Die Minnesängerin

Sybille Schrödter
Die Minnesängerin

Piper Verlag, München, Originalausgabe: 02/2011
TB, Belletristik, Historical, Drama, Romance
ISBN 978-3-492-25448-9
Titelgestaltung von simper smile, München und Hauptmann & Kompanie Werbeagentur,
Zürich unter Verwendung von Fotos von Getty Images
Autorenfoto von Andres Schlippe, Berlin

www.piper.de
www.sybilleschroedter.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Auf dem Weg nach Landshut zu einem Sängerwettstreit auf der Burg Trausnitz wird der Wagen von Konrad von Lechtenberg von Räubern überfallen. Der Knecht Johann wird erschlagen, der Sänger als tot liegen gelassen; seiner Tochter Ava und ihrem Verlobten, dem Ritter Kasimir, ermöglicht der Räuberhauptmann Jakob unerwartet die Flucht. Als sie wenig später an den Ort des Grauens zurückkehren, wurde Johann bereits beerdigt, und Konrad ist verschwunden. Ava legt die Kleidung ihres Vaters an und gibt sich als Konrad von Lechtenberg der Jüngere aus. Sie ist davon überzeugt, dass ihr Vater noch lebt und von den Räubern verschleppt wurde. In Nürnberg wendet sie sich an den Senat, der ihr und Kasimir erlaubt, zusammen mit einigen Knechten das Räuberlager auszuheben. Doch sie kommen zu spät; das Versteck ist leer, aber die verlorene goldene Mantelspange ihres Vaters lässt Ava weiter hoffen.

Nachdem die Knechte abgezogen sind, fallen Ava und Kasimir im Wald den Räubern in die Hände und erfahren, dass der Vater freigelassen wurde. Als Jakob sie beide zusammen mit seiner Gefährtin Marie ebenfalls aus dem Lager schmuggelt, sind sie verwirrt und erleichtert. Ava ahnt, dass es einen Grund für Jakobs Verhalten – ein großes Geheimnis – gibt, aber weder er noch Marie wollen es ihr offenbaren. Die Flüchtlinge gelangen nach Regensburg, wo Kasimir seine Verletzungen von dem Bader Albrecht behandeln lässt. Auch er gehörte für kurze Zeit zu den Räubern, doch verließ er die Bande, weil sich Marie für Jakob entschieden hatte.

Seine Liebe ist nicht weniger geworden, und es scheint, als dürfe die junge Frau endlich von einem kleinen Bisschen Glück träumen. Ava und Kasimir ziehen allein nach Landshut weiter. Ob es der Vater inzwischen geschafft hat, sich zur Burg Trausnitz durchzuschlagen? Allerdings wird Ava dann nicht als sein Sohn auftreten und für Kasimir mit ihren Liedern für die schöne Violante werben dürfen, in die sich der Ritter verliebt hat. Und was wird dann aus dem Wettstreit mit dem frechen Diethart von Bergau, dem Ava ihr Herz geschenkt hat? Aber am Ziel ihrer Reise ereignet sich eine Tragödie, mit der die jungen Leute nicht gerechnet haben und die auch Diethart veranlasst, sein wahres Gesicht zu zeigen …

„Die Minnesängerin“ ist ein romantischer Historienschmöker in der Tradition von „Die Päpstin“ von Donna W. Cross oder Ulrike Schweikerts „Die Maske der Verräter“. Die Handlung spielt im Mittelalter (im Raum Oberpfalz/Niederbayern) und rankt sich um ein junges Mädchen, das mit den Traditionen bricht, ihrer Zeit voraus und eine Identifikationsfigur für die moderne Leserin ist, die Spaß an solchen Themen hat und nicht nach Logik fragt. Denn Letztere bleibt leider oft auf der Strecke, weil sich die Handlung sonst nicht in die gewünschten Bahnen hätte lenken lassen. Und wenn das immer noch nicht reicht, helfen der glückliche Zufall und Deus ex Machina.

So stellt sich Hauptfigur Ava schon zu Beginn als tomgirl vor, das als kleines Mädchen mit dem gleichaltrigen Kasimir raufte und trotz Verbot des Vaters Lieder singt, nach seiner Krankheit mit ihm übt und ihn motiviert, nach Landshut zu reisen, obwohl der in die Jahre gekommene Mann bezweifelt, mit den Rivalen mithalten zu können. In der Vater-Tochter-Beziehung tut sich früh eine Kluft auf, die erfahrene Leser ein Geheimnis wittern lässt, auf das immer wieder hingewiesen wird und dessen Lösung man sehr schnell errät.

Nach dem Überfall verkleidet sich Ava als junger Mann und versucht, ihren großen Traum zu realisieren: Sie würde gern singen, aber das ist Frauen untersagt. Dass sie dadurch in einen Zwiespalt gerät – taucht der Vater auf, hat die Maskerade ein Ende; bleibt er verschwunden oder wird tot gefunden, kann sie sich nicht über etwaige Erfolge freuen -, wird nicht weiter ausgeführt, aber stellenweise nachgeschoben, damit die Protagonistin nicht herzlos erscheint. Tatsächlich vergisst sie oft genug sein Schicksal, und an die Mutter, die nichts von alldem ahnt, wird überhaupt kein Gedanke verschwendet. Dass Ava dieses Spiel so lange durchziehen kann, erscheint wenig glaubwürdig. Zum einen dürfte es kaum einem Mann über mehrere Tage hinweg und in freier Natur verborgen bleiben, dass ‚etwas‘ anders ist, zum zweiten verfällt Ava immer wieder in klischeehafte ‚weibliche Verhaltensmuster‘ (Ohnmachtsanfall, entsetztes Kreischen), die sie verraten – und das von einer Autorin, die es eigentlich (besser) wissen müsste!

Durch das gleiche Raster rasseln die Romanzen der Marke clean: Avas und Kasimirs Eltern wollen die beiden verheiraten, aber der Ritter begegnete während seiner Knappenzeit Violante, und Ava, die bloß schwesterliche Gefühle für ihnen einstigen Spielkameraden hegt, verspricht ihm, ihn in seinem Werben um die Angebetete zu unterstützen. Sie selber findet auch jemanden – wie könnte es besser laufen?! Natürlich ist das Happy End damit nicht schon festgelegt, denn Kasimir hat einen intriganten, skrupellosen Rivalen, Diethart hütet ein düsteres Geheimnis, und die Herzen gehen letztlich eigene Weg, zwar Hand in Hand mit den dramatischen Entwicklungen, die jedoch nicht wirklich überraschen können. In Folge lösen sich am Schluss jedes Geheimnis und jeder Konflikt auf einfache Weise in Wohlgefallen auf, fast schon zu schnell nach all der Vorarbeit, als hätte die Autorin ihr Seitensoll erfüllt und hake auf den verbliebenen Seiten die letzten offenen Punkte ab.

Die Charaktere sind sympathisch und erfüllen ihre Rollen, auch Ava, die sich zuerst sehr burschikos und wagemutig gibt – oft genug Kasimir als Weichei beleidigt, so dass man sich wundert, weshalb er so lange treu an ihrer Seite bleibt -, doch, sobald es darauf ankommt, einknickt und zum ‚Weibchen‘ wird, das sich schutzbedürftig an den nächstbesten Macho klammert, der für sie die Kastanien aus dem Feuer holt. Dabei zeigt sich, dass weder Kasimir noch Diethart absolut zuverlässig sind, aber auch Ava ist nicht frei von Fehlern. Die Handlung weist keinerlei Längen auf, ist einigermaßen spannend und abwechslungsreich erzählt. Was auch passiert, Ava findet stets Helfer oder hat einfach Glück, so dass sie ihren vorhersehbaren Weg weiter gehen kann, selbst wenn die Situation an sich aussichtslos ist. Oft wird vereinfacht (die Verhandlungen mit dem Senat, der Besuch im Kerker, der Richtspruch von Prinz Otto), so dass sich die Story nicht mit komplizierten, langweiligen Sachverhalten oder Lektionen in Geschichte (die Autorin gibt zu, der dichterischen Freiheit gegenüber der Authentizität den Vorrang eingeräumt zu haben) aufhält.

Wer einfach nur einen unterhaltsamen, leichten Roman lesen möchte, wird bestens bedient. Stellt man höhere Ansprüche, stolpert man unweigerlich über den einen oder anderen Lapsus.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 5 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Sybille Schrödter – Die Minnesängerin.

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