Das Heureka-Prinzip

(sfbentry)
Chad Orzel
Das Heureka-Prinzip – Entdecke den Wissenschaftler in dir

EUREKA – Discovering Your Inner Scientist (2014)
Springer-Verlag Berlin Heidelberg
ISBN: 978-3-662-48231-5
Sachbuch
1.Auflage 2017
Aus dem Englischen von Sebastian Vogel
XXXI, 487 Seiten; 196 x 131 mm
Softcover

www.springer.com/de


Chad Orzel ist Professor am Institut für Physik und Astronomie des Union College in Schenectady im US-Bundesstaat New York. Er ist Autor der Sachbücher Schrödingers Hund und Einsteins Hund und schreibt den Blog Uncertain Principles. Er lebt mit seiner Frau, zwei Kindern und der Hündin Emmy in Niskayuna im US-Bundesstaat New York.
(Quelle: Springer-Verlag)

Wie wäre es mit einer Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten? Was bedeutet eigentlich „wissenschaftliches Arbeiten“? Im Allgemeinen bringt man den Begriff nur mit furchtbar schlauen Menschen in Verbindung und solchen, die viel (fachliches) Wissen angehäuft haben. Diese Perspektive vergrößert natürlich die Distanz und macht das Ganze zu etwas Abgehobenem und für den normalen Menschen Unerreichbarem. Dass dem ganz und gar nicht so ist, sondern dass die entsprechenden Fertigkeiten prinzipiell allen zur Verfügung stehen und von vielen, ohne dass sie sich dessen bewusst sind, bereits angewendet werden, versucht Chad Orzel, Professor für Physik und Astronomie, den Lesern in seinem Buch Das Heureka-Prinzip – Entdecke den Wissenschaftler in dir zu vermitteln.

Der Autor unterteilt die Vorgangsweise beim Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens in die vier folgenden Schritte: Beobachten, Denken, Überprüfen und Berichten. Konsequenterweise gliedert sich auch das Buch in diese Teile:

Teil I Schritt 1 – Beobachten
Die Entstehung der Arten wird gesammelt
Die Alleinherrschaft der Wissenschaftsküche
Nadeln im Heuhaufen
Walter im Zoo der Galaxien
Teil II Schritt 2 – Denken
Das Periodensystem wird gebaut
Die erlaubten Fragen stellen
Dinosaurier und Krimis
Teil III Schritt 3 – Überprüfen
Quantenkreuzworträtsel
Präzisionsbäckerei
Wie Schach ohne Würfel
Teil IV Schritt 4 – Berichten
Wissenschaftliches Geschichtenerzählen
Was funktioniert? Teamarbeit!
Reden wir über Sport
Dreiste Lügen und Statistiken
Zum Schluss: Wissenschaft ist nie vorbei

Wie man sieht, bedient sich der Autor aus vielen Bereichen der Wissenschaft, insbesondere greift er einige sehr prominente Beispiele aus der Wissenschaftsgeschichte auf, wie beispielsweise im Beobachten-Teil das akribische Zusammentragen von Informationen über Tierarten aus aller Welt. Charles Darwin konnte, wie man weiß, damit die Grundlage zur Erklärung der Evolutionstheorie legen. Jeder, der einem Sammelhobby nachgeht, geht dabei offenbar ähnlich vor wie seinerzeit der bekannte Naturforscher. Immer wieder zieht der Autor solche Parallelen zwischen wissenschaftlicher Forschung und Tätigkeiten aus dem täglichen Leben und macht damit deutlich, wie wenig sich diese Prozesse voneinander unterscheiden. Gegen Ende des Buches wird allerdings auch klargestellt, dass hier nur in groben Zügen beschrieben ist wie Wissenschaft betrieben wird, in Wirklichkeit, so Orzel, sei der Prozess natürlich viel komplizierter.

Ist jetzt jeder ein großer Forscher? Offenbar sollte die menschliche Neugier, das natürliche Bedürfnis, hinter die Kulissen zu blicken, Dinge zu sammeln, auszuprobieren und sich anderen Menschen (über die eigenen Beobachtungen) mitzuteilen alle dazu befähigen, so etwas wie „Forschung“ zu betreiben. Wobei, wie der Autor im Vorwort bemerkt, selbst ein vergleichsweise simples Spiel wie Angry Birds die verschiedenen Aspekte wissenschaftlichen Vorgehens erfordert, um zum Ziel zu gelangen. Ich habe es zwar ausprobiert, aber so richtig mag zumindest dieses Beispiel nicht passen.

Das Buch stellt keine explizite Anleitung zur Verfügung, wie man wissenschaftlich forscht oder zum Forscher wird. Vielmehr versucht es, den oftmals als sehr abgehoben erscheinenden Prozess der wissenschaftlichen Vorgehensweise verständlich zu machen. Und das ist dem Autor glänzend gelungen, obwohl er oft über Themen berichtet, die nicht zu seinem eigentlichen Fachgebiet, der Physik, gehören. Vielleicht ist aber auch gerade das der Grund, weshalb man – auch aus Versehen – nicht von Fachtermini überrollt wird und sich als Leser gut aufgehoben fühlt. In jedem Fall weiß der Autor, die Leser zu unterhalten, zu amüsieren und bei der Stange zu halten. Das Buch liest sich flott und angenehm wie leichte Prosa, wenn es um geschichtliche Exkurse oder alltägliche Dinge geht. Aber selbst die Beschreibungen wissenschaftlicher Erkenntnisse und Theorien wie Evolutionstheorie oder Quantenmechanik sind sehr verständlich.

Der Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens ist nicht ausschließlich für eine elitäre Gruppe von harmlosen oder mad scientists verfügbar. Die Fähigkeiten stecken in jedem von uns, man muss sich dessen nur bewusst werden. Das ist eine der erhellenden Aussagen in Das Heureka-Prinzip – Entdecke den Wissenschaftler in dir. Dass diese Art der Vorgehensweise in viele Bereichen des täglichen Lebens hinein spielt, wird ebenfalls schnell deutlich. Darüber hinaus lohnt sich die Lektüre auch wegen des leichten Stils und Chad Orzels unkomplizierter Art, Geschichten zu erzählen und Sachverhalte zu erklären.

Copyright © 2017 by Michael Bahner

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