Fließende Wasser – Flusslandschaften der Alpen und Mitteleuropas

Jan Ryser & Raymond Beutler
Fließende Wasser – Flusslandschaften der Alpen und Mitteleuropas

Haupt Verlag, Bern (CH)/Stuttgart/Wien (A), 1. Auflage: 9/2008
HC, Sachbuch, Natur & Tier, Bildband
ISBN 9783258073798
Titelgestaltung von Atelier Mühlberg, CH-Basel
Fotos von Jan Ryser
www.haupt.ch
www.janryser.ch/

Wasser gehört zu den selbstverständlichen Ressourcen und Lebensgrundlagen unserer Erde. Niemand macht sich wirklich Gedanken, wo es herkommt, an welchen Vorgängen in der Natur es mitverantwortlich ist und was passiert, wenn es einmal aus dem natürlichen Kreislauf herausgerissen wird. Ähnlich sieht es mit den Gewässern aus. In seinem Wahn, alles kontrollieren zu müssen, hat der Mensch auch Quellen und Flüsse in vorgefertigte Betten gezwungen, um Überschwemmungen und andere vermeidliche Katastrophen zu verhindert – und im Grunde damit auch andere provoziert. Denn von der Quelle bis zur Mündung haben fließende Wasser nicht nur Flüssigkeit sondern auch ganze Ökosysteme geschaffen.

Und welche das sind, davon berichten Jan Ryser und Raymond Beutler in ihrem Buch „Fließende Wasser – Flusslandschaften der Alpen und Mitteleuropa“. Sie bedauern, dass kaum noch ein Gewässer in Mitteleuropa wirklich Natur belassen wurde, und so ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Fotos eher aus östlichen Gebieten stammen, in denen Einwohnerzahl und Geld es gar nicht erlaubten, solche großen Veränderungen vorzunehmen.

Das Buch beschäftigt sich zunächst allgemein mit der Bedeutung des Wassers, seinen besonderen Eigenschaften, die als selbstverständlich erachtet werden und es doch nicht sind, sie besprechen den Kreislauf des Wassers und wie er im Alpenraum zu finden ist. Wie sehr Fließgewässer die Landschaft prägen, zeigen sie im nächsten Kapitel. Sie beschreiben seinen Anteil an der Verwitterung und Abtragung oder bei der Gestaltung von Talformen. Sie zeigen, welche Lebensbedingungen die Fließgewässer in welchen Abschnitten für Tiere und Pflanzen bieten, wie Gletscher entstehen und sich wieder auflösen und dass dort auch Leben möglich ist.

So unterschiedliche Quelltypen es gibt, so abwechslungsreich ist auch der Boden, das Gestein und schließlich das Ökosystem drum herum beschaffen. Einen Sonderfall bilden Karstquellen, bei denen das versickerte Wasser unmittelbar wieder austritt und daher auch die Stärke der Wasserabgabe schwanken kann. Ein weiteres Kapitel widmet sich den verschiedenen Bach-Typen und dem Lebensraum, den sie bieten. Das nachfolgende beschreibt, wie sie ihren Lauf durch Ablagerungen und Erosion nach und nach verändern, wie auch die Tier- und Pflanzenwelt darauf Einfluss nimmt.

Nicht zuletzt werden Schluchten und Wasserfälle aufgegriffen. Hier betrachten die Autoren nicht nur kritisch die gerne zitierten Superlativen und nennen diejenigen Orte, die ihrer Meinung nach wirklich den Titel für die tiefste Schlucht oder den höchsten Wasserfall verdienen, sondern beschreiben auch, wie die verschiedenen Formen entstehen konnten.

Im letzten Kapitel gehen sie auf Flüsse ein. Wie haben diese Täler geschaffen und wie beeinflussen sie diese noch heute, wenn man sie nur lässt – das fängt mit mäandernden Flussläufen an und geht hin bis zu den Auenlandschaften, die im großen Ausmaß und Natur belassenem Zustand nur noch in Osteuropa zu finden sind.

Die Autoren stellen in „Fließende Wasser – Flusslandschaften der Alpen und Mitteleuropa“ die faszinierende Welt des Wassers in Facetten vor, die wir vor allem in unserem unmittelbaren Umfeld finden können, ohne erst extrem weit reisen zu müssen. Sie benutzen zwar einen wissenschaftlichen und manchmal etwas trockenen Stil, achten aber auch sehr genau darauf, fachspezifische Informationen und Begriffe für Laien verständlich und nachvollziehbar zu erklären. Viele Fotografien vertiefen ihre Erklärungen und bieten dazu noch wunderschöne Landschaftsansichten, von denen man gar nicht glauben mag, dass es sie so noch in Europa gibt, wenn man selbst nur die kanalisieren Flüsse und Bäche, die ummauerten Quellen und die begradigten Läufe im Kopf hat.

Beides zusammen erzeugt ein lebendiges Bild europäischer Flusslandschaften, das zudem auch aufnahmefähig und aufmerksam für die unaufdringlich vorgebrachte Kritik und die Warnungen in Bezug auf Umweltschutz macht. Der Klimawandel ist ebenso ein Thema wie der Raubbau, den die Menschen betrieben haben, was man vor allem im Kapitel über die Gletscher merkt. Alles in allem ist „Fließende Wasser – Flusslandschaften der Alpen und Mitteleuropa“ ein gelungen gestaltetes Sachbuch, das nicht nur Naturfreunden einen interessanten Einblick in die Wasserwelt rund um die Alpen gibt, sondern auch Neulinge informativ und unterhaltsam an das Thema heran führt. Vor allem die vielen Fotografien helfen dabei, den Zauber besonders zu vertiefen. (CS)

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Fliessende Wasser: Flusslandschaften der Alpen und Mitteleuropas

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