Papa ante Palma

Stefan Keller
Papa ante Palma

Ullstein, Berlin, 05/2011
PB mit Lesezeichen, Belletristik
ISBN 978-3-5483-7374-4
Titelgestaltung von Sabine Wimmer, Berlin unter Verwendung einer Illustration von Isabel Klett

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Natürlich schlägt das Herz einer Rezensentin automatisch höher, wenn sie ein neues Buch entdeckt, dessen Handlung in ihrer Wahlheimat – in diesem Fall auf Mallorca – spielt. Und es ist im zweiten Atemzug gleich ambivalent: Hoffentlich werden hier nicht wieder alle Klischees bedient, die maximal 10 % auf die balearische Realität zutreffen. Oder wird gar das andere Extrem gewählt und die Rosarot-Quaste gezückt? So geht man dann fast zaghaft an das besagte Werk heran. Und ist in diesem Fall erleichtert. Denn eines vorweg: Bei „Papa ante Palma“ wurde es keines von beidem.

Stefan Keller erzählt hier in seiner besonderen Art von Humor, wie er seine spanische Lebensgefährtin kennen und lieben lernt, recht schnell Vater von Zwillingen wird und von seiner spontanen Liebsten, die ein lukrativer Job lockt, auf die Sonneninsel Mallorca befördert wird. Überhaupt scheint seine Herzdame das Sagen zu haben. Also zieht Stefan mit seiner kleinen Familie von Köln auf die Balearen. Mit im Gepäck die typischen Vorurteile, mit denen die Deutschen eifrig von den Medien gefüttert werden: Mallorca, das ist Ballermann, Eimersaufen und Pimmelparade.

Munter berichtet der Autor nun von der ersten gemeinsamen Wohnung – ausgerechnet im trubeligen Palma – und den unliebsamen Streitgesprächen innerhalb der Hausgemeinschaft, besonders mit Pau, der sich ständig über den Lärm der Kinder beschwert, und seinem Leben als Vater und Teilzeithausmann, der von den Zwillingstöchtern Sophie und Luna mächtig auf Trab gehalten wird. Tapfer zieht er jeden Tag zwei Mal mit dem Zwillingskinderwagen durch Palma zum Kindergarten. Doch schon bald hat Stefan die Streitgespräche in der Palmesaner Wohngemeinschaft satt, und er schaut sich mit seiner Liebsten ein Haus in dem Dorf Alaró an – und zieht kurze Zeit später dorthin.

Aber auch hier ist nicht alles so, wie es scheint. Da ist u. a. der allmächtige Dorfbewohner Jaume, dem nicht nur die Damenwelt zu Füßen liegt, dann die Schneckenplage im heimischen Garten, ein verhaltensauffälliger Papagei, der zu Stefan in Pflege kommt und diese nicht lange übersteht, Stefan, wie er den Weihnachtsmann für die deutschen Kiddies des Dorfes gibt – und vieles mehr. Und als Krönung dessen kommt auch noch Schwiegermutter Prude für 14 Tage zu Besuch …, und auch an ihr erkennt Stefan plötzlich neue Seiten. Aber das ist natürlich noch lange nicht alles.

Der Roman liest sich weg wie geschnitten Brot, ist ein wahrer Pageturner und keine Seite langweilig. Auch wirkt der Humor nicht aufgesetzt oder ‚bemüht„, sondern blitzt stets an der richtigen Stelle auf. Witzig sind auch die Rückblick-Schilderungen, wie sich Stefan und Lucia in Köln kennenlernen, als Stefan einen Job als ‚Sekretärin„ in einem Deutsch-Spanischen Funkhaus annimmt. Wie sich sein Leben besonders nach der Geburt der Zwillinge ändert, von denen sich Sophie als wahres ‚Schreikind„ herausstellt. Überhaupt ist der Humor der wesentliche Draht zum Nerv der Leser. Köstlich z. B., wenn die Zwillinge einen ‚Weltrekord im Synchronkacken„ aufstellen oder nach dem Umzug auf die Insel der lustig-ironische Blick auf die Touristen, Stefans erster Besuch am ‚Ballermann„, der anders ausfällt, als erwartet, wenn er vom ‚Baby-Burn-Out„ berichtet. Laut lachen durfte man, als Stefan Keller erzählt, wie er sich am Strand eines alten ‚Zaubertricks„ bedienen will und mittels eines Badetuchs seine Badehose anzuziehen trachtet. Und erklärt wie der Trick normalerweise funktioniert – und wie er dank der Zwillinge an jenem Tag ‚entgleist„ – und schon bald der Seewind sanft seine Eier umspielt (S.131/132).

Es sind die Menschen, die in Stefan Kellers erstem Roman, die Handlung bestimmen. Sei es die resolute Hebamme in Köln, die ‚Schwiegermutter„ Prude, seine Liebste, die Zwillinge, und die neuen Menschen in der Wahlheimat. Und man erkennt sich in den Schilderungen wieder. Aber auch deutlich die Liebe des Autors zu seiner Lebensgefährtin und seinen kleinen Töchtern. Das bindet die Leser zusätzlich an den Roman. Darüber hinaus erfährt man auch das eine oder andere über Palma und die Insel. Und vor allem: Man hat Lust, mehr über Stefan und seine kleine, turbulente Familie zu erfahren. Die Aufmachung des Romans ist ohne Fehl und Tadel: handliches Paperback-Format, guter und augenfreundlicher Satz und eine sehr passende und stimmige Umschlagsgestaltung. „Papa ante Palma“ ist ein humoriger Roman über ein hippes Paar mit munteren Zwillingstöchtern, die nach Mallorca auswandern – und mehr. Absolut empfehlenswert!

Copyright © 2012 by Alisha Bionda (AB)

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