Wie in einem Traum

wie-in-einem-traumUlli Olvedi
Wie in einem Traum

Nach dem gleichnamigen Roman „Wie in einem Traum“,
Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 11/2008
steinbach sprechende bücher, Schwäbisch Hall, 09/2008
5 CDs auf Displays im Juwel-Case
Hörbuch, Belletristik, Drama, Philosophie, Esoterik
ISBN 978-3-88698-936-2
Laufzeit: ca. 340 Min.
Textbearbeitung von Holger Michel
Autorisierte Hörfassung gelesen von Anne Fink
Titelgestaltung von steinbach sprechende bücher unter Verwendung eines Fotos von Phil Borges, Seattle
1 Booklet à 4 Seiten mit Glossar

www.sprechendebuecher.de
www.ulli-olvedi.gmxhome.de/
www.annefink.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Maili verliert erst ihre Eltern, die von Räubern ermordet wurden, dann ihren kleinen Bruder, der diese Schreckenstat nicht verkraften konnte. Ein Onkel und eine Tante kümmern sich um das Mädchen, und alles scheint sich zum Guten zu wenden, als ein junger Mann andeutet, er wolle sie heiraten. Nachdem er jedoch Maili zu vergewaltigen versuchte, beschließt sie, einen Schlussstrich unter dieses Leid erfüllte Leben zu ziehen. Durch die Vermittlung der Verwandten findet sie Aufnahme in einem Kloster in der Nähe von Katmandu. Auch auf der Reise beobachtet sie vieles, was sie in tiefe Traurigkeit stürzt, darunter, wie Grenzsoldaten – Maili weiß nicht, ob es chinesische oder nepalische Truppen sind – tibetische Flüchtlinge aus dem Bus zerren, sie schlagen, ausrauben und abführen.

Kurz vor dem Ziel lernt sie den jungen Mönch Sönan, der in einem benachbarten Kloster lebt, kennen und verliebt sich. Während sie von ihm träumt, praktiziert sie eifrig die Lehren Buddhas. Ihr größter Wunsch ist es, nicht mehr leiden zu müssen, aber sie kommt nicht so schnell voran, wie sie es möchte, zumal sie erst Lesen und Schreiben und später Tibetisch lernen muss. Als Sönan ihr gesteht, dass er ihre Gefühle erwidert, stürzt sie das umso mehr in Hoffen – dass sie zusammen glücklich werden können – und Bangen – wie lange sie ihre unschuldige Beziehung geheim halten können. Die Geschichte beginnt als Drama. Man erfährt von den Lebensumständen in einem nepalischen Dorf, insbesondere von den Verlusten der Hauptfigur Maili, die schließlich glaubt, das Leid nicht länger ertragen zu können, und entscheidet, sich in ein Kloster zurückzuziehen, sich den Lehren Buddhas zu widmen und allen Schmerz hinter sich zu lassen. Dieser Wunsch ist die Triebfeder für ihr Handeln und Denken.

Immer wieder streut die Autorin Ulli Olvedi Szenen ein, wie man sie aus den Nachrichten kennt: das brutale Vorgehen der Soldaten gegen Zivilisten und vor allem gegen tibetische Flüchtlinge, die Machtlosigkeit der Regierung angesichts schlimmer Gewalttaten und der Armut in manchen Regionen, die Entwicklungshilfe aus dem Westen. Auch die Rolle der Frau wird angesprochen, gezielt in Hinblick auf die Ungleichbehandlung der Mönche und Nonnen, denn Letztere haben weniger Rechte und dürfen z. B. nicht studieren. Maili verliebt sich in Sönan, doch dominiert die Romanze nicht die Geschichte; vielmehr fügt sie sich als weiteres Mosaiksteinchen gelungen in das Gesamtbild vom Klosterleben ein, in dem ihr Freundschaft und erstaunlich viel Verständnis von den Nonnen, der exzentrischen Yogini und dem Rinpoche entgegengebracht werden. Trotz ihrer starken Gefühle füreinander wollen Maili und Sönan ihr Gelübde nicht brechen und finden eine glaubwürdige Lösung.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung von Maili, die anfangs sehr kindlich, verträumt, scheu, aber auch aufbegehrend ist. Ihr Wunsch, nie mehr leiden zu müssen, ist zunächst egoistisch, doch als sie begreift, dass jeder leidet, wird ihr persönliches Bedürfnis immer kleiner, das der anderen entsprechend wichtiger. Obwohl sie sich zunächst schwer tut, ihr rebellisches Temperament zu bezähmen, lernt sie durch Selbstdisziplin und Meditation, sich selber und die Welt um sich herum in einem anderen Licht zu sehen, schließlich Kraft aus ihren Erkenntnissen zu schöpfen.

Das ist auch die Message des Romans bzw. Hörbuchs. Eingebettet in ein bittersüßes, romantisches Drama sind Worte des Trostes, die sich an Menschen wenden, die sich großen Problemen stellen und Verluste verarbeiten müssen. Es wird der Rat gegeben, die Dinge nicht nur aus einer Richtung zu betrachten, nicht die Schuld bei anderen zu suchen, statt zu hadern, die Situation zu akzeptieren und das Mögliche zu tun, damit es wieder besser wird – für einen selber und alle anderen. „Wie in einem Traum“ ist ein Buch, das zu Herzen geht und viele interessante Ansätze bietet, wie man mit Trauer, Angst und sonstigem Leid umgehen kann.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)
 
Titel erhältlich bei Buch24.de
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