Liebe gegen jede Regel

Andrew Grey
Liebe gegen jede Regel

Love means … no shame, USA, 2009
Cursed Side, München, 02/2012
TB, Belletristik, Gay-Romance
ISBN 978-3-942451-06-2
Leseprobe aus Katja „LibbyReads” Kobers „Harlekin” + Leseprobe aus Ally Blues „Sehnsucht“/695
Aus dem Amerikanischen von Cursed Side
Titelillustration von Sheng Chen

www.cursed-side.de
www.andrewgreybooks.com

Titel erhältlich bei amazon.de

Nach dem Tod seines Vaters gibt Geoff seine Stelle als Buchhalter in Chicago auf und kehrt auf die elterliche Farm zurück. Nach anfänglicher Skepsis, ob dieses Leben das richtige für ihn sei, fügt er sich immer besser in den ländlichen Alltag ein, hat Freude an der Arbeit und den täglichen Ausritten. Auch mit Len, dem Lebensgefährten seines Vaters, der für ihn die Stelle des zweiten Elternteils innehat, und mit den Angestellten kommt er bestens zurecht. Eines Tages taucht der junge Eli auf der Farm auf. Er ist ein Amish, den seine Gemeinde auf Wanderschaft geschickt hat, damit er die „Englischen“ und ihre Unaufrichtigkeit kennenlernt und nicht länger gegen die Regeln seiner Glaubensbrüder aufbegehrt. Eli hilft bei der schweren Geburt eines Fohlens und rettet dadurch zwei Pferden das Leben. Dankbar bietet Geoff ihm einen Job an.

Schon bald wird aus Dankbarkeit mehr. Geoff mag seinen neuen Mitarbeiter, scheut jedoch davor zurück, über eine Beziehung mit einem Angestellten auch nur nachzudenken, vor allem da er in Sorge ist, wie Eli darauf reagieren würde, wüsste er, dass sein Arbeitgeber homosexuell ist. Umgekehrt gibt sich Eli große Mühe, Geoff zu gefallen, was dieser durchaus bemerkt, aber nicht falsch interpretieren möchte. Schüchtern umkreisen sie einander, bis Geoff endlich den Mut fasst, sich Eli zu offenbaren …

„Liebe gegen jede Regel“ schildert die romantische Liebesgeschichte zweier junger Männer, die in verschiedenen Welten leben und einen Mittelweg finden müssen, was ihnen durch Aufgeschlossenheit und Neugierde auf der einen, sowie viel Verständnis und Einfühlungsvermögen auf der anderen Seite und dem Umstand, dass das Farmleben, den Gewohnheiten der Amish entgegenkommt, erleichtert wird. In Folge liest sich der Roman sehr idyllisch. Er konzentriert sich auf die beiden Hauptfiguren, die erst ihre persönlichen Probleme in den Griff bekommen müssen, bevor sie reif für diese Liebe sind: Geoff kannte bislang nur Sex ohne Liebe, sein Vater ist gerade gestorben, er muss sich entscheiden, ob er sein bisheriges Leben weiterführt oder auf der Farm einen Neuanfang wagt. Eli fügte sich stets den Konventionen seiner Gemeinde, obwohl er manche Dinge kritisch sieht und früh erfahren musste, dass er weder von seinem strengen Vater noch von anderen Glaubensbrüdern und –schwestern Gehör erwarten darf. Aus Rücksicht auf seine Angehörigen, die sonst mit ihm bestraft würden, schwieg er lange über seine geheimsten Wünsche.

Schritt für Schritt gehen Geoff und Eli aufeinander zu, nehmen immer Rücksicht und geben intime Geheimnisse Preis. Darüber hinaus passiert – nichts. Nicht einmal die Einstellung der Amish wird mehr, als für die Handlung notwendig, thematisiert oder zum Konfliktpunkt gemacht. Und trotzdem liest man das Buch voller Faszination, weil die Protagonisten sympathisch sind, sie das Herz des romantischen Lesers bzw. der Leserin berühren und man wissen möchte, ob es ein Happy End gibt trotz der unterschiedlichen Anschauungen und anderer Hürden. Die Konflikte halten sich tatsächlich in Grenzen. Missverständnisse und Eifersüchteleien werden schnell bereinigt. Die Aggressionen seitens der ‚Schwulen‘-Hasser gehen glimpflich aus, vermutlich glimpflicher als in der Realität. Letztlich gibt es selbst unter den Amish Menschen, die der Ansicht sind, dass das persönliche Glück wichtiger ist als der Kadavergehorsam und ein unglückliches Leben innerhalb der Gemeinde.

Es gibt Probleme, die die Beziehung von Geoff und Eli fast zerstören, aber dem Autor ist nicht an einem Übermaß an Realismus und Spannung gelegen, so dass es bei kleinen Intermezzos bleibt, aus denen die Beteiligten gestärkt hervor gehen. Andrew Grey beschreibt eine Liebe, wie er sie für sich und andere ersehnt, unabhängig vom Geschlecht. Darum ist auch das Umfeld der Protagonisten tolerant; ihnen wird sogar der Rücken von Personen gestärkt, von denen sie es gar nicht erwartet hätten. Man gönnt ihnen das und wünscht sich automatisch dasselbe für alle Menschen. Interessant ist auch, dass der Autor weniger derb schreibt, als man es von vielen seiner Kollegen gewohnt ist. Seine Wortwahl, die Art und Weise, wie er auf die Gefühle der Charaktere eingeht, sein Stil … das alles wirkt fast feminin. Tatsächlich findet man so manche Slash-/Yaoi-Fic einer Autorin, die ihre Figuren sehr viel grafischer und deftiger in Szene setzt.

„Liebe gegen jede Regel“ ist ein unaufdringliches, romantisches Buch mit einer Geschichte, die fast zu schön ist, als dass sie sich in der Realität so ereignen könnte. Es geschehen keine dramatischen Dinge, doch sind die Hauptfiguren derart liebenswert, dass man an ihrem Schicksal Anteil nimmt, man erfahren möchte, ob sie alle Hürden meistern und ihr Glück finden. Der Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung der Protagonisten und nicht auf expliziten Szenen. Die Romantik rangiert weit vor dem Drama oder gar dem Realismus. Das mag zwar wirklichkeitsfremd scheinen, doch haben die meisten schon genug mit dem grauen Alltag zu tun, so dass sie froh sind, wenn sie nach Feierabend schöne, optimistische Geschichten lesen dürfen.

Mag man Liebesromane mit Happy End, unabhängig vom Pairing – in diesem Fall boy x boy -, wird man von diesem Titel sehr angetan sein.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei amazon.de

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