Aktfotografie

aktfotografie1Janos Eifert
Aktfotografie

Eifert, Janós, Aktfotográfia, Ungarn, 2008
Schenk Verlag, Passau, 11/2008
HC, Sachbuch, Fotografie, Kunst, Bildband, Erotik
ISBN 9783939337355
Aus dem Ungarischen von Eva Zádor
Titelbild und Fotos im Inneren von Janos Eifert und vielen anderen Künstlern

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www.eifert.hu/

Die Darstellung des entblößten menschlichen Körpers in der Kunst ist schon so alt, wie die Menschheit mit ihren Händen Formen schafft – man denke nur an die „Venus von Willendorf“ und andere altsteinzeitliche Figuren oder Darstellungen. Waren sie anfangs noch nicht realistisch oder gar idealisiert sondern eher symbolhaft, so änderte sich das in der Antike. Seit sich die griechischen Kunst über die Welt verbreitet hat, sind die realistischen Darstellungen von Nacktheit aus dem menschlichen Leben nicht mehr weg zu denken, oft sogar als christliche Kunst mit Aussagekraft ummantelt und nicht nur zum reinen Vergnügen. Das änderte sich auch nicht, als in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Fotografie erfunden und rasend schnell weiter entwickelt wurde. Und heute ist die Darstellung unbekleideter – zumeist weiblicher – Körper nicht mehr aus der Werbung weg zu denken. Doch ist wirklich jedes Bild, auf dem nackte Körper zu finden sind, gleich Aktfotografie? Wann ist ein Foto einfach nur ein Bild, wann wird es zur Kunst? Und wie kann man selbst seine Ideen zur Darstellung der Nacktheit umsetzen? Das alles verrät Janos Eifert in seinem Buch „Aktfotografie“.

Er betrachtet sein Buch selbst nicht als Crash-Kurs und Anleitung, Bilder zu erstellen, sondern eher als Ratgeber zu den Fragen, die sich ein wahrer Künstler stellen sollte. Dafür plaudert er aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz, analysiert seine eigenen Bilder und auch die von vielen Kollegen. Den Erläuterungen vorangestellt hat er jedoch zwei lange Kapitel über die Geschichte der Nacktheit in der Kunst. Beginnend in der Steinzeit betrachtet er die einzelnen Epochen und schildert, welche Aussagekraft man der Nacktheit zuschrieb, wie man sie salon- und kirchenfein machte und wie sie heute noch auf uns wirkt. Dann geht er näher auf die Darstellungen des Aktes in der Fotografie ein. Erstaunlicherweise gehörten zu den ersten Bildern, die damals entstanden, auch Akte. Eine logische Folgerung, denn die Modelle, die dafür zur Verfügung standen, waren es gewohnt für Maler stundenlang reglos in einer Pose auszuharren, was den langen Belichtungszeiten entgegen kam. Nicht zuletzt blieb der menschliche Körper für viele faszinierend, gerade weil er jetzt umso realistischer abgebildet werden konnte.

Allerdings blieb der Aktfotografie nicht erspart, einen Bildersturm über sich ergehen zu lassen, bei denen viele der frühen Werke zerstört wurde. Gerade in den konservativen Zeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts war sie als Pornografie verschrien. Das änderte sich erst nach dem Ersten Weltkrieg. Heute ist sie eine der anerkannten Künste. Janos Eifert geht nicht methodisch vor und erklärt Schritt für Schritt, wie man einen Akt ablichtet. Stattdessen hat er seine Hinweise und Erläuterungen in verschiedenen Themenkreisen zusammengestellt wie etwa „Farben und Licht, Gestaltung und Form“ „Struktur, Textur, Faktur, Zustand“, „Pose, Belichtung und Aufnahme“ oder gar „Die Technik der Fotografie“. Das ausgewählte Filmmaterial kann dabei eben so wichtig werden wie das später verwendete Fotopapier. Auch die spätere Bearbeitung eines Bildes kann seine Aussage beeinflussen oder sogar ins Gegenteil umkehren.

All das belegt Janos Eifert mit vielen Bildbeispielen. Er fordert den Leser auf, seine Erläuterungen an ihnen nachzuvollziehen und für sich zu verinnerlichen, gibt Hinweise, wie man das Ergebnis bereits bei der Aufnahme beeinflussen und wie man das Bild später weiter bearbeiten kann, um genau die Effekte zu erreichen, die man haben möchte. Das kann von einfachen Retuschen bis hin zu Übermalungen gehen. Besonders interessant sind dabei die historischen Bilder, die einen Zeitraum von gut 160 Jahren abdecken und zeigen, wie unterschiedlich und von der Zeit geprägt der Geschmack ist. Oft genug kommt man aus dem Staunen nicht heraus, denn lange nicht alle Modelle sind jung, straff und schlank. Er macht Mut, einfach selbst auszuprobieren, wie man mit dieser Art der Fotografie zurechtkommt, und dabei doch seinen eigenen Weg zu gehen, ohne sich in eine bestimmte Schule pressen zu lassen. Aber auch hier macht er deutlich, dass zu all dem auch ein Quäntchen von Talent gehört, denn nur mit Inspiration und Ideen kann man irgendwann etwas Eigenes schaffen und seine unübersehbare Handschrift hinterlassen.

Die Erläuterungen haben Hand und Fuß, werden spannend und unterhaltsam präsentiert, so dass man auch, wenn man selbst nicht zum Fotografieren kommt, das Buch genießen kann, da es nicht nur Anleitungen gibt, sondern auch viel über die Geschichte und das Selbstverständnis der Künstler in der Aktfotografie verrät. Alles in allem ist „Aktfotografie“ ein kurzweiliges, gelungenes Buch zum Lesen und ein unentbehrlicher Ratgeber für alle, die zwar die Grundlagen der Fotografie beherrschen, sich mit der gewonnenen Erfahrung nun aber auch neue Bereiche eröffnen wollen.

Christel Scheja (CS)
 
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Aktfotografie

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