Die Eroberung des Mount Everest

George Lowe/Huw Lewis-Jones
Die Eroberung des Mount Everest

Originaltitel: The Conquest of Everest (London : Thames and Hudson 2013)
Übersetzung: Werner Kügler
Deutsche Erstausgabe (geb.): April 2013 (Knesebeck Verlag)
240 S.
ISBN-13: 978-3-86873-607-6

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Inhalt:

Anmerkungen des Herausgebers (S. 18-21): Huw Lewis-Jones erläutert die Entstehungsgeschichte dieses Buches und stellt seinen Mitautor George Lowe als Mitglied der Everest-Expedition von 1953 vor.

Ein alter Freund – Vorwort von Sir Edmund Hillary (S. 22-25): Der Erstbesteiger des Mount Everest erinnert sich an gemeinsame Reisen und Abenteuer mit George Howe.

Das unbekannte Wagen – Einführung von Reinhold Messner (S. 26-29): Messner, der 1980 den Everest erstmals ohne zusätzlichen Sauerstoff sowie im Alleingang erreichte, fasst zusammen, was seiner Meinung nach ‚echte‘ Bergsteiger antreibt.

Weil er da ist (S. 30-71): George Howe erzählt von seinen frühen Jahren als Bergsteiger, der Begegnung mit Edmund Hillary, ersten gemeinsamen Klettertouren in den Neuseeländischen Alpen, ersten Erkundungen im Himalaya und der Einladung, an der Gipfel-Expedition von 1953 teilzunehmen.

Als Kameramann am Everest (S. 72-151): Howe, der sich selbst als „Amateur“ bezeichnet, berichtet, wie er in der Todeszone des Everests als Fotograf und Kameramann über sich selbst hinauswachsen musste, was die sich anschließenden Bilder eindrucksvoll belegen.

Jenseits des Gipfels (S. 152-187): Die Erstbesteigung des Everests wurde für die Beteiligten – und natürlich vor allem für Edmund Hillary – zu einem Ereignis, das den Rest ihrer Leben prägte.

Betrachtungen (S. 188-221): Sir Christian Bonington, einer der bekanntesten Bergsteiger England, ordnet die Erstbesteigung in die Everest-Chronologie ein; Norbu Tenzing Norgay schreibt über den Vater und die Beziehung Edmund Hillarys zu den Sherpas; Kenton Cool beschreibt die moderne Kommerzialisierung der Everest-Besteigung; Peter Hillary, Edmunds Sohn, Colin Monteath und Stephen Venables schildern jeweils ihre Erinnerungen an George Lowe; Bergsteiger Tom Hornbein denkt über persönliche Folgen der Erstbesteigung nach; Doug Scott vergleicht Vergangenheit und Gegenwart des Bergsteigens am Everest.

Nachwort: Nur drei Bilder (S. 222-233): Historikerin und Autorin Jan Morris sinniert über die Expedition von 1953, deren Erfolg nur durch drei Fotografien dokumentiert wird.

Biographien, Literaturverzeichnis, Register, Bildnachweis, Dank (S. 234-240)

Gerade noch geschafft!

Die Erstbesteigung des Mount Everest hat sich seit 1953 in zahlreichen und zunehmend opulenter werdenden Büchern bzw. Bildbänden niedergeschlagen. Vor allem „runde Zahlen“ lassen das Interesse wieder anschwellen, was auch den Pressdruck auf die Geldbörse potenzieller Buchkäufer steigert.

Dieses Buch sollte eigentlich bereits 2003 und damit zum 50-jährigen Jubiläum des Gipfelsturms erscheinen. Daraus wurde nichts, doch glücklicherweise hatte Sir Edmund Hillary, der am 29. Mai 1953 mit dem Sherpa Tenzing Norgay erstmals auf dem Everest-Gipfel stand, das geplante Vorwort bereits geschrieben. Es lag deshalb vor, als das Buchprojekt 2013 tatsächlich realisiert wurde, während Hillary bereits 2008 gestorben war.

Da es um die Besteigung von 1953 ging, lag es nahe, einen der damals beteiligten Bergsteiger zu Rate zu ziehen. Wiederum war Eile geboten, denn von den zentralen Gestalten dieser Expedition lebte 2012 nur noch George Lowe – ein Glücksfall, denn Howe war damals zum Fotografen und Dokumentarfilmer der Gruppe avanciert und hatte unzählige Bilder geschossen. Sie waren nicht nur einzigartig, was die Orte ihrer Entstehung anging, sondern auch von ausgezeichneter Qualität, da Howe schnell lernte, worauf er achten musste.

Vor allem verfügte Howe über ein privates Archiv, das viele Fotos von 1953 enthielt, die niemals veröffentlicht wurden. Auf diesen Schatz konnte man für das Buch zum 60-jährigen Jubiläum zurückgreifen. Howe steuerte seine Erinnerungen bei und wurde aus Gründen der besseren Vermarktung als Hauptautor genannt. Die Veröffentlichung erlebte Howe nicht mehr; er starb am 20. März 2013 im Alter von 89 Jahren.

Warum noch ein Everest-Buch?

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte – eine Weisheit, die vor allem bei Huw Lewis-Jones nicht nur auf fruchtbaren, sondern auch auf denkbar geeigneten Boden fiel. Seit Jahren gelingt es ihm, Wissenschaft und Medien behutsam miteinander zu kreuzen; eine Gärtner- bzw. Kärrnerarbeit, die viel zu oft nur Sumpfblüten und Taubnesseln hervorbringt, welche im Fernsehen als „Dokumentationen“ zur (immerhin unterhaltsamen) Verdummung der Zuschauer beitragen.

Text und Bild können einander wunderbar ergänzen, wenn jemand weiß, wie man dies realisieren kann. Lewis-Jones versteht sein Handwerk, weshalb es ihm gelingt, eine abgegrast geglaubte Weide zu neuer Blüte zu verhelfen: Über den Mount Everest und die Erstbesteigung von 1953 ist vielleicht alles gesagt, doch wurde nicht alles gezeigt. Es gibt weiterhin interessantes Material, das eine Präsentation wert ist.

Die moderne Technik spielt eine hilfreiche Rolle. Jahrzehntelang wurden in Büchern verschwommene, schlecht belichtete Fotos abgedruckt, auf denen man die Entdecker und ihre Reiseziele nur schwer identifizieren konnte. Der zeitgenössische Druck forderte seine Opfer, denn das Ausgangsmaterial – die Originalfotos – waren nicht selten von ausgezeichneter Qualität: Die ‚analoge‘ Fotografie wurde über mehr als 150 Jahre perfektioniert. Während die Digitaltechnik vor allem die ‚Entwicklung‘ und Bearbeitung eines Bildes sowie seinen Versand gravierend vereinfacht hat, kann ein gutes Foto von 1900 in Sachen Wiedergabequalität problemlos in derselben Liga mitspielen.

Ein Schatz wird gehoben

George Lowe, der sich bescheiden als „Amateurfotograf“ bezeichnet, war der richtige Mann an einem höllischen Ort. In der nicht grundlos so genannten „Todeszone“ über 8000 Meter Höhe fotografierte und filmte er und produzierte dabei keineswegs nur Schnappschüsse. Lowe hatte ein gutes Auge für aussagekräftige Motive und die Kraft, sie auf (35-mm-Farbfilm) Film zu bannen. Die Technik mag simpel gewesen sein, doch sie funktionierte unter unwirtlichen Bedingungen. Lowe kehrte mit einem Bildschatz heim, der gleichermaßen dokumentierte wie faszinierte.

Sechs Jahrzehnte hütete Lowe seinen Schatz, der auf einem Foto (S. 18) abgebildet ist. Die alten Diapositive wurden für dieses Buch zum Teil auf Doppelseiten-Format (= 44 cm Breite bei 27 cm Höhe) vergrößert. Dank des dicken, guten Papiers kommen sie problemlos zu überwältigender Wirkung.

Zwar drückt das Buch mit seinen 1,5 kg in Rückenlage deutlich auf den Leserbauch, doch diese Beschwernis dürften er & sie akzeptieren, denn hier haben wir eines jener Werke, in denen man sich verlieren kann: Geschichte ist nicht nur spannend, sondern kann auch spannend dargestellt werden!

Autoren

Wallace George Lowe wurde am 15. Januar 1924 in Hastings auf der nördlichen Insel von Neuseeland geboren. In Wellingon besuchte er das College und arbeitete nach seinem Abschluss als Lehrer. In seiner Freizeit kletterte er auf der Südinsel in den Neuseeländischen Alpen. Hier lernte er in den 1940er Jahren den ebenfalls neuseelandstämmigen Bergsteiger Edmund Hillary kennen, den er 1951 auf der ersten in Neuseeland zusammengestellten Himalaya-Expedition begleitete. Im folgenden Jahr erkundete das Duo zusammen mit Eric Shipton das Gelände um den Mount Everest.

1953 nahmen Hillary und Lowe an der von John Hunt geleiteten britischen Mount-Everest-Expedition teil. Lowe bereitete den Gipfelsturm vor, den am 29. Mai Hillary und Tenzing Norgay erfolgreich anschlossen. Außerdem dokumentierte er die Expedition auf Foto und Film. Zwischen 1955 und 1958 gehörte Lowe zum Team der Commonwealth Trans-Antarctic Expedition. Er durchquerte die Antarktis und erreichte zum ersten Mal seit Amundsen und Scott den Südpol auf dem Landweg. In den nächsten Jahren schlossen sich weitere Expedition in den Himalaya, aber auch ins zentralasiatische Pamir-Gebirge oder nach Grönland an. 1989 gehörte Lowe zusammen mit Hillary zu den Gründern des Sir Edmund Hillary Himalayan Trust UK, der sich um die Verbesserung der Lebensumstände für die Sherpas kümmerte, und amtierte bis 2003 als Vorsitzender.

Privat lebte Lowe längst in England. Er war zwischen seinen Reisen weiterhin im Schuldienst tätig. Bis zu seiner Pensionierung 1984 arbeitete er für das Department of Education and Science. Zum zweiten Mal verheiratet, starb George Lowe am 20. März 2013 in Ripley, Derbyshire. Er war das letzte noch lebende Mitglied der Everest-Expedition von 1953.

Huw Lewis-Jones (geb. 2. Mai 1980) studierte Geographie an der University of Cambridge. Nach seinem Abschluss (Magister und Doktor) war er als Historiker und Kurator für das Scott Polar Research Institute ebendort tätig, verließ die Einrichtung jedoch 2010, um freischaffend seinen Forschungen nachzugehen. Lewis-Jones interessiert sich für die (Kultur-) Geschichte der Entdeckungsreisen, wobei er sich auf die Polregionen konzentriert.

Weitere Stationen seiner Laufbahn führten ihn an die Universität Harvard sowie an das National Maritime Museum in Greenwich. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und gilt als Spezialist für die frühe Fotografie. Für das Fernsehen arbeitete Lewis-Jones an zahlreichen Dokumentationen mit. Außerdem ist er Herausgeber für den Verlag Polarworld.

Inzwischen wieder in England ansässig, lebt Huw Lewis-Jones mit seiner Familie in Cornwall.

Copyright © 2015 by Michael Drewniok (md)

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