Pompeji – Das Hörspiel

pompeji-e28093-das-horspielRobert Harris
Pompeji – Das Hörspiel

Pompeii, GB, 2003
Nach dem gleichnamigen Roman „Pompeji“, Heyne Verlag, München, 2003
Der Hörverlag, München, 2/2009 (Produktion: 2006)
2 CDs im Juwel-Case, Hörspiel, Belletristik, Geschichte
ISBN 9783867173889
Laufzeit: ca. 133 Min.
Aus dem Englischen von Christel Wiemken
Hörspielbearbeitung und Regie von Sven Stricker
Sprecher: Peter Fricke, Patrick Bach, Christian Redl, Céline Fontages, Lutz Herkenrath, Gerd Baltus u. a.
Musik von Jan-Peter Pflug, Gesang von Etta Scollo
Titelgestaltung von N. N.

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Pompeji im Sommer 79 n. Chr.: Das Aquädukt Aqua Augusta versiegt, und Rom sendet einen neuen Aquarius namens Attilius, um das Problem zu beheben. Der junge Mann sieht sich sogleich mit dem Widerstand und dem Neid der älteren Arbeiter, dem geheimnisvollen Verschwinden seines Vorgängers und der Korruption der Reichen und Mächtigen konfrontiert. Corelia, die Tochter des Geschäftsmanns Ampliatus, der Attilius für seine Zwecke einspannen möchte, kommt einem gefährlichen Geheimnis auf die Spur und bittet Attilius um Hilfe. Prompt soll auch er, kaum dass er Eins und Eins zusammenzählen konnte, zum Schweigen gebracht werden, doch dann bricht der Vesuv aus, und die Lava strömt unaufhaltsam auf Pompeji zu…

Über Pompeji wurde schon viel geschrieben, und die Romane über den tragischen Untergang der Stadt erlebten einige Verfilmungen (vor allem „Die letzten Tage von Pompeji“ von Edward George Bulwer-Lytton). Robert Harris, der Bücher wie „Imperium“ und „Aurora“ verfasste, hat das Thema ebenfalls aufgegriffen. Die geplante Film-Adaption mit Regisseur Roman Polanski wurde allerdings nicht realisiert; dafür bietet der Hörverlag ein gelungen inszeniertes Hörspiel an.

Zwei CDs im Juwel-Case, die ungefähr die Länge eines Fernseh-Films haben, geben die Handlung des Romans wieder. Als Sprecher konnte man bekannte Schauspieler wie Peter Fricke („Das blaue Palais“) und Gerd Baltus („Ein zauberhaftes Biest“) gewinnen, und die musikalische Untermalung stammt von Jan-Peter Pflug (u. a. „Das Lied der Sirenen“ von Val McDermid, Hörverlag). Schließt man die Augen, kann man die Szenen bildlich im Kopf sehen und genießen, denn Besetzung, Musik und Geräuschkulisse lassen keine Wünsche offen – man meint, den Originalton eines Films zu hören (wie beispielsweise bei „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann, Hörverlag).

Die Geschichte ist spannend und atmosphärisch dicht, die Protagonisten sind sympathisch bzw. schmierig und gerissen. Im Vordergrund stehen die Arbeiten und Recherchen von Attilius, der nicht nur herausfindet, dass es sich bei den Reichen Pompejis um eine korrupte, verschworene Clique handelt, sondern auch was seinem Vorgänger passierte. Das Wesentliche sind jedoch seine Naturstudien, die ihn dank einiger Aufzeichnungen schließlich den Ausbruch des Vesuvs vorhersehen lassen – aber da ist es bereits zu spät, und das Unglück nimmt seinen Lauf, wie man aus den Geschichtsbüchern weiß. Werden sich ‚die Guten’ retten können?

Interessant und doch nicht störend sind die Einschübe, die die Hintergründe wissenschaftlich und modern (!) erklären (vergleichbar Homers „Ilias“ nach Robert Schrott, Hörverlag, dessen Umsetzung mit deftigen, zeitgenössischen Dialogen innerhalb eines getragenen Rahmens überrascht, die man als Leser von z. B. der Gustav Schwab-Fassung niemals erwartet hätte). Eigentlich haben solche Exkurse in einer flüssigen Handlung nichts zu suchen, aber sie sind kurz, sinnvoll und ergänzen die spannende Geschichte.

Auch wenn man die Romanvorlage nicht kennt, so ahnt man, dass das Werk von Richard Harris mit dem Klassiker von Edward George Bulwer-Lytton mithalten kann, und man bekommt Lust, das Buch zu lesen bzw. hofft, dass es doch noch verfilmt wird. Zweifellos kann man das Hörspiel mit zu den besten Umsetzungen zählen. Am liebsten hätte man noch einige Stunden länger den Geschehnissen gelauscht. „Pompeji“ ist ein großartiges Hörspiel, das man Genre- und Hörbuch-Fans wirklich ans Herz legen kann. Das Einzige, was man vermisst, ist ein Booklet mit Hintergrundinformationen, aber den positiven Gesamteindruck schmälert das nicht. (IS)

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