Expedition ins alte Ägypten

expedition-ins-alte-agyptenDugald A. Steer
Expedition ins alte Ägypten

(sfbentry)
Egyptology, GB, 2004
Ars Edition, München, 7/2005
Großformatiges Hardcover mit Glassteinen im Cover und Briefen,
Zetteln und Abdeckungen zum Öffnen
Bildband, Sachbuch, Geschichte
ISBN 978-3-7607-4838-2
Aus dem Englischen von Cornelia Panzacci
Titelbild und Illustrationen von Ian Andrew, Nick Harris und Helen Ward

www.arsedition.de
www.geheimewelten.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die alten Hochkulturen üben auch heute noch einen magischen Reiz auf die Menschen aus. Das merkt man bei jeder neuen Ausgrabung und den daraus resultierenden Funden. Sie ergänzen nicht nur die bereits vorliegenden Erkenntnisse, sondern werfen auch neue Fragen und Rätsel auf, die es zu enthüllen gilt. Viele Jahrtausende liegen nun zwischen der Erschaffung der steinernen Monumente Ägyptens und der Niederlegung der Schriften, die ebenfalls die Zeit überdauert haben. Umso mehr entstand um sie eine Aura des Mystischen und Geheimnisvollen, auch wenn zumindest die Rätsel um Schrift und Sprache inzwischen enthüllt werden konnten. Besondern faszinierend sind die Ägypter in den Augen der heutigen Menschen. Anders als im Zweistromland kündeten ihre Hinterlassenschaften von dem tiefen Glauben an ihre unzähligen Götter und die Ausrichtung des alltäglichen Lebens auf das Jenseits. Zudem waren sie weitaus bildhafter und sprachen so auch die Laien an.

Als in den frühen 1920er Jahren erstmals das Grab eines Pharaos gefunden wurde, das unzerstört und ungeplündert geblieben war, entstand ein wahrer Äqypten-Boom. Plötzlich begannen sich die Massen und die Medien für „König Tut“ und seine Schätze zu interessieren. Die Kultur war nicht mehr nur für die Historiker oder das Bildungsbürgertum spannend, und altägyptische Kunst floss in das moderne Design mit ein. Erstmals strömten auch westliche Touristen in größerer Zahl in das Land am Nil, um sich die Zeugen der Vergangenheit selbst anzusehen. Genau in dieser Zeit ist auch das Buch „Expedition ins alte Ägypten“ angesiedelt. Zwar sind die Beschreibungen ägyptischen Lebens meistens – wenn auch nicht immer – aktuellen Erkenntnissen angeglichen, das Design und auch der Stil des Textes ist jedoch dem Denken und dem westlichen Selbstbewusstsein der 1920er Jahre angepasst. Der Leser folgt den reich bebilderten Beschreibungen und Erläuterungen im Reisetagebuch der Miss Emily Sand, die zusammen mit anderen Hobbyforschern nach Spuren sucht, die weitere Geheimnisse des Grabes von Osiris enthüllen könnten, um genau so berühmt zu werden wie Howard Carter.

In das Buch eingeklebt sind, wie es sich für ein richtiges Reisetagebuch nun einmal gehört, natürlich auch Zeichnungen, Notizen, Pläne, Postkarten, Eintrittskarten und Briefe, die Miss Sands gesammelt hat. Man erlebt die ersten Eindrücke der jungen Miss Sand von Ägypten mit, wie sie dort eintrifft. Interessant sind die allgemeinen Anmerkungen zu Temperaturen und internationalen Entfernungen. Die Pyramiden von Gizeh – auch damals schon Anziehungspunkt für ausländische Besucher, dies es sich nicht nehmen lassen, auch an einer Führung in das Innere teilzunehmen – sind das erste Ziel, danach folgen die Gräber von Sakkara und das alte Memphis. Neben den Reisebeschreibungen fließen immer wieder Informationen und Erkenntnisse zu den alten Ägyptern mit ein, das Wissen über die Könige, die Bedeutung der Hieroglyphen und die Art der Mumifizierung. Wie auf einer Nilkreuzfahrt geht die Reise nun den großen und alten Strom aufwärts. Das Dorf Beni Hassan und die Ruinenstadt Amarna sind ebenso ein Besuch wert wie Abydos, Dêr El-Bahri oder das Tal der Könige. Wie nicht anders zu erwarten stehen dort Tut-ench-Amun und sein Grab im Mittelpunkt. Natürlich werden auch die Ruinen von Karnak genauer besichtigt. Bis an die Grenze von Nubien kommen die Reisenden, bis es zurück nach Philae und von dort aus zum Tempel der Isis und dem Grab des Osiris geht, die beide im Delta liegen. Wer neue Erkenntnisse zu Ägypten sucht, wird diese in „Expedition ins alte Äqypten“ weniger finden. Es gibt andere (Kinder-) Sachbücher, die weitaus ausführlicher auf das Leben im Reich am Nil vor fünf- bis zweitausend Jahren eingehen als dieser Bildband.

Im Vordergrund stehen hier eher die Erlebnisse der jungen Reisenden, die sich auf ein großes Abenteuer voller Gefahren einlässt und dabei staunend von den Wundern berichtet, die sie zu sehen bekommt. Der Autor und die Künstler haben dies sehr schön in Szene gesetzt. Das Buch lebt und atmet die Atmosphäre der 1920er Jahre, in denen Ägypten zu einem verklärten Land voller mystischer Wunder und geheimnisvoller Monumente geworden war und man viel Phantasie im Erfinden von Geschichten aus der Vergangenheit bewies. Ein wenig von der verspielten Faszination schwingt auch in diesem Buch mit. Stimmung wird vor allem durch die staunende Ehrfurcht und unstillbare Neugier der Erzählerin angesichts der Relikte geschaffen, denen sie gleichzeitig Respekt entgegen bringt, im gleichen Atemzug aber auch hinter die Oberfläche und das Offensichtliche blicken will.

Das Buch ist eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Suche nach dem Unentdeckten, Nervenkitzel für Kinder der Zivilisation, die auch in der Ferne gewohnte Bräuche wie das Weihnachtsfest nicht missen wollen. Nicht nur Kinder werden ihre Freude an dem liebevoll gestalteten Buch haben, auch erwachsene Leser dürften Spaß an den Schilderungen und den vielen Bildern haben, auf denen es eine Menge zu entdecken gibt. Das macht „Expedition nach Ägypten“ zu einem gelungenen Sachbuch – weniger über das Land und seine Vergangenheit selbst als über die grenzenlose Neugier und den eigenwilligen Wissenshunger, die Europäer und Amerikaner in der Zeit der ersten wirklich großen Ägypten-Begeisterung an den Tag gelegt haben, und von dem Verfilmungen wie „Die Mumie“ noch heute erzählen.

Copyright © 2008 by Christel Scheja (CS)
 
Titel erhältlich bei Buch24.de
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