Tödliche Missverständnisse

Philip Pullman
Tödliche Missverständnisse


The White Mercedes/The Butterfly Tattoo, GB, 1992/98
Carlsen Verlag, Hamburg, 9/2008
TB mit Klappbroschur, Jugendbuch 673, Psycho-Thriller, Drama, Romance, 978-3-551-35673-4, 190/895
Aus dem Englischen von Gerda Bean
Titelgestaltung von formlabor unter Verwendung eines Fotos von istockphoto.com/Fitzer/Klubovy
Autorenfoto von Jerry Bauer

www.carlsen.de
www.philip-pullman.com

Chris Marshalls Eltern haben sich getrennt. Sowohl gegenüber der Mutter wie auch dem Vater mit ihren neuen Lebensgefährten fühlt er sich befangen, so dass er ganz froh ist über seinen Ferienjob, der ihn oft von zu Hause fern hält. Als er auf einer Party als Elektriker aushilft, rettet er die hübsche Jenny vor einigen miesen Gästen.

Obwohl das Mädchen gleich darauf spurlos verschwindet, bekommt Chris sie nicht aus seinem Kopf. Per Zufall begegnen sie einander wieder und, trotzdem sie grundverschieden sind – Chris stammt aus geordneten Verhältnissen, Jenny ist eine Ausreißerin und trägt schwer an dem, was ihr Vater ihr lange Jahre antat -, verlieben sie sich ineinander. Ihre Zeit des Glücks ist jedoch kurz, denn die Hausbesetzer, bei denen Jenny untergekommen war, werden verhaftet, und sie selber muss eine neue Bleibe finden. Als Chris nach ihr sucht, trifft er niemanden mehr an.

Schließlich werden Chris’ Chef Barry und dessen abgelegene Hütte zum Bindeglied für die beiden jungen Menschen. Allerdings ist Barry in dunkle Machenschaften verwickelt, und sein Verfolger hat ihn aufgespürt. Chris trifft die falsche Entscheidung – mit fatalen Folgen…

Eigentlich ist der Titel „Tödliche Missverständnisse“ ebenso irreführend wie der erste Satz des Romans, der reißerisch ist (was das Buch nicht nötig hätte) und neugierig auf die Geschichte machen soll. Weder bewirken Missverständnisse die Tragödie, noch ist derjenige, der einen Fehler begeht, tatsächlich der Mörder.
Was geschildert wird, ist eine Verkettung unglücklicher Ereignisse, die vermeidbar gewesen wären, wenn die Beteiligten offen miteinander gesprochen und nicht so manches Geheimnis für sich behalten hätten.

Als Leser ahnt man früh, was passieren wird, so dass der Reiz im Wie liegt. Man weiß mehr als die Protagonisten und zweifelt gerade deswegen genauso wie Chris, der sich entscheiden muss, wem er sein Vertrauen schenkt. Wie so oft trifft einen Unschuldigen das Schicksal, der Täter entwischt, und die ganze Wahrheit kommt nicht ans Licht – nur der Leser kennt nun die komplette Geschichte.

Die Handlung ist einfach, aber geschickt aufgebaut durch regelmäßige Perspektivenwechsel und eingeschobene Erinnerungen. Die Charaktere wirken realistisch und haben nachvollziehbare Probleme. Dabei wagt sich der Autor auch an Tabu-Themen heran, z. B. sexuelle Nötigung, Missbrauch. Dabei zeichnet er keine heile Welt oder bietet gar Lösungen an. Seine Protagonisten versuchen, sich ihrem Schicksal zu stellen oder davon zu laufen, doch nur in Kitsch-Romanen gibt es ein Happy End.

„Tödliche Missverständnisse“ ist ein Psycho-Drama für Teenager ab 15 Jahren, die mit den hier angeschnittenen Themen umgehen und Tragödien verkraften können. Wer die wichtigsten Werke von Philip Pullman („Der Goldene Kompass“) kennt, weiß, dass er seine Leser in dieser Hinsicht fordert. (IS)

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