Der Bastard von Tolosa

der-bastard-von-tolosaUlf Schiewe
Der Bastard von Tolosa

Droemer Verlag, München, 11/2009
HC mit Schutzumschlag, Belletristik, History
ISBN 9783426198414
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung
eines Motivs von Fine Pic, München, Bridgeman Art Library

www.droemer.de

Ulf Schiewe, Jahrgang 47, hat, statt einer Karriere als Kunstmaler nachzugehen, in der Softwareindustrie gearbeitet. Nun hat er sein Debüt in der Kunst des Schreibens gegeben und einen historischen Roman vorgelegt, der in jedem nur denkbaren Wortsinn episch zu nennen ist. Auf über 900 Seiten entfaltet sich die bewegende Lebensgeschichte des Edelmanns Jaufré Montalban, Cavalier und Castellan von Rocafort. In der Ich-Perspektive wird erzählt, wie er 1096 mit tausenden anderen Kriegern aufbricht, um Jerusalem zu ‚befreien’. Er entflieht so der glücklosen Ehe mit einer Frau, zu der er gezwungen wurde, nachdem er seine Liebe nicht heiraten durfte. Vierzehn Jahre bleibt er in Outremer, wo er sein Glück findet. Er ist Castellan einer großen christlichen Festung, hat eine Frau, die er über alles liebt, und eine Tochter.

Doch dann wird seine Frau getötet, und er kehrt mit seiner Tochter und seinem Freund Hamid – ein Moslem – nach Hause zurück. Dort wird er nicht mit mit offenen Armen empfangen: Seine Familie hatte ihn tot geglaubt, seine erste Frau steht im Begriff, einen anderen Mann zu heiraten, sein Sohn Raoul begegnet ihm mit Hass und Unverständnis. Bald wird er von neuem in Krieg, Verrat und Kampf verstrickt, denn er hütet ein gefährliches Geheimnis …

Kunstvoll nutzt der Autor Retroperspektiven und all die Vorteile, die der Ich-Erzähler bietet, um den Leser hautnah an die Schrecken der Kreuzzüge und die für uns so grausam erscheinende Zeit des 11. Jahrhunderts heran zu führen. Jaufré wirkt gerade durch seine Fehler, seine emotionale Naivität, seine geradlinige Ehrlichkeit beinahe erschreckend authentisch. Auch all die anderen Charaktere werden durch das Auge des Erzählers lebendig, ob es nun der unschuldige kleine Mönch ist, der den Erinnerungen des Edelmannes lauscht, die Freunde, Feinde oder Geliebten dieses Mannes: Sie alle wirken stark und überzeugend.

Etwas schwächer ist die Sprache der Helden: Man mag Jaufré verzeihen, dass er durch sein hartes, sehr wechselhaftes Leben zu solch modernen Gedanken und Lebenseinstellungen gelangt ist, doch auch viele Nebenfiguren sprechen unangemessen für diese Epoche. Außerdem ist der sehr detailgetreue Stil manchmal zu ausschweifend, um die Spannung ungebrochen hochhalten zu können. Das sollte aber niemanden davon abhalten, dieses Epos zu genießen, das für männliche wie weibliche Leser viel zu bieten hat: Schlachtengetümmel, Kampf, Niederlage und Sieg, aber auch Liebe, Verlust, Intrigen.

Alles in allem ist „Der Bastard von Tolosa“ ein historischer Roman, der sich wohltuend von jenem Schema F abhebt, das sich in jüngster Zeit in dieses Genre eingeschlichen hat. Keine tapfere Heldin, die männlicher Gewalt trotzen muss, bis ihre wahre Liebe sie errettet, sondern authentische Menschen vor sorgsam recherchiertem Hintergrund, agieren hier. (3xPRT)

Copyright © 2010 Alexandra Balzer

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Der Bastard von Tolosa

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