Sieben verdammt lange Tage

Jonathan Tropper
Sieben verdammt lange Tage

This Is Where I Leave You, Dutton, New York, 2009
Knaur Verlag, München, 10/2010
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Belletristik, Drama
ISBN 978-3-426-66273-1
Aus dem Amerikanischen von Birigt Moosmüller
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Fotos von FinePic, München

www.knaur.de
http://jonathantrooper.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

New York: Judd Foxman (34) steht vor den Trümmern seiner Ehe, als er seine Frau in flagranti mit seinem Boss erwischt. Damit nicht genug, Judds Schwester Wendy ruft ihn an, um ihm mitzuteilen, dass sein Vater gestorben ist und dessen letzter Wille gewesen sei, dass seine Frau und Kinder eine sieben Tage lang währende Totenwache abhalten sollen. Judd, ohnehin privat gebeutelt, verspürt wenig Lust auf ein Treffen mit seinen untereinander zerstrittenen Geschwistern und seiner extrovertierten Mutter. Aber er folgt dem letzten Wunsch seines Vaters und fährt zur Beerdigung und Totenwache in den Schoß der Familie.

Jonathan Tropper entwickelt daraufhin ein amüsantes, teils bissig-ironisches und immer höchst unterhaltsames Bild einer Familie, die die eigene sein könnte oder die ‚von nebenan‘. Die Charaktere sind differenziert, sehr lebendig, und vor allem authentisch gezeichnet, so dass sich der Leser sehr schnell als ‚Bestandteil‘ des Kreises fühlt. Da sind Paul und Philipp, Judds Brüder, ihre Schwester Wendy und die schrille Mutter, ihres Zeichens Psychiaterin. Judds Geschwister rücken alle mit ihren Partnern und Kindern an, und sehr schnell werden alle Konflikte spürbar, aber auch dass die Familie (bis auf die Mutter) immer meisterhaft darin war, Gefühle zu unterdrücken.

In den ersten drei Kapiteln des Romans lässt der Autor zum Einstieg die Leser an Judds Ehescheitern (nach 9 Jahren) teilhaben. Judds Erinnerungen sind so lebensnah, so menschlich und nachvollziehbar, dass man sofort von dem Roman gepackt wird. Besonders erfrischend ist dabei die offene Sprache des Autors, die aber niemals Partei (für ihn oder seine Frau) ergreift oder Klischees bedient, sie allenfalls auf die Schippe nimmt.

Ab dem 4. Kapitel beginnt nach der Beerdigung des Vaters die Totenwache, und fortan wechselt die Handlung zwischen Gegenwartspart und Rückblicken auf Kindheitserinnerungen und Judds Ehe. Philipp, das Nesthäkchen der Familie, ist der einzige, der auf der Beerdigung Gefühle zeigt und zusammenklappt. Dann finden sich alle in ihrem Elternhaus wieder. Während der siebentägigen Zwangsnähe der Geschwister und der Mutter brechen die alten Konflikte deutlich aus, wird all der gegenseitige Groll endlich freigelassen, aber auch alte Verbundenheit flackert auf. Judd stellt sehr schnell fest, dass der Tod ‚anstrengend‘ ist und diese Totenwache erst recht.

Sympathisch auch zu sehen, dass Judd ähnliche Probleme hat, wie man sie sonst Frauen nachsagt. Er hat als Mann nach dem Scheitern vergleichbare Ängste. Finden ihn andere Frauen attraktiv? Wird er sexuelle versagen, wenn er mit anderen Frauen schläft? Finden sie seinen Körper vielleicht zu ‚schwabbelig‘? Er stellt sich aber auch ähnliche Fragen zum Scheitern seiner Ehe: Hat der andere einen größeren Schwanz? Vögelt er besser? Kann er länger? Und vieles mehr. Und genau das macht Judd sympathisch und ‚nah‘. Darüber hinaus kämpft er seit seiner Trennung beim Anblick jeder hübschen Frau mit seinen sexuellen Phantasien … und begegnet der gutaussehenden Penny Moore wieder, einer Jugendliebe. Innerhalb der Familie/Totenwache überschlagen sich die Ereignisse: Es entbrennt ein Geschwisterstreit wegen der geerbten Familienfirma, und Judds Noch-Frau taucht auf, um ihm zu eröffnen, dass er der Vater des Kindes ist, das sie erwartet, und nicht ihr Liebhaber, da dieser zeugungsunfähig ist. Turbulenter kann ein Leben nicht verlaufen.

Erfrischend auch immer wieder die freizügige Mutter, für die Diskretion ein Fremdwort ist und die immer wieder übers Ziel hinausschießt, selbst bei der Wahl ihrer Kleidung bei der Totenwache, wenn sie in Röcken auftaucht, die breite Gürtel sein könnten, oder wenn sie ihren Siliconbusen zur Schau trägt. Und so mancher Leser wird heftig bei der Feststellung des Autos nicken: „Ich liebe meine Familie. Jeden einzelnen. Aber ich liebe sie mehr, wenn sie nicht in meiner Nähe sind.“ Aber dennoch, zeigt sich auch in Judds Familie mehr Verbundenheit, als es anfangs vermuten lässt. Bei einem Satz mag mancher besonders schmunzeln: „Frausein ist ein brutales Geschäft.“ „Sieben verdammt lange Tage“ ist locker und flockig geschrieben.

Dieser Roman ist ein wahrer Pageturner mit wundervoll lebendigen, menschlichen Charakteren, die wie aus dem wahren Leben gegriffen sind. Da stimmt alles, der Stil, der Plot bis hin zum Ende. Auch die Aufmachung weiß – wie immer bei Knaur – zu überzeugen. Schönes Hardcover, gutes Papier und Satz. Leserherz, was willst du mehr? „Sieben verdammt lange Tage“ ist ein humorvoller, flotter Familienroman, der sehr nah am Leser ist und kurzweilig, aber nicht oberflächlich, unterhält. Absolut empfehlenswert!

Copyright © 2011 by Alisha Bionda (AB)

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