Das Jade-Medaillon

Victoria Lundt
Das Jade-Medaillon
Tsingtau-Saga 2

Piper Verlag, München, Originalausgabe: 08/2014
TB 30475
Belletristik, History, Drama, Romance
ISBN 978-3-492-30475-7
Titelgestaltung von Johannes Wiebel, punchdesign unter Verwendung von
Motiven von Stephen Rudolf (Landschaft, Pavillon), Raresirimie (Medaillon)

www.piper.de

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Im September 1908 zieht Familie Kindler von Berlin nach Tsingtau. Während die älteste Tochter Amelie trotz langwieriger Schwierigkeiten ihr Glück an der Seite des Halbchinesen Liu Tian findet, bleibt Helenes Liebe zu dem Ex-Verlobten ihrer Schwester, Erich Schweiger, unerwidert, obwohl er sie geheiratet hat, hoffend, Amelie in ihr zu finden. Als Helene die beiden in inniger Umarmung überrascht, lässt sie den ihnen keine Zeit für eine Erklärung und stürzt sich die Klippe hinab. Zwar wird keine Leiche gefunden, doch hält man Helene für tot.

Während der Wirren des Ersten Weltkriegs und nach dem Verlust der deutschen Kolonie in China an die Japaner fällt Erich zufällig das Jade-Medaillon in die Hände, das Helene einst von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte. Längst ist ihm klar geworden, dass er sich mit seinen Gefühlen für Amelie verrannt hatte und er in Wirklichkeit Helene liebt. Ist sie vielleicht noch am Leben, und er kann das ihr zugefügte Unrecht wiedergutmachen? Erich gelingt die Flucht aus dem besetzten Tsingtau. Tatsächlich findet er Helene im Tal der Lotosblumen, wo sie sich als Krankenschwester in einem Hospital eine neue Existenz aufgebaut und in dem geheimnisvollen Kang, einem Patienten, eine zweite Liebe gefunden hat. Kang ist jedoch just an dem Tag verschwunden, an dem Erich verletzt auftaucht, und Helene erfüllt auch ihm gegenüber ihre Pflicht, wahrt jedoch Distanz.

Als das Hospital geschlossen wird und sich das Personal, die Patienten und mehrere Waisenkinder zur nächsten größeren Ortschaft mit Bahnstation durchschlagen müssen, werden sie von marodierenden Soldaten überfallen und ausgerechnet von Kang und seinen Männern gerettet. Dieser gibt nun sein Geheimnis preis. Kann Helene ihn noch immer lieben – einmal abgesehen davon, dass sie erkannt hat, dass Erich ein anderer Mann geworden ist, der seine Fehler zutiefst bereut?

„Das Jade-Medaillon“ ist der zweite in sich abgeschlossene Band, den Victoria Lundt über die Töchter der Familie Kindler und ihre Nachkommen erzählt. In „Der Kuss der Schmetterlinge“ stand Amelie im Mittelpunkt, und man lernte die übrigen Protagonisten kennen. Im vorliegenden Roman wendet sich die Autorin der verschollenen Helene zu, denn die Leserschaft wollte zu gern erfahren, was aus ihr geworden ist und ob es auch für sie ein Happy End gibt. Die Handlung knüpft ungefähr an das Ende des anderen Buchs an: Es gibt eine Spur zu Helene, und Erich kapert ein Flugzeug, mit dem er seinem Gefängnis entkommt. Die Schicksale der anderen sind geklärt, und so rücken diese beiden in den Fokus. Mit Kang, der mehr ist, als er vorgibt zu sein, kommt ein Rivale hinzu, doch nimmt er nicht die Position ein, die man erwartet hätte.

Zunächst präsentiert er sich sehr positiv; schon im Hinblick auf die Schuld, die Erich auf sich geladen hat, ist das ganz einfach. Doch wenn sich dieser vom Saulus zum Paulus wandelt, Kang erklärungslos nach der Liebesnacht verschwindet, der Spatz in der Hand bekanntlich besser ist als die Taube auf dem Dach – da weiß man, wie sich die Angelegenheit entwickeln wird. Und erfahrene Leser dürften mit ihren Vermutungen Recht behalten haben, denn der eine macht sich unentbehrlich und wetzt seine Scharte aus, während der andere höhere Ziele verfolgt und vor allem als deus ex machina rettet oder retten lässt.

Infolgedessen halten sich die leidenschaftlichen Momente in Grenzen, zumal die Protagonisten regelmäßig um ihr Leben bangen müssen. Die grausigen Schilderungen dominieren, obschon die Autorin sie ‚nur‘ in den alltäglichen Lauf der Dinge einbaut, die vor allem aus Helenes und Erichs Sicht geschildert werden. Die ungeschönten Kriegsgräuel sind es auch, die romantischen Leserinnen die Freude an der Lektüre nehmen können, denn immer wieder finden unbeteiligte und gute/sympathische Menschen den Tod – allein um die Blutlust von verrückten Fanatikern und Psychopathen zu befriedigen (das aktuelle Weltgeschehen ist derzeit voll von solchen Ereignissen und mag die Autorin inspiriert haben). Da die Rahmenhandlung nicht abgeschlossen wird und die Geschichten weiterer Figuren offenbleiben – z. B. von Ah-Kum, der Adoptivtochter von Helene und Erich – wird man wenigstens ein weiteres Buch erwarten dürfen, das wohl die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg abdeckt.

Man muss „Der Kuss der Schmetterlinge“ nicht gelesen haben, um sich in „Das Jade-Medaillon“ zurechtzufinden, doch empfiehlt es sich, die Reihenfolge beizubehalten, da einige Entwicklungen sonst vorweg genommen würden. Hier wird vor allem die dunkle Seite von Kriegen geschildert, passend zur Realität mit all ihren aktuellen und latenten Bedrohungen, und das wird wohl so mancher Leserin, die diesen gern entfliehen würde, nicht so gut gefallen.

Copyright © 2014 by Irene Salzmann (IS)

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