Bis(s) ins Innere des Protons – Ein Science Slam durch die Welt der Elementarteilchen, der Beschleuniger und Supernerds

Boris Lemmer
Bis(s) ins Innere des Protons – Ein Science Slam durch die Welt der Elementarteilchen, der Beschleuniger und Supernerds

(sfbentry)
Springer Berlin
ISBN: 978-3-642-37713-6
Sachbuch, Bildung
Erschienen: 08.10.2013
X, 291 S., X, 291 S. 124 Abb., 122 Abb. in Farbe. – 23,5 x 15,5 cm
Paperback

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Der Autor

Boris Lemmer ist Teilchenphysiker und forscht an der Uni Göttingen und am CERN am ATLAS Experiment. Als mehrfacher Gewinner und deutscher Meister im Science Slam 2011 hat er es sich zur Aufgabe gemacht, sein Wissen über die kleinsten Bausteine unseres Universums auch dem interessierten Laien zugänglich zu machen – und dies mit Charme und Humor.
(Quelle: Springer)

Das Buch

Bei dem Buch “Bis(s) ins Innere des Protons”, das verrät der Untertitel, handelt es sich um einem Science Slam. Nur, was ist das? Nachwuchswissenschaftlern wird durch diese Einrichtung die Möglichkeit geboten, ihre Forschungen einem breiten Publikum populärwissenschaftlich und möglichst unterhaltsam zu präsentieren. Slam bezeichnet einen Wettstreit, was schon impliziert, dass es zählt, in diesen zehn Minuten die beste Unterhaltung zu bieten. Und das hat Boris Lemmer sogar mehrmals geschafft – gemeinsam mit vielen skurrilen Elementarteilchen und dem Large Hadron Collider (LHC) als Thema.

Dass dieses Buch nicht in zehn Minuten durchgelesen werden kann, ist klar. Inhaltlich baut es zwar auf seinen Slam-Vorträgen auf, ist aber mit über 280 Seiten naturgemäß um einiges ausführlicher. Dennoch bringt es der Autor fertig, die Lesezeit extrem kurz erscheinen zu lassen.

Zunächst erzählt er in knappen Worten, um was für ein Völkchen es sich bei den Forschern am CERN handelt, unter dessen Oberfläche sich die langen Tunnel des derzeit größten Beschleunigers der Welt, des LHC befinden, bevor er sich ausführlich seinem ersten zentralen Thema zuwendet: den Teilchen, aus denen die Welt aufgebaut ist, und den Kräften, die sie beherrschen. Der Leser erfährt von Elektronen, Neutrinos und Quarks, von Eichbosonen und Anti-Materie und wie sich manche der Elementarteilchen erzeugen lassen, wenn man nur die nötige Energie aufbringt. Dabei verwendet der Autor sowohl witzige, aber überaus anschauliche Vergleiche mit Bibern auf Skateboards, die sich Sachen zuwerfen, als auch manche Formel, die er in so genannten “Schlauboxen” kapselt und erklärt. Von den Dingen, die speziell am LHC untersucht werden, berichtet der Autor im dritten Kapitel. Hier darf natürlich das erst kürzlich entdeckte Higgs-Boson nicht fehlen, das laut Theorie der Materie ihre Masse verleiht. In den folgenden beiden Kapiteln werden die Funktionsweisen von Beschleunigern und Detektoren erklärt. Projektile werden auf die Reise geschickt, um dann in den großen Detektoren aufeinander zu prallen und eine Unmenge von Daten zu produzieren. Einen kleinen Einblick in das Detektivspiel, wie diese riesigen Datenmengen analysiert und interessante von weniger interessanten Ereignissen getrennt werden, gibt der Autor im fünften Kapitel. Zum Schluss gibt es noch Beispiele, wo und wie Teilchenphysik im Alltag eingesetzt wird, einen Ausblick auf zukünftige Forschungen, ein Literaturverzeichnis und ein gutes Sachregister.

Ja, sie kommen in diesem Buch durchaus vor: die garstigen Formeln. Biester, die auf den ersten Blick, vor allem auf den unbedarften, nicht wissenschaftlich vorbelasteten Leser erschreckend wirken. Der Autor verliert sich jedoch nicht in ausschweifenden Erklärungen der mathematischen Grundlagen, sondern formuliert in klaren, allgemein verständlichen Worten die Aussage dieser Gleichungen. Man wird kein Mathe-Genie danach sein – ist auch nicht der Zweck -, aber man bekommt eine gute Vorstellung und ein Gefühl dafür, wie Formel und Physik mit der Wirklichkeit zusammenhängen.

Augenscheinlich (der Autor gibt das auch zu) stand beim Titel “Bis(s) ins Innere des Protons” mit dem ersten Teil der Twilight-Saga ein Film für die jüngere Generation Pate. Der lockere Schreibstil, die Comic-Tierchen und Kuschel-Elementarteilchen und vor allem die immer wieder eingestreuten QR-Codes, über die man per Smartphone Videos abrufen kann, machen es den Lesern leicht, sich auf unkomplizierte Weise mit der Materie zu beschäftigen. Die oder der eine oder andere wird darüber – um im Bild zu bleiben – sicherlich Blut lecken und mehr wissen wollen. Die Links können auch direkt im Internet abgerufen werden, was es allen Besitzern eines PCs ermöglicht, ebenfalls in den Genuss der Videos zu kommen.

Übrigens: zum Aufwärmen sollte man sich im Internet unbedingt einen der Vorträge Lemmers anschauen. Einfach nach den Stichwörtern „Science Slam“ und „Lemmer“ suchen.

Fazit

Boris Lemmer führt in seinem Buch “Bis(s) ins Innere des Protons” die Leser mit lässiger Sprache und witzigen Sprüchen durch die Katakomben des CERN  und die Welt der Elementarteilchen. Mit den äußerst anschaulichen Beispielen, der unkomplizierten Herangehensweise und nicht zuletzt wegen der vielen tollen Fotos, Grafiken und Videos fällt es dem Leser leicht, auch schwierigere Sachverhalte zu begreifen.

Ein grandioser, kurzweiliger Trip für alle naturwissenschaftlich Interessierten. Sehr empfehlenswert.

Copyright © 2013 by Michael Bahner

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Comments

  1. @ Detlef

    Ich vergaß: das passt gut in die Antho „Fragen an den Opa“ – für etwas ältere Leser.

  2. Habe den Typen mal auf einer Veranstaltung gesehen. Fand ich nicht sonderlich witzig und sehr unprofessionell! 🙁

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