Das Herz der Tänzerin

das-herz-der-tanzerinVictoria Hislop
Das Herz der Tänzerin

Verlag: Diana HC
Pappband mit Schutzumschlag
Originaltitel: The Return
ISBN: 9783453290693
Übersetzt von Felenda, Angelika
Umfang: 512 Seiten

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Die Liebe, Kampf ums Überleben, das Schicksal und die schmerzhafte Trennung einer Familie mit verschiedenen politischen und somit gefährlichen Ansichten in den 30iger Jahren des 20.Jahrhunderts bilden die Grundlage der Geschichte um die Familie Ramirez während des spanischen Bürgerkriegs. Man taucht in die Erzählung ein, indem zunächst eine Rahmenhandlung aufgebaut wird. Sonia, eine unglücklich verheiratete Engländerin um die Dreißig, entdeckt ihre Liebe zum Tanz, indem sie mit ihrer Freundin Maggie während eines Urlaubs in Grenada einen Salsa-Tanzkurs belegt. In einer Bar lernt sie den älteren Besitzer Miguel kennen, dessen Erzählungen sie faszinieren.

Sie lernt durch ihn die Geschichte der Familie Ramirez kennen, deren Sohn Ignacio als berühmter Matador auf einem Plakat in der Bar abgebildet ist. Die weiteren Söhne, Antonio – der älteste und Emilio – ein sensibler und feinfühliger Gitarrist sowie die im tänzerisch talentierte Tochter Mercedes wachsen in Grenada auf. Ihre Eltern, Pablo und Concha führen hier eine Bar. Mercedes ist in ihrem Leben dem Tanz verfallen, schon als Mädchen tanzt sie als Flamencotänzerin und verliebt sich im jugendlichen Alter in Javier, einen ausgezeichneten Gitarristen. Die aufkommenden Wirren des Bürgerkriegs entzweien die Familie sowie Javier und Mercedes recht bald: Ignacio verteidigt seine faschistischen Standpunkte und gilt als Verräter seiner Freunde und Nachbarn, so dass er auf der Strasse von seinen Kontrahenten getötet wird. Emilio wird aufgrund seiner Homosexualität verhaftet und überlebt seine Gefangennahme nicht. Auch Pablo wird eingesperrt, weil seine Frau am Radio den falschen Sender eingestellt hat. Antonio macht sich mit Freunden auf, um an der Front gegen Franco zu kämpfen und Mercedes entscheidet, sich auf die Suche nach Javier zu begeben. Doch ihre lange Suche bleibt erfolglos und aufgrund der politischen Lage entscheidet sie sich zur Überfahrt und Bleibe in England.

Ich gebe zu, dass ich aufgrund der Leseprobe eine etwas andere Vorstellung über diesen Roman hatte. Der Hauptbestandteil der Geschichte ist eindeutig der spanische Bürgerkrieg und das damit verbundene Leid und Elend der Menschen. An den Familienmitgliedern der Familie Ramirez wird erzählt, wie unterschiedlich der Krieg das Schicksal der Menschen lenkt. Verrat, Erschießungen, Hunger, Armut und Angst vor Folter, ausgelöst von einem Anführer (Franco), welches ein ganzes Land in sich zerbricht. Hier haben die Anfänge einer Liebesgeschichte keine Chance, es wird deutlich, dass hier nur noch das Überleben zählt. Der Flamenco bildet hierzu eine wortlose Ausdrucksweise über die Verarbeitung der Ereignisse im Tanz und Aufarbeitung des erfahrenen Leids.

Das Buch ist sehr gefühlvoll, wirkt auf mich aber auch sehr beklemmend aufgrund der Kriegsschilderungen. Es liest sich sehr flüssig, teilweise entstehen meines Erachtens jedoch Längen, die sich mir zu sehr im Kriegsgeschehen verlieren. Traurig ist auch die ziellose und hoffnungslose Suche von Mercedes nach Javier, welcher im Gefängnis festgehalten wird und seine Leidenschaft als „Guitarrista“ nicht mehr ausüben kann. Da hatte ich mir – leider- einen anderen Ausgang gewünscht. Das „Herz der Tänzerin“ kommt mir etwas zu kurz im Geschehen. Aber auch dies passt zu dem, was uns die Autorin vermutlich vermitteln möchte: Dass durch den Krieg alle Hoffnungen jeglicher Art gewaltsam zunichte gemacht werden…

Sonia als Person bildet den Rahmen der Geschichte zu Beginn und am Ende. Ab und zu werden kurze Passagen von ihr eingesetzt. Erst spät bemerkt sie, dass auch ihr Leben mit der Familie Ramirez verstrickt ist und ihr weiteres Leben noch stark prägen wird. Mehr sei noch nicht verraten…

Das Cover des Buches ist sehr freundlich gehalten, ein tanzendes Paar, umgeben von Blumen und Vögeln in frischen Pastellfarben vermittelt eine stimmungsvolle Fröhlichkeit. Dies steht etwas im Kontrast zur eigentlichen Geschichte, vielleicht ist es auch die Wehmut nach Liebe, Tanz und Zweisamkeit. Daher gefällt mir die Gestaltung grundsätzlich sehr gut. Fazit: Ein empfehlendwerte s Buch, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Ohne Frage ein sehr anspruchsvoller Roman, mit dem Krieg als gewichtiger Hintergrund einer Familiengeschichte, der ein normales Leben nicht zulässt.

Copyright © 2010 by Sandra Stockem (ss)
 
Titel erhältlich bei Buch24.de
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