Der dunkle Engel

der-dunkle-engelKeith Donohue
Der dunkle Engel

Angels of Destruction, USA, 2009
Bertelsmann Verlag, München, 10/2009
HC, Belletristik
ISBN 978-3-570-01126-3
Aus dem Amerikanischen von Sabine Herting
Titelgestaltung von RME unter Verwendung eines Motivs von Gettyimages

www.cbertelsmann.de
www.keithdonohue.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Der mit seiner Familie in Maryland lebende Keith Donohue vermischte bereits in seinem Debütroman, „Das gestohlene Kind“, die Wirklichkeit mit einem Hauch von Märchen und Phantasie. In seinem zweiten Buch, „Der dunkle Engel“, ist das nicht anders.

In einer kalten Winternacht im Jahr 1985 steht ein neunjähriges Mädchen vor der Tür der vereinsamten Margaret Quinn. Sie hat nichts und niemanden mehr, seit ihre Tochter Erica vor mehr als zehn Jahren einfach mit den Aktivisten einer radikalen Studentengruppe verschwand, ohne eine Spur oder Lebenszeichen zu hinterlassen, und einige Jahre danach ihr Mann an gebrochenem Herzen starb. Norah, so nennt sich die Kleine, bringt innerhalb eines Abends wieder Licht in das dunkle Haus der alten Frau. Sie behauptet zwar nur, dass sie ein Waisenkind sei, aber Margaret beginnt schnell zu glauben, dass sie ihr eigenes Enkelkind vor sich hat. Das Mädchen gewinnt das Herz der alten Dame im Sturm. Auch in der Schule ist sie durch ihr freundliches und lebensbejahendes Wesen bald nicht nur bei den Lehrern beliebt; ihr gelingt es auch, die gleichaltrigen Schüler zu fesseln.

Auf ihre Art und Weise wirkt sie erwachsen und reifer, als man es vermutet, aber nicht naseweis und vorlaut. Auch der immer traurige Nachbarsjunge Sean gewinnt durch sie Lebensmut zurück. Norah scheint ein Segen für ihre Umgebung zu sein, doch dann kommt überraschend die Wende. Am Valentinstag und in der Schule behauptet sie schließlich, dass sie kein Mensch sondern ein leibhaftiger Engel sei. Doch was ist Wahrheit und was Lüge? Wer ist Norah wirklich, und gibt es vielleicht sogar eine Verbindung zu Erica? Ausgerechnet Margarets Schwester macht sich auf die Suche nach Antworten und entdeckt Erstaunliches.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, „Der Dunkle Engel“ ist kein phantastischer Roman. Keith Donohue spielt zwar mit übernatürlichen Elementen, setzt diese aber nur selten ein und beschreibt sie so, dass sie auch Trugbilder des Geistes sein könnten. Stattdessen beschäftigt er sich wesentlich mit den Schicksalen der Menschen in ihrer Umgebung und der Hoffnung, die das Mädchen ihnen gibt. Was auch immer Norah sein mag, sie ist der Funke, der Margaret neue Hoffnung und Energie gibt, am Ende sogar Mutter und Tochter wieder zusammen führt und manch ein Geheimnis in ihrer Umgebung enthüllt. Und dazu braucht sie letztendlich keine Magie. Der Roman bleibt damit sehr nahe an der Wirklichkeit, wie sie auch die Leser erleben. Der Stil des Autors ist zwar poetisch, aber nicht schwülstig. Er wird ebenso wenig ausschweifend und schreibt sehr einfach, aber ausreichend genug, um im Kopf die entsprechenden Bilder heraufzubeschwören. Spannung entsteht in erster Linie durch die Mysterien, die Norah umgeben und weniger durch äußere Einflüsse.

Daher sollte man keine gefährlichen Situationen erwarten. Allein in der Handlungsebene, die mehr über Ericas Schicksal verrät, geht es etwas actionreicher zu, aber auch dort verkommt die Gewalt nicht zum Selbstzweck. Alles in allem ist „Der dunkle Engel“ weit davon entfernt, ein magisches Fantasy-Märchen zu sein, wie sie heute so beliebt sind. Es ist ein berührender, weil sehr lebensnaher Schicksalsroman um traurige und einsame Menschen, in deren Dasein unverhofft ein geheimnisvoller Gast tritt, der ihnen allein durch seine Anwesenheit Kraft und Freude wiedergibt.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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