Der Duftmacher

Ina Knobloch
Der Duftmacher

Pendo Verlag in der Piper Verlag GmbH, München, 09/2010
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Belletristik, History, Drama, Romance
ISBN 978-3-86612-267-3
Titelgestaltung von HildenDesign, München unter Verwendung eines Motivs von Mart Ostrowska/Trevillion und Shutterstock
Autorenfoto von Felix Seufert

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Giovanni Maria Farina bewies schon als Kind, dass er über eine ungewöhnliche Nase verfügt. Jeden Duft, den er schnupperte, konnte er sich merken, und Gestank war ihm zuwider. Als Jüngling begleitet er seine Tante, die ihn bei verwandten und befreundeten Parfumeuren einführt, damit er ihr Handwerk erlernt. Die Begegnung mit Antonia Brentano wird zu einem Schlüsselerlebnis für den schüchternen Giovanni. Beide verlieben sich ineinander, aber der Jüngling wagt es nicht, seine Gefühle zu gestehen, solange er keine Familie versorgen kann. Er ahnt nicht, dass ein Widersacher aus Kindertagen Rachepläne schmiedet, um ihn und Antonia zu entzweien und ihn auch geschäftlich zu schädigen. Das junge Mädchen durchschaut das böse Spiel ebenfalls nicht, und als sich Giovanni endlich offenbart, scheint es für beide zu spät zu sein.

Das ausgehende 17. und das frühe 18. Jahrhundert liefern den Zeitrahmen für einen historischen Roman, der von belegten Personen wie der Hauptfigur und fiktiven Charakteren belebt wird. Die Handlung spielt in Mitteleuropa – und einige Jahrzehnte vor den erdichteten Ereignissen von Patrick Süskind in „Das Parfum“, in dem ebenfalls ein Protagonist mit ungewöhnlichem Geruchssinn u. a. versucht, das perfekte Parfum zu kreieren. Allerdings ist Jean-Baptiste Grenouille im Gegensatz zu Giovanni Maria Farina, auf den das Eau de Cologne zurückgeht, ein Mörder, und das Buch schlägt einen ganz anderen, viel düsteren Pfad ein.

„Der Duftmacher“ ist eigentlich ein Familiendrama, in dem geschildert wird, unter welchen Umständen Giovanni geboren wurde und aufwuchs, welche Erlebnisse ihn während seiner Lehrjahre prägten, wie die Angehörigen zu ihm standen, welche Feinde er sich machte, wonach bzw. nach wem er sich sehnt. Die Perspektive wechselt regelmäßig zu den anderen Akteuren, so dass man auch ihre Sichtweise, ihre Zweifel und Hassgefühle kennenlernt. Man sympathisiert mit Giovanni, wenngleich man manchmal den Kopf über seine Naivität, mehr aber noch über sein Unverständnis Antonia gegenüber schütteln möchte. Sein Verhalten ist jedoch seiner Erziehung geschuldet, und sie kommt dem Plot, der sich an wahren Begebenheiten orientiert (Antonia ist erfunden – mit entsprechender Konsequenz) entgegen.

Ob jemand wirklich einen so bemerkenswerten Geruchssinn haben kann, sei dahin gestellt; das wissen vielleicht nur die Parfumeure. Allerdings dürfte so mancher, der ebenfalls über eine gute Nase verfügt, mit dem Protagonisten leiden: Die Gerüche in öffentlichen Verkehrsmitteln treiben trotz Umweltgedanke jeden in den eigenen PKW, wenn der Bauer Gülle auf seinem Feld verteilt, muss man sofort alle Fenster schließen, Kollegen, die das Wort ‚Hygiene‘ nicht einmal buchstabieren können, verpesten das gemeinsame Arbeitszimmer usw. Ganz abwegig sind empfindliche Nasen also nicht.

Ina Knobloch zeichnet ein authentisches Bild von einem Europa, das einerseits humanistisches Gedankengut kannte, andererseits unter Kriegswirren und der Ausbeutung durch den Adel litt. Ihre Charaktere wahren eine gewisse Distanz zum Leser, wirken jedoch realitätsnah. Der Autorin gelingt es, trotz ähnlichem Thema, „Das Parfum“ nicht nachzuerzählen. Schätzt man historische Romane, sollte man dem Titel eine Chance geben.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

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Comments

  1. „Das Parfum“ (Parfüm?) war als Film einsame Spitze; Dustin Hoffmann ein super Schauspieler. Das Eingangsszenario hat mich ein wenig geschockt und zeigt, wie das Mittelalter wohl wirklich war: dreckig, versifft und nicht verklärend romantisch.

    Hier den Absprung von diesem Vorbild zu schaffen ist ein großes Lob; macht neugierig auf den Titel.

    Ich habe letzte Woche wieder Leute getroffen, die weniger gut duften; die sollten mal ein Buch „Die DuftBENUTZER“ lesen (und vorher mal duschen; boah, gibt es Leute, nein wirklich!)

    mgg
    galaxykarl ;-I

    P.S. Wirklich schöne Rezi, Irene.

  2. Ich habe eher das Problem, dass bei den Nachbarn unter mir es zu sehr duftet. Ob die jetzt Duftkerzen in Massen aufstellen oder die aufgehängte Wäsche auf dem Balkon viel zu viel Weichspüler abbekommen hat. Aber am schlimmsten sind die Kischa-Wasserpfeifen, die sie stündlich anzünden. Ekeliger Geruch, der in meiner gesamten Wohnung hängt und auch nach dem Lüften nichts raus geht. Wenn ich beim Vermieter nachfrage zuckt man mit den Schultern und meint, könnte man nichts gegen machen. Wenn ich diese Nachbarn frage, bekomme ich zur Antwort: „Nix verstehen!“ Beim Mieterschutz empfielt man mir den Gang zur Polizei, wenn der Vermieter meint, das dagegen nichts zu machen sei, weil es da keinen Paragraphen für im Mietvertrag gäbe. Doch unser Freund und Helfer fühlt sich laut Anwort am Telefon dafür icht zuständig. Vielleicht sollte ich doch zum Rechtsanwalt gehen?

    Soviel zum Duften und Stinken! 🙁

  3. Meinst sicher Shisha …

    Naja, Duftkerzen und frische Wäsche sind ja OK, aber Shisha-Schwaden? Vermieter und Polizei kommen erst, wenns Drogen sind auf die Beine.

    Auf lange Sicht hilft hier wahrscheinlich nur ein Umzug; und der kostet erst mal Geld.

    Mein Beileid.

    mgg
    galaxykarl 🙁

  4. Stimmt nicht, Galaxy! Ich hatte einen Nachbarn, der hat fröhlich seine Drogen geraucht und als die Polizei gerufen wurde, sind die mit dem Begriff „Eigenverbrauch“ schulterzuckend wieder abgezogen.

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