Kosmische Reise – Von der Erde bis zum Rand des Universums

Stuart Clark
Kosmische Reise – Von der Erde bis zum Rand des Universums

(sfbentry)
Originaltitel: Voyager (überarbeitete Neuauflage 2012)
Spektrum Akademischer Verlag
ISBN: 978-3-8274-3023-6
Sachbuch, Bildband
Erschienen: 1. Auflage 12.10.2012
Übersetzer: Ivo Gallmetzer
Umfang: ca. 240 S., 200 Abb. in Farbe.; Produktform : Hardcover; 26 x 31,5 cm

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Der Autor

Stuart Clark ist leitender Redakteur für Weltraumwissenschaft der European Space Agency (ESA) und Autor der erfolgreichen Sachbücher “The Sun Kings”, “Deep Space” und “Galaxy”. Er schreibt für New Scientist, BBC Focus, The Times, Guardian und Economist. Aus seiner Feder stammt auch der Band “Universum” aus der bei Springer Spektrum verlegten Reihe „Die großen Fragen“.
(Quelle: Spektrum Akademischer Verlag)

Buch

Großformatig und angenehm schwer ruht Stuart Clarks “Kosmische Reise” auf meinen Schoß. Immerhin bringt der Band mehr als anderthalb Kilo auf die Waage! Auf dem Umschlag prangen in Blau, Rot und Braun vor dunklem Hintergrund die wolkigen Strukturen des Carinanebels, einem Sternentstehungsgebiet, das sich in einer Entfernung von bis zu zehntausend Lichtjahren von der Sonne befindet. Darunter in silber glänzenden Lettern und erhabener Prägung der Titel “Kosmische Reise” mit dem Untertitel “Von der Erde bis zum Rand des Universums”. Schon der Blick auf das Inhaltsverzeichnis macht eine Besonderheit dieses Bandes deutlich: in der oberen Hälfte stehen die Kapitel, in diesem Fall alle besprochenen astronomischen Objekte, mit Seitenreferenz in gewohnter Weise, darunter jedoch reihen sich daumennagelgroße Bilder dieser Objekte wie Perlen auf einer Schnur. Das macht es extrem einfach, quasi im Sichtflug durch die Kapitel zu navigieren und sich einen Überblick zu verschaffen, frei nach dem Motto: ein Bild sagt mehr als tausend Worte – und das optische Gedächtnis ist weitaus leistungsfähiger als das Namensgedächtnis.

Die “Kosmische Reise” beginnt in unserer kosmischen Heimat, genauer gesagt, auf unserem Heimatplaneten, der Erde, und führt den Leser an Sternen und Galaxien vorbei immer weiter hinaus in die tiefsten Tiefen des Alls bis zum Rand des Universums. Natürlich hat das Universum nicht wirklich einen Rand, aber die am weitesten entfernten Signale, die uns aus einer Zeit vor 13,7 Milliarden Jahren erreichen, wurden kurz – etwa 380000 Jahre – nach dem Urknall ausgesendet, und von weiter weg, respektive aus Zeiten davor können uns keine Signale erreichen. Diese ersten freien Photonen, die den so genannten Mikrowellenhintergrund bilden, formen in diesem Sinne gewissermaßen einen Rand. Eine solche Reise ist damit auch immer eine Zeitreise in die Geschichte des Universums. Die Bilder, die wir von Planeten, Sternen, fernen Galaxien oder jenem Mikrowellenhintergrund empfangen, zeigen uns deren Zustand, wie er vor wenigen Stunden, Jahren oder Millionen bis Milliarden von Jahren gewesen ist.

In der Einleitung erklärt der Autor solche Zusamenhänge allgemein verständlich, ohne den Lesefluss mit zu vielen oder zu komplizierten Details zu hemmen, und gibt einen Überblick über die Entwicklung von Sternen, Galaxien und des Universums. So weit, so gut. Jetzt ist der Leser hinreichend motiviert, sich einer reichhaltigen Auswahl der faszinierendsten Himmelskörper im Detail zu widmen. Der Band ist in vier Abschnitte unterteilt: “Im Reich der Planeten” stellt eine Auswahl von Planeten und Monden aus unserem Sonnensystem vor; “Im Reich der Sterne” befasst sich mit Sternen, Nebeln, Planetarischen Nebeln u.ä., die sich in unserer Galaxie, der Milchstraße, befinden; “Im Reich der Galaxien” betrachtet Galaxien innerhalb der Galaxienhaufen und Superhaufen bis zu einer Entfernung von wenigen Milliarden Lichtjahren; und “Zwischen den Zeiten” versucht einen Blick darüber hinaus – bis zum Rand des sichtbaren Universums. Jede Doppelseite zeigt ein astronomisches Objekt in Wort und Bild. Während auf der linken Seite stets ein großformatiges Foto zu sehen ist, steht rechts neben einem oder mehreren weiteren Bildern ein erläuternder Text.

Sonne, Mond und Sterne – Beispiele gefällig?

Der auf dem Umschlag abgebildete Carinanebel enthält ein Gebiet, das in astronomischen Zeiträumen gemessen demnächst einen Stern ähnlich der Sonne hervorbringen wird. Allerdings geht man davon aus, dass dieser Stern nie die Heimatsonne irgendeiner Lebensform wie bei uns auf der Erde sein wird, denn, so der Autor, wird ihm seine Nähe zu dem Riesenstern Eta Carinae in nicht so ferner Zukunft zum Verhängnis werden. Dieser Hyperriese mit seinen über 100 Sonnenmassen wird sein Leben in einer gigantischen Supernova aushauchen. Planeten, die sich möglicherweise bis dahin um den sonnenähnlichen Stern in seiner Umgebung gebildet haben, werden vermutlich ihre Atmosphäre einbüßen.

Monde sind langweilig? Nicht unbedingt. Einem aus der Vielzahl der Trabanten des Saturn, Hyperion, wollte es offensichtlich nicht so ganz gelingen, sich zu einem kompakten Mond zu entwickeln. Er ist nicht mehr als ein unregelmäßiges, nur wenige hundert Kilometer großes loses Konglomerat aus Eis und Gestein, durchsetzt von Hohlräumen. Ein riesiger Krater auf dessen Oberfläche ist ein Hinweis auf den Einschlag eines größeren Gesteinsbrockens. Der Zusammenprall hätte Hyperion zerstört, wäre sein Aufbau nicht von dieser schwammartigen Struktur, die die Energie dieses Impakts abgepuffert hat. Ein anderes interessantes Merkmal ist seine chaotische Rotation: die Neigung seiner Achse lässt sich ebenso wenig vorhersagen wie seine Periode. Daher könnte, wie Clark bemerkt, ein Beobachter auf dessen Oberfläche nie sicher sein, wo und wann die Sonne auf- oder untergeht. Im Buch wird dieser Umstand durch seine sehr exzentrische Bahn, seine Form und seine periodische Annäherung an einen anderen großen Mond erklärt.

Iapetus, ein anderer Saturnmond, sieht aus wie ein zur Hälfte in Farbe getauchter Schneeball. Vorne, also in der Richtung seines Umlaufs um Saturn, absorbiert er 95% des einfallenden Lichts, während seine Rückseite die Hälfte der Strahlung reflektiert. Enceladus ist einer der wenigen vulkanisch aktiven Trabanten im Sonnensystem, allerdings speit er Wasser statt Lava und speist wegen seiner geringen Anziehungskraft damit ständig einen der Saturnringe.

Und so geht es weiter. Jeder Planet und jeder Mond, jeder Stern, Nebel und jede Galaxie hat ihre oder seine spezielle Geschichte zu erzählen, wobei selbstverständlich nicht alle Planeten, Monde oder sonstige astronomischen Objekte in der Auswahl auftauchen können. Der Autor gibt sich nicht damit ab, trockene Fakten aneinanderzureihen, die muss man sich, falls nötig, aus anderen Quellen zusammensuchen. Vielmehr präsentiert er Objekte, die besondere Merkmale aufweisen, die eine besondere Rolle sowohl in der Entwicklung des Universums, als auch der Geschichte der Wissenschaften spielen oder gespielt haben.

Fazit

Die Informationen sind weder erschöpfend noch ausufernd, trotzdem informativ; sie sind nicht hoch wissenschaftlich, sondern populär und daher nicht frei von Vereinfachungen, was jedoch für einen Bildband absolut in Ordnung ist. Wie gesagt, als Nachschlagewerk oder Lehrbuch sollte man sich ein anderes Buch besorgen, am besten zusätzlich. Die Texte sind weiß auf schwarz gedruckt, lassen sich aber gut lesen. Auf diese Weise fügen sie sich zwar viel besser in das schwarze Passepartout der Bilder ein, aber hinsichtlich der Ergonomie ist schwarz auf weiß eindeutig besser. Das hervorragende Bildmaterial gehört zum Besten, was ich seit langer Zeit gesehen habe.

Ganz klar, Stuart Clarks “Kosmische Reise” ist ein herrlicher Schmöker, nicht vollständig, aber vollständig faszinierend. Empfehlen kann ich diesen schicken Band all jenen, die Spaß an der Astronomie haben. Falsch kann man mit diesem Buch kaum etwas machen, außer, es sich entgehen zu lassen.

Copyright © 2012 by Michael Bahner

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