Tattoo Krause

Daniel Krause
Tattoo Krause

Droemer, München, 10/2011
PB mit Klappbroschur
Belletristik, Biografie
ISBN 978-3-426-22607-0
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Fotos von Paul Schirnhofer, München
Fotos im Innenteil von Daniel Krause und Michael Mey

www.droemer-paperback.de
http://calssictattooberlin.de
www.paulschirnhofer.de

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Seit ich 1999 auf die Balearen gezogen bin, habe ich die Tradition eingeläutet, bei meiner morgendlichen Mailarbeit das SAT 1-Frühstücksfernsehen zu ‚hören‘. Dadurch wurde ich das erste Mal auf „Tattoo Krause“ aufmerksam. Mein erster Gedanken war: Na ja, halt ein Tätowierer. Da ich selbst einen solchen Körperschmuck trage, war es für mich nichts Besonderes, und ich hörte nur mit halbem Ohr hin. Doch was mich irgendwie ansprach, war, dass der gute Mann durch die Weltgeschichte reiste und sein Verhalten in anderen Ländern. Eben sich wie ein ‚respektabler Gast‘ und nicht, wie es oft ist, wie der deutschen Herrenmensch zu verhalten. Das hat mir zugegeben sehr gefallen. Hinzu kam, dass ich schon seit Jahren damit schwanger gehe, mein Tattoo aufhübschen zu lassen. Und da ich ein absoluter Bauchmensch bin, sagte besagter Mittelpunkt nach einer Weile „wenn, dann nur von Tattoo Krause“.

Ich konnte mir selbst nicht erklären warum, es war einfach so (und eine Reise nach Berlin ist auch nicht das Schlechteste, das einem passieren kann). So steht das schon mal auf meinem persönlichen Wunschzettel für 2013 (wenn man jedoch sechs Monate Anmeldezeit bei Tattoo Krause im Auge behält, ist 2014 wohl realistischer, es sei denn Daniel Krause kommt vorher noch einmal auf ‚meine‘ Insel) – wenn nicht, übe ich mich halt in Geduld, immerhin will gut Ding Weile haben. Leider erfuhr ich zu spät, dass sich Tattoo Krause 2011 auch auf meiner Insel herumgetummelt hat. Das hätte mich doch vielleicht in die von mir sonst gemiedene ‚Arenal‘-Gegend getrieben. Doch zurück zu meinem Bauch. Nun, nachdem ich die Biografie gelesen habe, weiß ich, warum er so laut gesprochen hat, denn Daniel Krause ist ein Mensch, der absolut authentisch rüberkommt, und solche Menschen haben mir immer schon gelegen. Was kann man über ihn und seine Biografie sagen? Ich möchte ihn zur Einleitung zitieren: „Bestehen, Gegenhalten, Argumente finden und alle Kritiker Lügen strafen, das ist mein Motor.“ Kein schlechter, wie ich finde.

Daniel Krause, Kult-Tätowierer mit mehr als einem Laden, Berliner durch und durch, der auf ein bewegtes, buntes Leben zurückblickt und immer noch mittendrin steckt, erzählt über einige Stationen davon. Das macht er in derart kurzweiliger Art, dass ich nicht zu viel verraten und vorwegnehmen will. Ich versuche also, mich auf das Nötigste zu beschränken. Tattoo Krause, der mittlerweile schon eine feste TV-Größe ist, eröffnete vor zwölf Jahren seinen ersten Tattooladen in Berlin – seither sitzen  Anwälte, Ganoven, Nutten, Makler, Promis (wie Sarah Connor) und Normalos auf seinem Stuhl und lassen sich ‚stechen‘. Lassen sich von Daniel Krause Kunst auf die Haut bringen.

Dessen Intention, die Biografie zu schreiben, war zu zeigen, dass Tattoos nichts mit Asozialität zu tun haben und als Ausdruck von Individualität Respekt verdienen. Dass sie ein Zeichen von Emotionalität, Kunstverständnis und Charakterstärke sind – und mehr als nur ein Trend. Daniel Krause plaudert munter los, wie ihm der Schnabel gewachsen ist – u. a. über die Frauen, die sich bei ihm tätowieren lassen und wie das ist, sie gleichzeitig dabei zu ‚vögeln‘, doch er erzählt auch von den unterschiedlichen Männertypen und ihren Tattoo-Motiven und dass in jedem Tätowierer ein Psychologe steckt. So gibt er auch einiges von sich selbst preis (dem man nicht immer zustimmen muss), so wie z. B. der These, dass Fremdgehen für ihn „Wichsen auf hohem Niveau“ ist, was schon sehr sexistisch daherkommt, da die jeweilige Frau somit zu einer Art „Wichsvorlage“ und „Abspritzmatratze“ degradiert wird. Interessanter ist da allemal das, was er über seine Herkunft und Wurzeln zu berichten weiß. Oder von seinen drei Stammkundinnen, wie er zum Fernsehen kam – zu seiner Doku-Soap über „Berlin sticht zu“ – und über seine prominenten Kunden. Witzig auch sein Erlebnis mit Jörn Schlönvoigt („GZSZ“) der ihn zum Kunstfliegen mitgenommen und dabei einiges abverlangt hat, von seinen beiden „Sammelbeinen“, an denen „Reisetattos“ auf Haut verewigt sind, aber auch was ihm Berlin und der Kiez bedeuten. Und das ist eine Menge, das spürt man deutlich.

Es geht in Daniel Krauses Buch um Menschen und ihre Geschichten, um Sehnsüchte, Kummer, die Beweggründe, warum sich seine Kunden ‚stechen‘ lassen, und um die Zeit, die sie zusammen mit ihrem Tätowierer verbringen – mit Tattoo Krause eben. Summa summarum bleibt zu sagen: Hier plaudert einer schnörkellos wie ihm sein Berliner Mundwerk gewachsen ist, der gelebt und sich entwickelt hat, und dabei höchst sympathisch rüberkommt! Ich hatte beim Lesen Spaß wie Bolle. Fühlte mich gut unterhalten und es war mir, als ich das Buch wieder zuklappte, als wäre ich für kurze Zeit Teil seiner Welt gewesen, als habe ich wenigstens einen Blick hineinwerfen dürfen. Daniel Krause mag gerne Käsekuchen. Ich auch. Da ließe sich doch wunderbar einmal hier auf der Insel bei ein bis zwei Stück und einem Cafe con leche über das bunte Leben plaudern. Ich glaube, mit Daniel Krause würde es keine Sekunde langweilig. Wer dazu keine Gelegenheit hat, gönne sich seine Biografie.

Neben dem gelungenen Inhalt, sei auch die Aufmachung des Buches lobend erwähnt. Mit abgerundeten Seiten, einer großzügigen Klappenbroschur als Trade Paperback mit Fotos im Innenteil, einem wunderbar augenfreundlichen Satz und exzellenter Papierqualität gibt es in keinem Punkt Grund zur Klage. An diesem Band stimmt einfach alles. Munter erzählte Biografie eines Tattoo-Tausendsassas in schöner Aufmachung. Absolut empfehlenswert!

Copyright © 2013 by Alisha Bionda (AB)

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