Wenn ich bleibe

Wenn ich bleibe
Gayle Forman

(sfbentry)
Originalausgabe: If I stay (Dutton Books, 2009)
Übersetzung: Alexandra Ernst
Deutsche Erstausgabe Blanvalet Verlag Januar 2010
ISBN-13: 9783764503512
Jugendbuch, All-Age-Buch
Hardcover 212 Seiten

www.blanvalet.de
http://www.gayleforman.com/

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Die Journalistin Gayle Forman musste erst eine Weltreise antreten, um ein Buch in Angriff zu nehmen. Davor arbeitete sie für Zeitschriften wie „Elle“ oder „Cosmopolitan“, „Jane“ oder Glamour“. Sie lebt in New York und liebt es nach eigenen Aussagen, Jugendbücher zu schreiben. Ihrem ersten Buch, in dem es um die Weltreise ging, folgten weitere, preisgekrönte Bücher. Und „Wenn ich bleibe“.

Ein schlicht gehaltener Umschlag schützt das 272 Seiten starke Hardcoverbuch. Er zeigt einen kahlen, bleichen Ast vor einem hellblauen Hintergrund, mitten drin eine einzelne rosafarbene Blüte. Das Wort Roman wirkt auf den ersten, flüchtigen Blick fast wie eine kleine Raupe. Eins der Cover, das nichts auszudrücken scheint und doch schon unendlich viel verspricht. Eins von denen, die ich persönlich eigentlich vorziehe, weil sie nicht reißerisch aufgemacht sind. Dennoch habe ich mich gespaltenen Gefühlen an die Lektüre von Gayle Formans „Wenn ich bleibe“ gemacht. Verschiedene Rezensenten und Leser haben von wunderschön und ergreifend bis hin zu schnulzig, oberflächlich und seicht gewertet. Bei der Lektüre des Buchrückens drängt sich zunächst der Verdacht auf, dass Letzteres durchaus möglich sein könnte:

„Mia muss sich entscheiden: Soll sie bei ihrem Freund Adam und ihrer Familie bleiben – oder ihrer großen Liebe zur Musik folgen und mit ihrem Cello nach New York gehen? Was, wenn sie Adam dadurch verliert? Und dann ist von einer Sekunde auf die andere nichts mehr, wie es war: Auf eisglatter Fahrbahn rast ein Lkw in das Auto, in dem Mia sitzt. Mit ihrer Familie. Sie verliert alles und steht vor der einzigen Entscheidung des Lebens: Bleiben oder gehen?“ Dieser Unfall wird bereits im zweiten Kapitel sehr eindrucksvoll aber nicht reißerisch beschrieben, was nach dem tatsächlich spielerisch leichten Auftakt im ersten Kapitel – dem relativ normalen Morgen einer glücklichen Familie, die direkt neben uns leben könnte – umso dramatischer wirkt. Damit verliert der Verdacht der Seichtheit aber sofort an Gewicht. Das Buch ist nicht seicht gehalten, obwohl Forman Mia ihre Geschichte in einfachen Worten selbst erzählen lässt. Heraus kommt dabei ein leises, unpathetisches Buch, das gerade dadurch zum Weiterlesen animiert.

Eine an Engel glaubende, erschütterte Großmutter, die irgendwie funktioniert. Ein Großvater, der als einziger erkennt, wie wichtig für Mia das Wissen sein muss, gehen zu dürfen, und der ihr das auch sagt, während andere in ihrer Gegenwart das Thema Tod, das auf so dramatische Weise in das Leben des Mädchens kam, meiden. Eine burschikose Freundin, die Mias Freund über den Unfall informiert. Eine andere, die es ihm ermöglicht, Mia zu sehen, weil er als „Freund“ eigentlich keinen Zutritt zur Intensivstation hat und dabei doch eine so wichtige Rolle in Mias Leben spielt. Alles Menschen, die Mias inneren Zwiespalt aufzugeben oder zu kämpfen vergrößern und gleichzeitig erleichtern. Die Geschäftigkeit einer Intensivstation, die Versorgung eines komatösen Körpers, der Mia gehört und doch auch wieder nicht. Denn sie schwebt quasi als Geist über allem, ohne wirklich Einfluss darauf nehmen zu können. Nicht wissend, wie sie diesen Zustand überwinden kann, in dem sie zwar alles beobachten, aber keinen Kontakt zu anderen aufnehmen kann. Rückblicke auf ihr Leben – wie das Kennenlernen ihrer besten Freundin oder ihres Freundes Adam, auf ihre Liebe zur Musik, auf ihre Familie und Freunde erlauben dem Leser, Mia besser kennenzulernen.

Forman bietet uns mit der Geschichte, der gerade erst erwachsen werdenden Mia eigentlich ein Jugendbuch. Doch auch Erwachsene können sich in Mia wiederfinden, weil sie sehr reif herüberkommt. Obwohl es in diesem Buch um das Ende, Tod und Trauer geht, kommen die Aspekte Anfang, Leben und Hoffnung, Familie, Liebe und Freundschaft nicht zu kurz. Werte, die heute oftmals flüchtig verkommen oder verkitscht dargestellt werden. Formans emphatischer Erzählstil, völlig frei von tränenreicher Melodramatik, sorgt für einen ständig wechselnden und fließenden Übergang von Mias jetziger Situation zu ihrem bisherigen nahezu sorglosen und unbeschwerten Leben und zurück. Zeigt uns ihre Erinnerungen an glückliche Zeiten, an Träume und Zweifel, aber auch ihre jetzigen Ängste, ihre Hilflosigkeit, ihren Zwiespalt. Dadurch wird erschreckend klar, dass jeder von uns sich morgen in einer vergleichbaren Situation befinden könnte. Dass das Leben kurz und vergänglich ist und wir nur begrenzt Einfluss auf das nehmen können, was mit uns geschieht. Doch genau dadurch wird auch deutlich, dass in schmerzlichen, scheinbar ausweglosen Situationen, Hoffnung da ist, Hoffnung wachsen kann. Was der Schutzumschlag des Buches perfekt ausdrückt. Die aufblühende rosa Blüte. Ein Symbol für die Hauptthemen dieses wunderschönen, unaufdringlichen und einprägsamen Buches – Liebe und Leben und den Wert von Freundschaft und Familie.

Copyright © 2010 by Antje Jürgens

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