Hinter deiner Tür aus Papier

Risa Wataya
Hinter deiner Tür aus Papier

Keritai Senaka, Japan, 2003
Carlsen Verlag, Hamburg, 2/2007
PB mit Klappbroschur, Jugendbuch, Drama, Romance, 978-3-551-58163-1, 144/1200
Aus dem Japanischen von Sabine Mangold
Titelgestaltung von Kerstin Schürmann, formlabor unter Verwendung einer Illustration von Viviane Art GmbH

www.carlsen.de

Hatsu ist in ihrer Klasse eine Außenseiterin. Bei Gruppenarbeiten bleibt sie immer übrig. Sie ist jedoch nicht die Einzige: Auch Ninagawa wird ignoriert. Als Hatsu diese Gemeinsamkeit entdeckt, beginnt sie, sich für den Mitschüler zu interessieren, ohne jedoch zu verstehen wieso. Ninagawa sieht nicht einmal gut aus, sondern verbirgt seine Augen hinter einem zu langen Pony, der Mund ist voller schlechter Zähne, mit gekrümmten Rücken hockt er stets auf seinem Stuhl. Am seltsamsten jedoch ist, dass er Modemagazine für Frauen liest!

Als Hatsu beiläufig erwähnt, dass sie dem Model Ori-chan begegnet ist, erwacht ganz plötzlich sein Interesse, aber weniger an Hatsu als an dem, was sie über den Star erzählen kann. Schließlich zieht er sie ins Vertrauen und zeigt ihr seine Sammlung mit Bildern und Artikeln von Ori-chan. Obwohl Hatsu dieser Hingabe an ein unerreichbares Model nichts abgewinnen kann, freundet sie sich mit Ninagawa an…

„Hinter deiner Tür aus Papier“ ähnelt vom Stil her den Light-Novels, die seit geraumer Zeit bei einigen Verlagen erscheinen („Rosen unter Marias Obhut“, „Ab sofort Dämonenkönig!“, Trinity Blood“ usw.). Das Buch stammt aus der Feder einer sehr jungen Autorin, die für Leser im ungefähr gleichen Alter schreibt, vertraute Motive aufgreift und sich einer gängigen, direkten Sprache bedient.

Im Mittelpunkt stehen zwei Schüler, die noch nicht ihren Platz im Leben gefunden haben und zwischen Kind und erwachsen sein schwanken. Dass sie in ihrem Umfeld kaum Anschluss finden, führt sie zusammen. Eigentlich ist es ein großer Zufall, dass sie sich überhaupt näher kommen, denn Ninagawa ist introvertiert, und die Impulse gehen fast immer von Hatsu aus. Das ändert sich nur, wenn das Model Ori-chan zum Gesprächsthema wird.

Ninagawa ist ein Otaku und schwärmt für seinen Star. Zwar weiß er, dass sein Verhalten anderen merkwürdig erscheinen muss, so dass er seine Vorliebe für sich behält, aber das Sammeln von Zeitungsausschnitten und das Träumen sind die einzigen Lichtblicke in einem tristen Alltag, in dem er weitgehend sich selbst überlassen bleibt.

Hatsu macht keinen Hehl daraus, dass sie die Schwärmerei ablehnt – und doch ist sie auf eigentümliche Weise fasziniert und auch eifersüchtig. Fast wie ein Voyeur dringt sie immer tiefer in Ninagawas kleine Welt und in seine intimsten Geheimnisse ein.

Es ist eine bizarre Romanze, die sich anbahnt, ohne wirklich zu einer zu werden, da keiner der beiden sagt, was in ihm vor sich geht. Ori-chan verbindet und trennt Hatsu und Ninagawa gleichermaßen. Das Ende des Romans erlaubt es dem Leser, für sich den Faden weiter zu spinnen, ob die Teenager irgendwann die Hürden überwinden werden, die sie noch trennen.

Nicht ganz Drama, nicht ganz Romanze – „Hinter deiner Tür aus Papier“ ist ein sehr realistisch inszeniertes, zeitgenössisches Sittengemälde, das Jugendliche zeigt, die orientierungslos zwischen Konventionen, Schwärmerei und erwachenden Gefühlen gefangen sind. Auf den westlichen Leser wirken die Schilderungen nicht immer nachvollziehbar, denn die Verhaltensweisen sind doch ein wenig anders. Es werden keine Patentlösungen präsentiert; stattdessen wird aufgezeigt, dass es anderen ebenso ergeht und jeder selbst seinen Weg finden muss.

Vor allem Mädchen ab 13 Jahren, die durch Manga und Anime ein wenig mit dem japanischen Alltag vertraut sind und Geschichten über komplizierte Beziehungen mögen, werden von diesem Jugendbuch zweifellos in den Bann gezogen. (IS)

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Hinter deiner Tür aus Papier

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