Homophiliastica – Ich schlafe, mit wem ich will!

Chaotic Revelry Verlag (Hrsg.)
Homophiliastica – Ich schlafe, mit wem ich will!

Chaotic Revelry Verlag
Köln, 11/2012 PB
Belletristik-Anthologie, Prosa & Lyrik, Drama, Fantasy
ISBN 978-3-9812457-8-3
Titelgestaltung von Mercator Media unter Verwendung einer Illustration von Dog Thor Dionysos

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Nicht zum ersten Mal greift der Chaotic Revelry Verlag ein unbequemes Thema auf: Homosexualität. Auf der einen Seite wächst die Akzeptanz, schließlich ist die sexuelle Orientierung eine genauso persönliche Angelegenheit wie die Einstellung zur Religion u. a., auf der anderen werden die Anfeindungen durch intolererante Mitmenschen immer heftiger und gipfeln neben der Isolation und dem Mobbing des Opfers in Aggressionen, sogar mit Todesfolge. Um ein Zeichen für die bunte Vielfalt des menschlichen Lebens zu setzen, rief der Chaotic Revelry Verlag zu einem Schreibwettbewerb auf und wählte aus den zahlreichen Einsendungen 29 Beiträge von 28 Autorinnen und Autoren aus, Lyrik und Prosa, mit einer Länge von 1 bis 12 Seiten.

Die Grundstimmung fast aller Texte ist bitter, depressiv und dunkel. In ihnen schwingt eine Hoffnungslosigkeit mit, die betroffen macht. Selbst wenn der Autor oder sein Charakter die/seine Homosexualität bejaht, kann er sie meist nur im Verborgenen und unter Gleichgesinnten ausleben, da ihn negative Erlebnisse (anderer) vorsichtig werden ließen und er mit Repressalien und Schlimmerem rechnen muss, outet er sich im falschen Kreis. Selbst jene, die vorgeben, tolerant zu sein, fallen nicht selten um, wenn mehr als eine ‚große Klappe‘ gefragt ist. Galax Acheronian erinnert sich an „Alte Zeiten“ und einen Fehler den der Protagonist noch immer bereut, denn dadurch wurde nicht nur zerstört, was vielleicht hätte sein können, sondern auch ein Leben. „G.“ von Ivar Bahn rechnet mit allen ab, die sich von ihm abgewandt haben, seit sie von seiner Neigung wissen. Er gibt ihnen das zu sehen, was sie nicht sehen wollen und mehr. „Die Welt steht Kopf“ bei Lukas Wenzel: Was wäre, wenn Homosexualität die Norm wäre und alle Heteros verfolgt würden? „Seit dieser Nacht“ ist der Protagonist von Niko Weiß gezeichnet. Auf der Suche nach einem Mann gerät er an die Falschen, die ihm eine böse Falle stellen. Die Folgen für ihn sind grauenhaft.

Vergleichsweise hoffnungsvoll oder aufbegehrend lesen sich andere Texte, die den Wunsch ausdrücken, wie es sein könnte und sollte. Elisabeth von Langen geht in „Polyamorie“ auf die sich langsam mit der Zeit wandelnde Einstellung zur Homosexualität ein, was sich stellenweise recht amüsant liest. In Manuel Magieras „Auf glattem Eis geborgen“ ist ein Mädchen der Star einer Eishockey- Mannschaft. Der neue Trainer wirft Svenja raus, da er der Ansicht ist, sie habe nichts in dem rein männlichen Team verloren, selbst wenn jeder beteuert, dass dies völlig in Ordnung sei, da sie im Innern ein Junge ist. Doch Svenja gibt nicht auf. Lena Liedtke schildert in „Wie ein zweiter Bruder – Lea schreibt -“, wie ein Mädchen durch einen Aufsatz die falschen Vorstellungen, die manche in Bezug auf die Beziehung ihres Bruders und seines Freundes hegen, erfolgreich korrigiert, insbesondere da die ärgsten Peiniger eine Menge peinlicher Flecke auf der Weste tragen und im Gegensatz zu den jungen Männern auch anderen damit schaden.

„Homophiliastica“ ist eine sehr abwechslungsreiche, stilistisch und qualitativ durchwachsene Sammlung von Gedichten und Kurzgeschichten, die zum Ausdruck bringen, was viele Homosexuelle bewegt: ihre Ängste vor Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt; ihre Hoffnung, die richtigen Freunde, Verständnis und Liebe zu finden; der Wunsch nach einer toleranten Welt, in der jeder so sein darf, wie er ist. Es geht dabei in keinem Fall um homoerotische Schilderungen zum Selbstzweck (dafür gibt es andere Bücher von anderen Verlagen, nicht zu vergessen die trendigen Boys Love- und Girls Love-Mangas aus Japan, die vor allem von Heteros konsumiert werden). Sofern entsprechende Szenen vorhanden sind, wurden sie behutsam eingewoben mit einer diskreten Wortwahl, denn Zielgruppe sind in erster Linie die Heteros, die begreifen sollen, dass Homosexuelle ganz normale Menschen sind, nicht besser, nicht schlechter. Zweifellos wird ein Buch nicht von heute auf morgen die Welt verbessern, aber seine Existenz allein beweist, dass die Sorgen und Träume sogenannter ‚Randgruppen‘ oder ‚Minderheiten‘ ernstgenommen werden, man ihnen zunehmend Akzeptanz entgegenbringt und die Zahl der intoleranten Ewiggestrigen abnimmt.

Copyright © 2013 by Salzmann, Irene  (IS)

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