Smiling Death oder: Die Kunst, lächelnd von einem Tisch aufzustehen

Huber Schirneck
Smiling Death oder: Die Kunst, lächelnd von einem Tisch aufzustehen

Satyr Verlag Berlin, 2011
Blue Cat Publishing
Taschenbuch, Roman, Belletristik, Satire
ISBN 978-3-938625-64-4
Umfang 190 Seiten
Covergestaltung: Endai Hüdl

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Vielleicht hätte der Untertitel lieber „Die Kunst, lächelnd in einem elektrischen Stuhl den Tod zu finden“ lauten sollen, denn dieses Element beschreibt die revolutionäre Funktionsweise des neuesten Top-Produktes des führenden Herstellers von Exekutionsbedarf viel besser. Doch der Reihe nach:

Roman Kowalski ist die Hoffnung der GDP, der Guten Deutschen Partei. Er ist der perfekte Kanzlerkandidat, smart, weltgewandt, sieht dazu noch gut aus und kann seinen Text. Jede Wahlkampfrede sitzt, er spricht mit allen wichtigen – und besser noch – unwichtigen Randgruppen. Denn sie alle – die Normalen und vor allem die Durchgedrehten – sind begehrte Wähler.

Doch Kowalski hat ein Problem: Es ist ihm im Grunde scheißegal und am liebsten würde er alles hinschmeißen und sein Leben wieder selbst in die Hand nehmen. Er absolviert die Treffen mit Lobbyisten mit professionell gespieltem Interesse und verspricht allen, sich ganz besonders um ihre Belange mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft zu widmen. Blablabla. Da sind der Verein der Ex-Blinden und die Vertreter der Schüchternen noch die Harmlosen. Konkreter sind da schon die Ansprüche des paramilitärischen Verbandes der Heimatschützer, der vehement härtere Schutzmaßnahmen vor der grassierenden Straßenkriminalität fordert.

Da trifft es sich gut, dass Kowalski einen neuen Hauptsponsor für seine zunehmend rückläufigen Umfragewerte als letzte Rettung erhält: Die Doppler Exekutionsbedarf GmbH, deren neuestes Spitzenprodukt der ,Smiling Death – Der lächelnde Tod´ ist. Eine Art elektrischer Stuhl, der den Delinquenten mit einem finalen Glückserlebnis ins Jenseits befördert. Sozusagen human. Selbst Schwerstverbrechern wird damit ein friedliches Ableben ermöglicht. Schöne neue Welt.

Doch leider gibt es da auch noch eine Jugendsünde Kowalskis, nämlich die Mitgliedschaft in einer radikalen Anti-AKW-Gruppe, die, sollte sie bekannt werden, seinen schwindenden Prozentpunkten den Todesstoß versetzen und was Kowalski sogar als Befreiung empfinden würde. Dazu noch dieser seltsame Mann, der ihn plötzlich auf Schritt und Tritt verfolgt …

Fazit:
Die nicht ganz so ferne Zukunft wird hier mit beißendem Spott vorgestellt. Leider, besser gottseidank, sind gerade die Szenen mit den Lobbyisten allzu glaubwürdig, sind weder wirkliche Satire noch Science Fiction, sondern wahrscheinlich tägliche Realität, und zeigen ein Bild der Politik, dass jeder ahnt, und welches manchmal mit aller Hässlichkeit an das Licht der Öffentlichkeit dringt. Ein schönes kleines Buch, das jeder gelesen haben sollte, der im Superwahljahr und auch in Zukunft seiner Bürgerpflicht nachkommen will und sollte.

Copyright © 2011 by Werner Karl

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