Zeit deines Lebens

Cecelia Ahern
Zeit deines Lebens

Originaltitel The Gift
Fischer Taschenbuchverlag
ISBN 9783596183104
Belletristik
2. Auflage November 2010
aus dem Englischen übersetzt von Christine Strüh
Taschenbuch, 384 Seiten

www.fischerverlage.de
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Die 1981 geborene Tochter des ehemaligen irischen Ministerpräsidenten Ahern schrieb schon als Kind Geschichten. Nach Ihrem Studienabschluss in Journalismus und Medienkunde erschien 2004 der zwischenzeitlich in 15 Sprachen übersetzte Roman „P.S. Ich liebe dich“. Dass sie mit dem mit Hilary Swank und Gerald Butler verfilmten Roman keine Eintagsfliege geschaffen hat, beweisen ihre weiteren (Bestseller-)Romane, Theaterstücke und Drehbücher. Sie lebt in Dublin, ist verheiratet und hat eine Tochter.

Nach dem Erfolg mit „P.S. Ich liebe dich“ lag die Messlatte für Folgeromane natürlich entsprechend hoch. Und mit dem mir vorliegenden Titel, der 2009 als deutsche Erstausgabe zunächst beim Krüger Verlag erschien, löste Ahern tatsächlich nicht nur Begeisterungsstürme aus. Während ein Teil ihrer Leserschaft Zeit deines Lebens wunderbar anrührend und zum Träumen fand, beurteilte ihn der andere Teil als zu rührselig, zu langatmig und zu enttäuschend. Und genau wie das rot-braun gehaltene Cover mit gezeichneten Blüten, das sich von den mir sonst bekannten Buchcovern Aherns abhebt, ist auch der Inhalt nicht ganz so überzeugend bei mir angekommen, wie andere Romane der Autorin.

Die Inhaltsangabe hat mich trotzdem neugierig gemacht. Nicht zum ersten Mal beschäftigt sie sich darin mit dem Thema Tod und Verlust. In Zeit deines Lebens geht es um einen BWM – das ist kein Schreibfehler, denn damit ist keinesfalls die Automarke, sondern ein „Beschäftigter Wichtiger Mann“ gemeint. Lou hat für alles Mögliche Zeit, sofern es seine Karriere betrifft oder Personen, die damit in Verbindung stehen. Wenig bis gar keine Zeit erübrigt er dagegen für Eltern und Geschwister und vor allem auch nicht für seine eigene kleine Familie. Wie nah sie davor steht, zu zerbrechen, entgeht ihm vollkommen. Jedenfalls, bis er auf den Bettler Gabe trifft. Von diesem erhält er mit ein paar wundersamen Pillen auch ein wundervolles Geschenk: Zeit.

Gerade rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit die zweite Auflage einer solchen Geschichte herauszubringen ist taktisch klug – denn es stößt LeserInnen inmitten der dadurch bedingten Hektik förmlich mit der Nase darauf, wie sinnvoll es ist, Prioritäten zu setzen. Sich Zeit zu nehmen. Allerdings habe ich das Buch erst lange danach gelesen.

Anfangs zieht sich die Geschichte etwas, doch schon bald kann man darin eintauchen. Eingebettet ist das Ganze in eine kleine Rahmengeschichte über das Opfer einer Scheidung. Über einen Jungen, der seinem Zorn Luft macht. Und von einem Polizisten der versucht ihm zu helfen, indem er ihm Lou’s Geschichte erzählt.

Lou stellt sich anfangs überaus unsympathisch, egoistisch und kalt dar, gewinnt aber dank der Pillen und der dadurch hervorgerufenen Veränderungen. Obwohl seine Familie eher im Hintergrund agiert, ist sie gut gezeichnet und liebenswert. Gabe, der sehr viel mehr als ein einfacher Bettler ist, ist ebenfalls realistisch beschrieben. Ahern schafft es, das in der Geschichte enthaltene fantastische Element glaubwürdig mit der Realität zu verweben.

Das Ende von Zeit deines Lebens ist zugleich traurig und hoffnungsvoll. Es zeichnet sich im Grunde schon sehr früh ab, wie alles ausgeht, doch das stört nicht unbedingt, denn die Art und Weise wie Ahern es gestaltet ist relativ gelungen. Relativ deshalb, weil sie hart an der Grenze zur Melodramatik vorbeischrammt; für manche sicher auch darüber hinaus schießt. Doch die Erzählung all dessen, was Lou anfangs ausmacht, ist trotz allem ein Fingerzeig auf unsere Gesellschaft, auf verschobene Werte und falsche Idole. Auf das Verlangen immer mehr zu erhalten und emotional zu verarmen. Auf etwas, das wir im Grunde alle wissen, aber gerne beiseiteschieben. Auf etwas also, das man ändern sollte. Dass man nur selbst ändern kann. Am besten schnellstmöglich – denn Zeit ist kostbar. Nicht weil sie Geld kostet, sondern weil sie uns nur begrenzt zur Verfügung steht.

Fazit

Eine berührende Geschichte, die sich nach anfänglichen Problemen sehr flüssig lesen lässt. Wenn man sich auf Lou und die übrigen Figuren einlässt, leidet man unweigerlich mit ihnen. Wie sehr, darüber mögen sich die Geister streiten. Die Geschichte wirkt moralisch aber nicht zwingend tadelnd. Sie kommt unaufgeregt und doch dramatisch daher. Vielleicht, weil sie – wenn man von Aherns märchenhaft fantastischem Detail absieht – doch jedem von uns passieren könnte.

Copyright © 2012 by Antje Jürgens (AJ)

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