeschichten, die Überwindung von religiösen Trennlinien, aber auch Standesdenken, bleiben immer im Vordergrund und werden sprachgewaltig umgesetzt. Man muss die Vorgängerromane nicht kennen, um diese Geschichte genießen zu können, und ein Genuss ist es für jeden, der Romantik, menschliches Drama und glückliche Enden liebt.

Eben dieses glückliche Ende mag den kritischen Leser ein wenig irritieren; die Wandlung des gestrengen Vaters ist vielleicht doch ein wenig sehr beglückend. Diejenigen, die historische Romane in die Hand nehmen, um Porträts bekannter Persönlichkeiten und politische Entwicklungen zu verfolgen, sollten diesen Band dann eher im Regal stehen lassen. Allen Liebhabern romantischer Erzählungen hingegen sei er wärmstens empfohlen: Große Überraschungen sind hier nicht zu erwarten, dafür bewegende Emotionen und viel Lesespaß.

Das Cover ist dezent, die Bindungsqualität hervorragend. Der Stammbaum der Familie Contarini ist interessant für all jene, die schon die ersten beiden Bände gelesen haben.

Ein gelungener historischer Liebesroman, der sich leicht genug liest, um sowohl im Sommerurlaub am Strand als auch zur Abendlektüre dienlich zu sein! (alea)

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