Atlas des Vogelzugs – Die Wanderung der Vögel auf unserer Erde

Jonathan Elphick
Atlas des Vogelzugs – Die Wanderung der Vögel auf unserer Erde

Atlas of Bird Migration; GB, 2007
Haupt Verlag, Bern (CH)/Stuttgart/Wien (A), 9/2008
Vollfarbiges HC im Großformat, Sachbuch, Natur & Tier, Ornithologie, Bildband, 978-3-258-07288-3, 176/3990
Aus dem Englischen von Coralie Wink und Monika Niehaus
Titelgestaltung von pooldesign.ch
Fotos, Illustrationen und Karten aus verschiedenen Quellen

www.haupt.ch
www.birdsandpeople.org/

Es gehört zwar zum Allgemeinwissen, dass viele Vogelarten nicht unbedingt nur an dem Ort verweilen, an dem sie nisten und damit auch ihre ersten Lebensmonate verbringen, sondern dann in andere Gegenden abwandern, wenn das Klima sich jahreszeitlich so verändern, dass ihre Nahrungsquellen geringer ausfallen oder fehlen. Viele hier beheimatete Singvogelarten überwintern im Mittelmeerraum oder sogar im Herzen Afrikas, während sich bei uns Gäste aus nordischen Gefilden einfinden.

Doch wer beschäftigt sich schon genau damit, wohin welche Vogelarten abwandern und welche erstaunlichen Leistungen sie dabei vollbringen. Diesem Missstand will nun der „Atlas des Vogelzugs“ abhelfen.

Jonathan Elphick gibt deshalb einen vielleicht nicht in die Tiefe gehenden, aber doch recht umfassenden Überblick über die Wanderungen der bekanntesten Vogelarten und den Besonderheiten dabei, die Forscher mittlerweile heraus gefunden haben.

Im ersten Teil beschäftigt er sich mit den allgemeinen Fragen:
Wie hat sich der Vogelzug entwickelt und warum? Welche Zugmuster gibt es, und haben sich diese im Verlauf der Jahrmillionen überhaupt sehr verändert? Wann sind die meisten Vögeln unterwegs? Gibt es Vorteile, nachts zu fliegen – oder ist es doch besser am Tage?

Wie sieht es mit den Flugtechniken aus? Wie können Vögel Energie sparen, und wirkt sich das auf die Fluggeschwindigkeit aus? Das Buch verrät, wie effektiv manche Vögeln dabei ihre Kräfte einsetzen und welche Rekorde sie dabei mühelos brechen – nicht nur in der Dauer, die manche von ihnen in der Luft bleiben können, sondern auch in Hinblick auf die Strecken, die sie Non-Stop zurückzulegen im Stande sind, sowie auch die Flughöhe. So gibt es einige Arten, die die höchsten Gipfel des Himalaya überqueren können, während andere in wenigen Tagen von Mitteleuropa bis nach Südafrika gelangen.

Doch wie bereiten sich die Vögel auf den Flug vor? Treffen sie immer den richtigen Zeitpunkt, und liegt es bereits in ihren Genen, dass sie bestimmte Routen fliegen? Experimente haben Letzteres inzwischen wohl bewiesen.

Gibt es für Vogelarten auch natürliche Barrieren wie Meere und Gebirge, die sie einfach nicht überwinden können? Und wo rasten sie eigentlich? Welche Bedeutung haben Wetter und Klima auf die Vogelzüge, und wie schadet ihnen der Mensch?

Letztendlich wird auch erklärt, wie man die Vogelzüge eigentlich untersucht und seine Erkenntnisse aus den Beobachtungen zieht. Das Radar kommt ebenso zum Einsatz, wie kleine ins Gefieder gesetzte Sender oder eine einfache Beringung.

In den weiteren Kapiteln geht der Autor nun spezieller auf einzelne Regionen und Arten ein.

Auf dem amerikanischen Doppelkontinent bestimmen natürliche Barrieren die drei dominanten Routen, auf denen Vögel wie Enten, Greifvögel, Kraniche, Schwalben oder gar Kolibris wandern. Je nachdem, ob sie auch weitere Strecken über das Meer zurücklegen können, nutzen sie die Route über den mexikanischen Golf oder nehmen doch lieber die Landbrücke von Panama. Auffällig ist hier die Dominanz der reinen Nord-Süd-Wanderungen.

In Europa erweisen sich sowohl die Pyrenäen als auch die Alpen und das Mittelmeer als natürliche Barrieren. Anders als in Amerika gibt es durch die mit Asien zusammenhängende Landmasse auch Ost-West-Wanderungen.
Wintergäste aus dem hohen Norden finden sich in Zentral und Südeuropa ein.
Aber auch auf der Südhalbkugel gibt es einiges an Vogelbewegungen in Südamerika, Afrika und dem australasiatischen Raum, ja, sogar um die Arktis und Antarktis herum. Selbst Seevögel wie Pinguine und Möwen, Albatrosse und Sturmtaucher sind jährlich unterwegs.

Und schließlich gibt es auch noch die unregelmäßigen Wanderungen – nämlich dann, wenn in einer Region die Nahrungsgrundlagen aufgrund der Witterung nicht vorhanden oder zu gering sind.

Der „Atlas des Vogelzugs“ weiß nicht nur durch die allgemeinen sondern auch ganz speziellen Informationen zu überzeugen. Man beginnt die teilweise sehr vertrauten Vogelarten durch die interessant und übersichtlich gestalteten Doppelseiten mit ganz anderen Augen zu sehen.

Man erfährt nicht nur durch eine Karte und kurze Erläuterungen, wann sie wohin ziehen, wo sich ihre Hauptverbreitungs- und Brutgebiete befinden oder wie sie aussehen und am Himmel als Silhouette wieder zu erkennen sind, sondern auch wie sie unterwegs sind und welche Besonderheiten es dabei gibt.

Der Autor benutzt dabei einen lockeren und leicht humorvollen Stil, der die Informationen lebendig vermittelt und niemals Langeweile oder fachliche Trockenheit aufkommen lässt. Er verzichtet weitestgehend auf Fachbegriffe, so dass auch schon jüngere Leser die Texte gut verstehen können.

Interessant sind auch die Methoden, die die Forscher eingesetzt haben, um die Geheimnisse des Vogelzuges zu ergründen, seien es nun Kreuzungen von Tieren aus getrennten Regionen oder die Simulation einer künstlichen Umwelt, um Vögel dazu zu bringen, einen schnelleren Lebenszyklus durchzumachen.

Und auch wenn die Wissenschaftler damit schon weit gekommen sind, so macht das Buch deutlich, dass noch lange nicht alles enthüllt worden ist.

Das alles macht den „Atlas des Vogelzugs“ zu einem ebenso unterhaltsamen wie informativen Fachbuch für alle Freunde der gefiederten Mitbewohner auf dieser Welt. Der Autor kann jedenfalls junge wie alte Leser durch seinen lebendigen Stil mit seiner Begeisterung anstecken und verzaubern. (CS)

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Atlas des Vogelzugs: Die Wanderung der Vögel auf unserer Erde

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