Dracula

Pascal Croci & Françoise-Sylvie Pauly (Szenario)
Dracula

Dracula édition intégrale: Dracula, le prince valaque Vlad Tepes & Dracula, la myth raponté par Bram Stoker, Frankreich, 2009
Frei nach Bram Stokers „Dracula“
Egmont Ehapa Verlag, Köln, 1. Auflage: 10/2010
HC-Album, Ehapa-Comic-Collection, Horror, History, 9783770434275, 160/3995
Aus dem Französischen von Uwe Löhmann
Titelmotiv und Zeichnungen im Innenteil von Pascal Croci

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dracula

Der junge Schriftsteller Bram Stoker sucht das British Museum in London auf, wo ihn ein Archivar auf eine unheimliche Entdeckung hinweist: die Geschichte Vlad Tepes‘, der durch seine grausame Kriegsführung das Vordringen der Türken nach Europa aufhalten konnte. Gemäß den Aufzeichnungen war auch sein privates Leben von unmenschlichen Entscheidungen geprägt. Außerdem scheint jemand einen bösen Einfluss auf ihn genommen zu haben, und ausgerechnet jene Person wurde kürzlich auf einem Münchner Friedhof gesichtet. Die Zeugen wissen nicht, ob es eine Frau oder ein Mann war.

Der Kanzlei-Angestellte Jonathan Harker reist nach Transylvanien, um mit Graf Dracula den Kauf eines Hauses in London zu besprechen. Der Gastgeber ist dem jungen Mann genauso unheimlich wie die ganze Umgebung und all die seltsamen Vorkommnisse. Zu gern würde er die Burg schnellstens wieder verlassen, doch der Graf lässt ihn lange Zeit nicht gehen.

Unterdessen sorgt sich Harkers Verlobte Mina sowohl um den Mann, den sie liebt, als auch um ihre Freundin Lucy, die im Wechsel rastlos und depressiv ist und nachts schlafwandelt. Um ihr zu helfen, bittet sie ihren Bekannten Professor Van Helsing um einen Besuch. Doch auch er kann Lucy nicht mehr retten, und schließlich zeigt Mina ähnliche Symptome.

Gemeinsam reisen Van Helsing, Mina und der endlich heimgekehrte Harker, mit dem Mina inzwischen verheiratet ist, nach Transylvanien, um dem Bösen ein Ende zu bereiten – oder bei dem Versuch zu sterben.

Pascal Croci und Françoise-Sylvie Pauly haben den Briefroman „Dracula“ von Bram Stoker in zwei Teile gegliedert. In der ersten wird geschildert, wie der Autor auf die Idee gebracht wurde, dieses Buch zu schreiben, und welche historische Persönlichkeit als Vorlage für die Titelfigur diente. Der anschließende Teil reduziert die Romanhandlung auf die wesentlichen Geschehnisse und scheint, obschon die Brief- und Tagebucherzählung beibehalten wurde, dem gleichnamigen Film mit Christopher Lee, der ebenfalls nur Auszüge berücksichtigte, näher zu stehen als dem Buch.

Beide Teile werden durch zwei Punkte verbunden: Zum einen ist es die mysteriöse, androgyne Person, die Vlad Tepes beeinflusst und sogar dazu verführt, seine eigene Frau zu töten und sich mit seinem Bruder, einem Priester, zu entzweien. Sie erscheint später auch als eine von Draculas Bräuten und erhält einen Namen, der Freunden des Horrors zweifellos bekannt sein dürfte. Zum anderen ist es der Wunsch nach ewigem Leben, das Gott den Menschen nicht gewährt hat, das aber eine böse Macht schenken kann, wenngleich diese Art des Lebens mit der Verdammnis einhergeht. Vlad Tepes ist der Versuchung erlegen, und Jonathan Harker muss dagegen ankämpfen.

Interessanterweise wird der Titel gebende Dracula im Comic nie gezeigt. Wann immer er präsent ist, wird eine bedrückende Umgebung eingeblendet, beispielsweise die Dekore in der Burg: entsetzte Engel, Köpfe mit klaffenden Mündern, monströse Wasserspeier usw. Es bleibt dem Leser überlassen, ob er in seiner Fantasie Dracula mit den Zügen von Vlad Tepes versieht oder mit einem der Gesichter, welche die Figur in den verschiedenen Verfilmungen erhielt.

Überhaupt steht die Umgebung deutlich im Vordergrund, wohingegen die Protagonisten nur dann erscheinen, wenn es absolut notwendig ist. Die Künstler stellen u. a. die schneebedeckte Weite Transylvaniens dar als eine eisige, trostlose Gegend. Das Einzige, was sich von dem Weiß abhebt, sind kahle schwarze Bäume, Grabsteine, einzelne Gebäude sowie das düstere Innere der Burgen, die gepfählten, blutigen Leichen und die Wölfe. Selbst das viktorianische England wirkt durch die Anwesenheit Draculas wie unter einem Eishauch erstarrt.

Die Personen scheinen sich den kalten Farben anzupassen, denn sie selbst sorgen kaum für kräftigere Nuancen und wirken blutleer. Im Vergleich zu den erdrückenden, abweisenden Landschaften und Burgen sind sie klein, was ihre Machtlosigkeit gegenüber Gott und mehr noch dem Bösen, mit dem sie es zu tun haben, zum Ausdruck bringt. Man fühlt sich an die bildlichen Darstellungen in romanischen Kirchen erinnert, in denen das Wichtige (Gott, Engel, Fürsten) groß ist und die einfachen Menschen winzig sind.

„Dracula“ liegt als „All in One“-Album vor, sodass man die komplette Geschichte in einem Band vorfindet. Obgleich es zwei Teile sind, erkennt man die Verbindungsglieder, und auch der Stil und die Farbgebung der Zeichnungen ändern sich nicht, was letztlich für eine gewisse Einheit des Gesamtwerks sorgt. Die Hintergründe und Figuren sind realistisch angelegt und ins Gespenstische verzerrt, was hervorragend zur Grundstimmung des Comics passt.

In der Summe ist „Dracula“ eine interessante, atmosphärische Adaption sowohl vom erzählerischen als auch dem zeichnerischen Aspekt her und dürfte jeden Horror-Fan überzeugen. (IS)

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

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