Ingebjorg Olavsdatter 01 – Schicksalsmond

ingebjorg-olavsdatter-01-schicksalsmondFrid Ingulstad
Ingebjorg Olavsdatter 01 – Schicksalsmond

Skjebnemane, Norwegen, 2003
Projekte-Verlag, Cornelius GmbH, Halle, 1. Auflage: 8/2009
PB mit Schutzumschlag, Belletristik, Geschichte, Romanze, Drama
ISBN 9783866347786
Aus dem Norwegischen von Ch. V. Francke
Titelgestaltung und Autorenfoto von N. N.

www.projekte-verlag.de
www.ingulstad.no/
www.frid-ingulstad.de/

Dal im Kirchspiel Eidsvoll, Norwegen, im Jahr 1352: Die Pest ist vorbei und hat viele Opfer gefordert. Es gibt keine Familie, die nicht mindestens einen tragischen Verlust zu beklagen hat. Jene, die überlebt haben, schlagen sich mehr schlecht als recht durch, denn Sittenverfall, Raub und Mord folgten der Katastrophe auf den Fuß. Überall fehlt es an starken, jungen Männern, die die Höfe beschützen, das Land bestellen – und als passende Partie für die ehrbaren Töchter in Frage kommen. Ingebjorg Olavsdatter hat ihren Vater verloren und bewirtschaftet seit zwei Jahren zusammen mit ihrer Mutter Elin, Tante Gudrun, Onkel Jon, Onkel Gissur – die Verwandten sind sehr alt – und dem treuen Stallknecht Ravn Saemundgard. Das übrige Dienstvolk ist schon lange fort. Nun kränkelt die Mutter, und ihr letzter Wunsch ist es, die Tochter und den Hof versorgt zu wissen.

Auf einer Hochzeit lernt Ingebjorg den schönen Eirik Magnusson näher kennen. Er ist der fünfte Sohn eines Bauern, der nichts von seiner Familie zu erwarten hat und davon träumt, Knappe des jungen Königs zu werden. Er ist nicht von Ingebjorgs Stand, dennoch verliebt sie sich in ihn, sehr zum Ärger der Mutter. Als Eiriks Bruder Sigtrygg versucht, Ingebjorg zu vergewaltigen, ist die Geduld der Mutter zu Ende, und sie arrangiert die Verlobung mit einem Mann, der mehr als doppelt so alt ist wie ihre Tochter. Ingebjorg ist darüber traurig, doch Bergtor Masson erweist sich als sehr aufgeschlossen, verständnisvoll und geduldig. Er erkennt schnell, dass sich Ingebjorg nur der Notwendigkeit fügt und ihn nicht liebt, will ihr aber so viel Zeit lassen, wie sie braucht, und sie auch nach der Hochzeit erst anrühren, wenn sie es wünscht. Das verblüfft und erfreut Ingebjorg, und auch wenn sie keine Leidenschaft für Bergtor empfindet, beginnt sie, ihn zu schätzen, zu mögen und… Aber Eirik taucht wieder auf, und Ingebjorg erliegt seinen süßen Worten – mit gravierenden Folgen.

Eigentlich ist das Buch gar nicht so umfangreich, und doch passiert auf den knapp 200 Seiten eine ganze Menge. Erfahrene Leser ahnen früh – schon wegen des Klappentextes -, dass Ingebjorgs Liebe kein Glück beschieden ist und eine Tragödie die Familie erschüttern wird. Man verfolgt, wie das Mädchen in sein Verderben rennt, teils in aller Unschuld, teils sehr wohl wissend, dass sie einen Fehler begeht. Die Konsequenzen lassen nicht lange auf sich warten, und dann passiert etwas, mit dem niemand gerechnet hat. Das Geheimnis bleibt vorerst gewahrt, aber Bd. 2 ist in Vorbereitung.

Im Vorwort erzählt die Autorin, was sie dazu bewog, die Serie „Ingebjorg Olavsdatter“ zu schreiben: Ein Satz in einem anderen Buch und das Auffinden eines Testaments in der Osloer Nationalbibliothek lieferten die Idee, das Schicksal einer jungen Frau im 14. Jahrhunderts zu schildern, die als typisches Kind ihrer Zeit Liebe und Leid kennen lernt. Die Titelfigur gehört der gehobenen Schicht an, muss jedoch viele Entbehrungen erfahren, seitdem die Pest das Land verwüstet hat und der Vater verschollen ist. Zufällig entdeckt sie seine Leiche und bei ihr ein Pergament, über das sie mit niemandem sprechen darf, bestimmt die Mutter. Auf die Schriftrolle wird im ersten Buch nicht weiter eingegangen, aber man darf davon ausgehen, dass ihr Inhalt später von Bedeutung sein wird.

Im Vordergrund stehen die nahe liegenden Probleme der Protagonisten: ein standesgemäßer, gottesfürchtiger Lebenswandel, das Überleben auf dem Hof auch ohne Arbeitskräfte, das Finden einer passenden Partie für Ingebjorg, so dass wieder ein Hausherr und Beschützer da ist. Den Mann, den sich Ingebjorg wünscht, darf sie nicht heiraten, und der Favorit ihrer Mutter, so freundlich er auch sein mag, ist nicht viel mehr als ein Notnagel. Das Dilemma der jungen Frau wird noch schlimmer, als sie begreift, dass Bergtor ein wirklich guter Mensch ist, mit dem sie bestens auskommen kann. Und was ist Eirik – außer verliebt und voller Träume? Eirik begegnet dem unerfahrenen Mädchen mit Zuckerbrot und Peitsche. Obwohl sie weiß, dass es falsch ist, kann sie sich von ihm nicht fernhalten, und als das Unglück passiert ist, es keinen Ausweg mehr gibt, drängt das Gewissen sie, Torberg die Wahrheit zu sagen. Aber alles kommt anders, als sie befürchtet hat. Trotzdem hat Ingeborg ihr Schicksal gefunden, wovon der nächste Band erzählen wird.

Der Leser wird sogleich hinein gezogen in das Leben, die Traditionen und die Glaubenswelt der Menschen im Norwegen des 14. Jahrhunderts. Man sympathisiert mit Ingebjorg, auch oder gerade weil sie so naiv ist und von einem Glück träumt, das damals nur wenigen vergönnt war. Sie bereitet ihr eigenes Drama vor und zerstört durch ihre Schwäche das kleine Glück, das sie vielleicht hätte haben können. Beteiligt sind zwei Männer, der leidenschaftliche Eirik und der verständnisvolle Torberg. Beide versprechen viel, aber als es darauf ankommt, lassen sie Ingebjorg allein, denn jeder von ihnen kommt letztlich nicht gegen sein Wesen und seine Erziehung an. Beide sind eifersüchtig, sie wollen das Mädchen ganz für sich und kennen keine Kompromisse.

Parallel dazu werden einige geschichtliche und kulturelle Informationen eingeflochten, aber sehr unaufdringlich und sparsam, denn die Autorin will unterhalten und nicht belehren. Trotzdem ist der Hintergrund dicht und interessant, die gelegentlichen Einschübe an Erklärungen in Dialogform nehmen das Tempo heraus, wenn ein Höhepunkt kurz bevor steht, und steigern die Spannung. Manchmal wirkt die Geschichte, erscheinen die Gespräche etwas steif. Kennt man das Original nicht, ist es schwer zu sagen, ob es am Stil der Autorin oder der Übersetzung liegt. Allerdings schmälert dieser Punkt das Lesevergnügen nicht weiter, denn der Gesamteindruck des Romans ist rundum positiv.

Frid Ingulstads „Ingebjorg Olavdatter 1: Schicksalsmond“ ist ein unterhaltsamer historischer Roman, der einen gelungenen Mix aus Geschichte, Romanze und Drama bietet, vor allem dem weiblichen Publikum gefallen wird und durch das Setting – Norwegen im Hochmittelalter – für etwas Abwechslung sorgt, denn es gibt zwar einige, aber nicht annähernd so viele Bücher, die in Skandinavien spielen, verglichen mit der Menge der Titel, die in anderen Ländern Europas derselben Ära angesiedelt sind. Die Genre-Fans kommen jedenfalls auf ihre Kosten und werden gespannt auf die Fortsetzung warten! (IS)

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