Handbuch der Schmuck- und Edelsteine

Judith Crowe & Cally Oldershaw
Handbuch der Schmuck- und Edelsteine

The Jeweller’s Directory of Gemstones, GB, 2006
Haupt Verlag, Bern (CH)/Stuttgart/Wien (A), 9/2008
HC, Kunsthandwerk, 978-3-258-07298-2, 176/3990
Aus dem Englischen von Birgit Lamertz-Beckschäfer
Titelbild und Fotos von Paul Forester & Juliet Sheath
Innenillustrationen von Kuo Kang Chen

www.haupt.ch

Funkelnde Juwelen, in deren Facetten sich das Licht mannigfach bricht, sind seit Menschengedenken der Inbegriff von Reichtum und Macht. Doch die wenigsten Menschen bringen die schimmernden Kleinodien mit den stumpfen Mineralien und Steinen in Verbindung, die an ihren Fundorten aus der Erde geholt werden. Und manch ein Stein wird erst durch seine Verarbeitung zu einem Kunstwerk, das die Menschen in ihren Bann schlägt.

„Das Handbuch der Schmuck- und Edelsteine“ von Judit Crowe und Cally Oldershaw beschäftigt sich deshalb nicht nur mit den verschiedenen Juwelenarten, sondern holt noch ein wenig weiter aus. Deshalb ist auch der erste Teil des Buches sehr allgemeinen Themen gewidmet:

Wie sind Edelsteine überhaupt entstanden, wo kommen sie normalerweise vor, und wie kann man über sie verfügen – in der Vergangenheit und heute?

Das Buch erzählt von den verschiedenen Arten der Gewinnung und den Lagerstätten rund um die Welt, von der Verwendung und dem Vertrieb – denn nicht alle Steine sind eine Wertanlage, sondern gehen aufgrund ihrer geringen Größe oder Unsauberkeit gleich als Werkzeugkomponenten in die Industrie, vor allem Diamanten.

Dann wendet sie sich den allgemeinen Eigenschaften der Steine zu. Besonders die so genannte ‚Moshärte’ bestimmt ihre Zuordnung. Einschlüsse und optische Phänomene können ebenfalls eine Auswirkung auf den Wert des Steins haben.

Weitere Abschnitte sind den verschiedenen Formen des Edelsteinschliffs gewidmet, der einem Juwel erst seinen besonderen Zauber oder Wert verlehnt.
Am gebräuchlichsten sind dabei wohl die verschiedenen facettierten Schliffe, egal ob rund oder eckig. Manchmal werden aber auch spezielle Edelsteinschliffe angewandt, Perlen hergestellt oder die Steine weitestgehend naturbelassen verkauft.

Im zweiten Teil wendet sich die Autorin den Steinvarietäten zu.
Nach einem kurzen Überblick über die Methoden zur Behandlung und Schönung, wie z. B. Bestrahlung oder Polierung, stellt sie die verschiedenen Edelsteinfamilien vor. So erfährt man, dass Rubine und Saphire eigentlich nur verschiedenfarbige Variationen ein und desselben Steines sind und zur Familie der Korunde gehören.

Die einzelnen Kapitel gliedern sich in eine kurze Vorstellung der Familie, ihre Bedeutung und ihr Einsatz in der Schmuckherstellung, die klassische Spezifizierung (Härte, Dichte, Lichtbrechung, Kristallform) oder das natürliche Vorkommen.

Die Autorin macht aber auch auf Gefahren und Fallen beim Edelsteinkauf aufmerksam, die in der heutigen Zeit nicht in den Wind zu schlagen sind. Ein weiterer Abschnitt ist den organischen Rohstoffen gewidmet, zu denen in erster Linie Perlen, Bernstein, Korallen und Perlmutt gehören.

Der dritte und letzte Teil ist dem Gestalten mit Edelsteinen gewidmet. Die Autorin beschreibt aus ihrer Erfahrung, welche Fassungen sich für welche Art von Steinen als geeignet erwiesen haben, wie man ausgefallene Formen nutzt und so fort.

Man merkt sehr wohl, dass das „Handbuch der Edelsteine“ an diejenigen gerichtet ist, die sich beruflich mit Edelsteinen beschäftigen müssen, wie zum Beispiel Goldschmiede und Juweliere, da nicht alles bis ins Detail erklärt wird. Vor allem Auszubildende erhalten hier ein Buch, das ihnen eine komprimierte und klare Übersicht über die wichtigsten Bereiche gibt, die sie auf jeden Fall kennen müssen.

Das Buch ist jedoch nicht so kompliziert geschrieben, dass man als Laie von Fachbegriffen erschlagen wird. Die meisten erklären sich bereits aus dem Kontext oder sind in einem speziellen Register nachschlagbar, so dass man nicht lange suchen muss.

Man erfährt eine Menge wissenswerter Dinge, die einem sonst vorenthalten werden – so wie die umstrittene und mittlerweile immer seltener angewandte Praxis, Edelsteine radioaktiv zu bestrahlen, um deren Farbe zu intensivieren. Durch die vielen Bilder kann man die Erklärungen sehr leicht nachvollziehen und Unterschiede bei verschiedenen Schliffen erkennen.

Tatsächlich beginnt man Juwelen nach der Lektüre dieses Buches mit ganz anderen Augen zu sehen, und bewundert die Handwerker vielleicht noch mehr – nachdem man nun weiß, wie viel Arbeit es eigentlich macht, einem Edelstein – egal ob Mineral oder organischer Natur – seine verborgene Schönheit zu entlocken.

Das macht das „Handbuch der Edelsteine“ zu einem interessanten und vielseitigen Nachschlagewerk, das nicht nur für angehende Fachleute interessant ist, die sich einen ersten Überblick verschaffen wollen, sondern auch für den Schmuck interessierten Laien, der mehr über die Kunst rund um die Edelsteine erfahren möchten. (CS)

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Handbuch Schmuck- und Edelsteine: Beurteilung und Verwendung, Farbe und Form, Schliff und Fassung

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