Der Tod der Venus

Care Santos
Der Tod der Venus

Originaltitel: La Muerte de Venus (2007)
München: Droemersche Verlagsanstalt 2010
Knaur Taschenbuch 50594
Aus dem Spanischen von Jutta Ressel
Umfang 445 Seiten
ISBN 978-3-426-50594-6

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Die schwangere Mónica erbt völlig überraschend ein altes, großes Haus nahe Barcelona, welches sich schon lange im Familienbesitz befindet. Zusammen mit ihrem Partner Javier nimmt sie einen Kredit auf, um das alte Gemäuer renovieren und modernisieren zu können. Schnell bemerken die beiden, dass in dem Haus merkwürdige Dinge vor sich zu gehen scheinen. Türen bewegen sich von selbst, üble Gerüche steigen auf, die Zimmertemperatur fällt manchmal erheblich ab und bei den Sanierungsarbeiten tauchen alte Schmuckstücke und Pretiosen auf, obwohl man bestimmte Stellen gerade erst instandgesetzt hatte. Erst scheinen die Wurzeln eines alten Baumes, die unterirdisch in das Haus ragen und zwischen denen sich Schädlinge und Abfall gesammelt haben, für einen Teil der Probleme verantwortlich. Beim Entfernen der Wurzeln stößt man zudem auf einen antiken Marmorkopf, welcher ein Frauengesicht zeigt und wohl aus dem 1. Jahrhundert vor Christi Geburt stammt. Doch nach der Ausgrabung wird der Spuk immer stärker, sogar in Latein verfasste Botschaften tauchen an den Wänden auf.

Gegen Javiers Widerstand beauftragt Mónica einen Spiritisten, sich die Sache anzusehen. Dieser findet heraus, dass die beiden in ein seit knapp zweihundert Jahren bekanntes Spukhaus gezogen sind, in dem schon ein Vorfahre Mónicas auf tragische Weise ums Leben kam, indem er brachial geköpft wurde. Ein Poltergeist treibe hier sein Unwesen, so der Parapsychologe. Bei einer Beschwörung, die mit der Videokamera aufgezeichnet wird, fällt Mónica in Trance und erfährt so (zusammen mit dem Leser) von dem bestürzenden Schicksal der knapp 16jährigen Römerin Iulia Pomponia, die dereinst brutal ermordet wurde und deren Geist seitdem nicht zur Ruhe kommt. Obwohl die Totenbeschwörung einen grausigen Effekt hat (mehr soll hier nicht verraten werden), entschließt sich Mónica, der jungen Römerin zu helfen, deren Geist zwischen dem Diesseits und dem Jenseits seit nunmehr knapp 2020 Jahren gefangen zu sein scheint…

Trotz des klischeehaften Sujets ist der Spanierin Care Santos ein hervorragender Gruselroman gelungen. Meisterhaft dreht die Autorin an der Spannungsschraube, diese steigert sich im Verlauf der Handlung immer mehr, Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Die überzeugende Atmosphäre und die liebevoll gestalteten, glaubhaften Charaktere sprechen für sich. Auch die 90 Seiten, die in der Römerzeit spielen, und in denen der Leser erfährt, welche Ursachen der Spuk hat, wirken authentisch und packend, viele nebenbei eingestreute Details zeigen, dass die Autorin sorgfältig recherchiert hat.

Care Santos hat sich viel Mühe gegeben, das Werk mit einigen “Einsprengseln” aufzulockern. So sind Briefe aus der Familienkorrespondenz von Mónicas Vorfahren zu lesen, es gibt ein Sitzungsprotokoll einer längst vergangenen spiritistischen Sitzung aus dem 19. Jahrhundert und ein Bestandsverzeichnis der archäologischen Funde auf dem Gelände der alten Villa. Dies alles ist liebevoll “erfunden”, rundet das Bild eines wunderbaren Spukromans ab, den man trotz der bekannten Klischees kaum aus den Fingern legen kann. Ein wahres Lesevergnügen für alle Gruselfans.

Copyright © 2010 by Gunther Barnewald 

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